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Automobile Belohnung

Gut 2 Jahre Ausbildung sind zuende gegangen. Am 31.03.2020 hatte ich die schwerste und zugleich leichteste Prüfung vor mir: eine mündliche Präsentation samt anschließender Fragerunde. Beides meisterte ich recht gut.
Nun hatte ich also eine abgeschlossene Ausbildung zum Industriekaufmann in meiner Tasche. Das Ganze einfach so für sich stehen zu lassen ging aber irgendwie nicht. 2 Tage später saß ich im Bus in die Stadt. Da kam mir eine Idee: ich könnte mir doch für ein paar Tage ein Fahrzeug mieten. Lang war es her seit dem letzten automobilen Abenteuer. Hoffentlich gibt es das Wochenend-Angebot bei Europcar noch. Kurz im Netz recherchiert und fündig geworden. Keine 20 Stunden später stand ich vor meinem kleinen roten Begleiter für die kommenden Tage vom 03. – 06. April 2020.

Kleiner roter Flitzer
Kleiner roter Flitzer

Es würden ein paar besondere Tage werden, hält uns doch gerade die Krankheit CoVID-19 im Bann. Das war beim ersten Einsteigen kaum zu übersehen.

Der Freitag gestaltete sich eher unspektakulär. Bisschen an das Gefährt gewöhnen, bisschen einkaufen. Viel mehr passierte nicht.

Erst am Samstag wurde es interessant. Ich wollte eine Freundin im Odenwald besuchen und das Ganze nicht allein. Mit einem weiteren Freund aus der zuende gegangenen Ausbildungszeit machte ich mich auf den Weg in die Berge. Wir cruisten bei schönstem Wetter über kurvenreiche Straßen nach Nordosten. Ein kurzes Hallo auf Distanz, ein bisschen schwätzen. Zu Abschied gab sie uns noch den Tipp, den nahegelegenen Galgen in Beerfelden zu besuchen. Gesagt, getan.
Hier ein paar Impressionen davon:

Beerfelder Galgen
Steinmauer
Detail des Galgens
Blick über die Anlage
Frühling im Odenwald No.1
Frühling im Odenwald No.2

Anschließend fuhren wir über ein paar kleinere Umwege zurück, sodass sich die Strecke nahezu verdoppelte.
Ich holte mir was zu futtern und machte ein  paar Besorgungen.
Die Sonne näherte sich währenddessen langsam dem westliche Horizont. Wo ich doch schon in der Gegend war, konnte ich doch auch zu einem meiner Lieblingsplätze fahren – zur Strahlenburg oberhalb von Schriesheim. Dort genoss ich die Ruhe und den Sonnenuntergang über den Türmen Mannheims.

Weg zum Mond
Nah und fast voll
Unterwegs in den Weinbergen
Sonnenuntergang über Mannheim
Weiter Blick
Planespotting
Mondlandschaft

Nach diesem intensiven Tag fuhr ich langsam heim. Machte aber noch kurz Halt in den Weinbergen um Rohrbach um Venus in den Plejaden zu fotografieren.

Venus & Plejaden

Sonntagmorgen wollte ich früh raus um meinen Flitzer bei schönem Lich in Szene zu setzen. Dazu hatte ich mir (mal wieder) den Parkplatz Posseltslust ausgesucht. Bei warmer Morgensonne entstand eine recht große Bilderserie. Diese werde ich Euch in einem eigenen Artikel zum A1 präsentieren. Hier nur eines dieser Bilder:

Vier Ringe für viel Spaß

Auf der Rückfahrt passierte dann etwas. Das fasste ich am selben Abend noch in einem kleinen Beitrag auf Facebook in Worte:

Heute vormittag hörte ich plötzlich Rufe von weitem.
Erst ignorierte ich sie. Doch dann begann ich, ihnen zu folgen. Sie führten mich nach Süden. Hinter Karlsruhe wurden sie immer deutlicher und ab Baden-Baden konnte ich sie verstehen. Da war sie, die Schwarzwald-Hochstraße! Sie wollte mich haben. Ich begann das kurvenreiche Abenteuer, das mich bis auf über 1.000 Meter Höhe führte. Plötzlich war Ruhe, keine Rufe mehr. Ich hatte den Mummelsee erreicht.
Keine Spur von Reue in mir. Höhenluft und Schneereste. Herrlich.
Der Rückweg führte mich durch das wunderschöne Murgtal.

Ich wollte den Nordschwarzwald wieder er-fahren. In den Mittagsstunden dieses sonnigen Sonntags fuhr ich nach Süden. Kaum verkehr auf der A5. Erst beim verlassend er Autobahn wurde es voller. In Baden-Baden sammelten sich die Sonnenanbeter und Freizeitgenießer. Viele Motorräder und Radfahrer auf der kurvenreichen Strecke der B500. Etwa 15 Kilometer vor dem Mummelsee – mittlerweile auf über 800 Metern Höhe – erspähte ich am Straßenrand die ersten Schneefelder. An der Hornisgrinde angekommen war es sehr dunstig; kaum Fernsicht. Dazu volle Parkplätze.
Ich schnappte meinen Rucksack und spazierte ein wenig umher. Erst zum See, anschließend ein bisschen am Südwesthang des Berges entlang. Die meisten Besucher hielten sich an die Abstandsregel. Sehr angenehm das alles. Was ich jedoch vermisste, war Polizei. Ich hatte damit gerechnet, dass an diesem Touristenort kontrolliert werden würde, aber nix. Auch später nicht. 
Trotz 1.000 Metern Höhe war es angenehm warm. Unterwegs kam ich an ein paar frisch geschlagenen Bäumen vorbei. Welch wohliger Duft.
Aber ich lasse lieber Bilder sprechen.

Voller Parkplatz am Mummelsee
Reste vom Winter No.1
Reste vom Winter No.2
Mummelsee und Grinde-Hütte
Kunst auf dem See
Grinde-Hütte
Besondere Situation
Geruch von frisch geschlagenem Holz
Weg ins Blau
Dunstiger Blick nach Süden
Bergwald auf der Hornisgrinde
Besondere Werbung - ein Citroën HY
Der Frühling erwacht

Nach einer guten Stunde fuhr ich langsam zurück. Anfangs wollte ich den direkten Weg nehmen, doch recht bald entschied ich mich anders. Fuhr nach Herrenwies und weiter zur Schwarzenbachtalsperre. Einen angedachten Stopp ließ ich ausfallen. Es war einfach zu voll.
Also weiter ins Murgtal nach Forbach. Vor 6 Jahren war ich schon einmal da gewesen, hatte aber damals nur den Ort besichtigt und war anschließend umgedreht. Dieses Mal fuhr ich weiter nach Norden. Und entdeckte eine wunderschöne Gegend, die ich bald mal per Zug erkunden will.
Über die noch leerere Autobahn fuhr ich zuurüch nach Heidelberg.

Abends meldete sich dann mein Telefon. ISS-Überflug in 10 Minuten! Zuerst wollte ich dieses sausen lassen, packte dann aber doch schnell meine Sachen und machte mich auf den Weg zu einem nahen Aussichtspunkt. Schnell Stativ aufbauen und warten. Während ich meine Langzeitbelichtungen machte gesellten sich weitere Autos zu mir. Die ISS war kaum zu sehen. Bei der Nachbearbeitung meiner Komposit-Aufnahme musste ich ein bisschen tricksen um die Spur der Raumstation besser sichtbar machen zu können. Dieses Bild kam dabei heraus:

In Bewegung. Letzter ISS-Transit für längere Zeit. Davor ein vorbeifahrende Auto. Darüber Sirius, Orion, Venus & die Plejaden. Komposit aus 6 Bildern.

Statt nach Hause zu fahren besuchte ich den Parkplatz am Ehrenfriedhof und brachte dort eine halbe Stunde bei Mond-heller Nacht zu. Der warme Wind störte mich weniger. Ich genoss einfach die Ruhe.

Mond über dem EMBL
Blick zum Emmertsgrund
Polarstern und Großer Wagen

Montagmorgen musste ich das kleine Gefährt leider wieder abgeben. Eine Träne in den Augen und viel Freude ob dieser Tage. Keine Spur von Reue, stattdessen Ruhe und Zufriedenheit.

Auf bald!

— SnusTux|René M. – 09/04-2020

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