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Lego 42075 – ein „kleiner“ BauBericht

Da stand er also, der rote Feuerwehr-Abschleppwagen, den ich gleich am Tag des Erwerbens aufbauen wollte, aufbauen musste.
Dabei fielen mir so einige Dingen auf, die mich auf die Idee brachten, ein bisschen mehr dazuzu schreiben und in meiner Lego-Geschichte zu wühlen – im wahrsten Sinne des Wortes.

In den letzten Jahren hatte ich viel aus meiner Sammlung verkauft. Nur mein allererstes Technic-Set hatte ich behalten – einen kleinen Helikopter. Der 8825-er ist von 1990 und seit dem 06.12.1991 in meinem Besitz. Ein schnuckeliges 116-Teile-Set.

Wie Ihr seht ist der Unterschied in der Teile-Anzahl beträchtlich. Kein Wunder, der 42075 hat fast fünfmal soviele. 

Ich hatte die „neue“ Technic-Zeit – LochStangen statt LochSsteine – schon miterlebt und besitze einige Sets aus den mittleren und späten 2000-er Jahren, so den 8265-er Frontlader. Trotzdem entdeckte ich beim ersten Aufbau des Roten viel Neues.

Am auffälligsten ist die schier unendliche Vielfalt an Verbindern – gewinkelt, gerade, mit Löchern für Kreuzachsen oder Pins; mit Pins oder Kreuzachsen.
Dazu komplexe Rahmen-Gebilde, die Differentiale aufnehmen und für Stabilität sorgen sollen. Überhaupt scheint „Stabilität“ das Mantra der aktuellen Technic-Sets zu sein, doch dazu später.

Diese beiden Mini-Verbinder mit Pin bzw. entdeckte ich erst (wieder) während des Aufbaus des 42075.

Was auch neu ist, sind die 1×1 Fliesen in rund – einmal nicht aufgepasst, schon sind sie auf ewig verschwunden.
Ganz früher gab es noch die 1×1-Platten zum Bau von Lichtern, später kamen die eckigen Fliesen dazu und jetzt sind es also runde. Es wird immer kleiner, immer filigraner. Vor allem die transparente Version wird recht häufig verschwinden – sie sind nahezu unsichtbar.

Ob der vielen neuen Teile kramte ich in meiner Kiste um mal zu schauen, wie es denn früher – vor 25 Jahren – so war. Damals hatte ich meine Lego-Zeit.

Wohl mit am auffälligsten ist die heutige Buntheit der Sets. Das zeigt sich besonders gut an den Kreuzachsen, deren Typanzahl dazu gestiegen ist. früher gab es fast ausschließlich gerade Zahlen auf die Steinlänge bezogen, mit Ausnahme der 3-er-Achse. Heute gibt es nahezu jede krumme Anzahl.
Oben ist das Auchsen-Portfolio von etwa 1992 zu sehen, beginnend bei der 2-er Achse ganz unten, bis zur 12-er ganz oben. Dazwischen sind 3,4,6,8, und 10. Und alle sind schön gleichmäßig schwarz gehalten.
Darunter ist die Achsenauswahl des 42075. Knallbunt in vier verschiedenen Farben. Das bläuliche Hellgrau der 3-er und 7-er kenne ich schon, auch die rote, modifizierte 2-er Achse. Doch gerade das grelle Gelb der 5-er und das Rot der 6-er sind etwas irritierend. Warum? Heute ist es so einfach die richtige Achse  zu finden, fast schon zu einfach. Ich komme später zu den Anleitungen, da ist schön zu sehen, wie man früher die richtige Achse finden konnte.

Geändert hat sich auch das helle Grau. Anfang der So um 2002 muss wohl jemand bei Lego die Idee gehabt haben, dem Hellgrau etwas Blau hinzuzufügen und so das „light bluish grey“ als neue Farbe zu kreieren. Der Vorteil daran ist, dass man alte von neuen Teilen recht deutlich unterscheiden kann, der Nachteil ist, dass eine Kombination beider Farben in einem Moc (Eigenkreation) höchst bescheiden und unruhig aussieht.
Der rechte Zylinderblock ist in dem alten Hellgrau, links daneben der bläuliche neue Zylinderblock. die Farbe ist insgesamt etwas heller und kühler.

Hier noch ein paar weiterer Beispiele für die neue Buntheit und überarbeitete Teile. Rechts ist jeweils die alte Version zu sehen, links daneben die neue. Zu Schwarz und Hellgrau kam erst blau und beige (im Lego-Sprech „Tan“), später Rot und nun auch Braun. Das Ganze ist hier nur auf die Pins und Verbinder bezogen, Lochsteine gab es auch früher in vielen Farben.

Das Gelb der Zylinderköpfe ist schon länger zu sehen, die Eckverbinder mit Loch für Achse und Pin gibt es in fast allen Farben, Rot steht hier nur beispielhaft.

Die Federn sind neu und bunt, die Kardanwellen ebenso. Letztere sind nun drei statt vier lang – passend zur ungeraden, neuen Technic-Welt.

Und da ist dann noch die Geschichte der Achsstopper in 1/2 und 1 lang. Jeweils von Alt nach Neu von Rechts nach Links geordnet. die 1/2 langen haben Ende der 90er ihre „Zähnchen“ verloren.

Zum Abschluss dieser kleinen Geschichtsstunde noch ein Blick auf die Auswahl an Zahnrädern. Links die Neuen, rechts die Alten. Der Trend geht auch hier von „geraden“ zu „krummen“ Zahlen. Früher gab es 8-16-24, was 1:2, 2:3 bzw. 1:3 entspricht. Die 14-zähnigen Kegelräder unten rechts standen etwas abseits. Sie waren auch in Differentialen verbaut. Selbst das Kronrad oben rechts hat 24 Zähne und ließ sich so problemlos statt des normalen 24-ers nutzen. Die 8-er und 24-er werden nur noch selten verwendet.
An ihre Stelle ist das schwarze 12-er und das tanfarbene 20-er Zahnrad getreten. Beide haben aber den Vorteil, dass sie über Eck verbaut werden können, was viel mehr Baumöglichkeiten bringt. Auch passt nun das 12-er Kegelrad in dieses Schema, das heute ebenso in Differentialen steckt. Das 16-er Zahnrad wurde überarbeitet. Ebenfalls 16 Zähne haben die beiden Zahnräder mit rundem Loch. Sie sind eher selten. Bei der alten Version sind deutlich die „Zähnchen“ zu erkennen. Dadurch ließ sich das Zahnrad mittels der alten 1/2 Achsstopper auf der Achse fixieren.

Doch nun zum Aufbau der beiden Sets.
Im oberen Bild ist jeweils die erste Innenseite der Anleitungen zu sehen. Beim Helikopter findet sich oben links die Längentabelle für die Kreuzachsen. So kann man mittels anlegen schnell herausfinden, welche Achse die richtige ist – so man es nicht schon weiß. Bei den neuen Anleitungen ist das anders gelöst, hier wir das im jeweiligen Bauabschnitt gemacht – bei dem heutigen Umfang der Anleitungen kein Wunder.
Auch insgesamt passiert heutzutage recht wenig in einem Bauabschnitt. Nach 2 Seiten steht beim 8825 schon das Grundgerüst, während beim 42075 nur ein paar Pins gesetzt sind. Ich  habe mir mal die Anleitung des 1000-Teile-Supercars von 1994 angeschaut, das ich früher auch besaß. Dort brauchte es gerade einmal 35 Bauabschnitte auf 50 Seiten.

Im Bild darunter ist der fertige Helikopter auf Seite 8, während es bei der Feuerwehr auf Seite 14 eher gemächlich zugeht. Auffällig ist auch, dass selbst die Anleitung für das B-Modell gleich mit in dem kleinen Heftchen von 1991 ist.

Hier sind ein paar Eindrücke vom Aufbau des kleinen Helikopters.
Der alten 2-er-Achse und dem Pin mit Achse ohne Reibung habe ich ein eigenes Bild gewidmet. Beide Teile gibt es heute nicht mehr, bzw. den Pin nur noch sehr selten. Damals waren es mit die kleinsten Technic-Teile.

Baufortschritt nach einer Doppelseite. Hier wird noch gesteckt und mit Lochsteinen gearbeitet. Dazu kommt viel klassisches Lego, wie die 2x4er Platten, und die Steine. Beide sind nur mittels Löchern Technic-kompatibel gemacht.

Modulbauweise im Jahr 1990. Ein kleiner Kasten in dem es schnell voran geht.

Der alte 1/2 Achsstopper.

Detailansicht der Kraftübertragung auf den hinteren Rotor mittels der alten Kegelräder. Die Lochsteine sind über eine Dreiecksplatte und eine 3-er Platte miteinander verbunden.

Vorletzter Bauabschnitt.

Und hier ist das fertige Modell, ein schöner kleiner Helikopter mit einer Kurbel zum drehen. Dadurch bewegen sich Haupt- und Heckrotor. Das Ganze ist durch eine 1:3-Übersetzung gelöst.

Zum Abschluss noch zwei Detailaufnahmen des 8825.

Nur ein einziges Teil ist nach knapp 30 Jahren, einer der Hebelarme. Alle anderen Teile mit Soll-Bruchstellen sind in bestem Zustand.

Und hier ist ganz anschaulich die Bauweise von damals zu erkennen. Die Steine wurden gesteckt und nur durch zwei lange Lochsteine außen über Pins und Achsen fixiert. Das hat sich grundlegend geändert.

Beim 42075 geht es dagegen eher gemächlich zur Sache. Immer schön eins nach dem anderen. Zuerst wird eine Armada an Pins in einen  der Rahmen gesteckt, weshalb der Baufortschritt kaum’nach 2 Seiten kaum zu erkennen ist.

Fast schon eine Frechheit ist Abschnitt Nummer fünf. Es wird ein einziges Teil verbaut – ein brauner Achsverbinder. Warum? Warum so wenig und warum diese Farbe?

Vom klassischen Lego ist nichts mehr übrig, stattdessen gibt es Lochstangen in verschiedensten Ausführungen. Sie werden mit Pins und Verbindern zusammengehalten.

Achsensuche fast zu leicht gemacht.

Modulbauweise 2018. Sehr viele Baugruppen werden einzeln zusammengebaut und anschließend verbunden. Es sind insgesamt 9 größerere und viele kleinere. Hier ist ein Teil der Lenkung zu sehen mit der Eck-Bauweise mittels 12-er Zahnrädern.

Ein Punkt der mich schon beim ersten Zusammenbau irritiert hat ist die mickrige Lenkung. Warum wird der Lenkradiu beschnitten?

Das Ganze passiert auf zwei Arten: Etwa mittig ist ein dunkelgrauer Abstandshalter auf einem schwarzen Pin zu sehen. Dieser soll dafür sorgen, dass man die Achse beim Montieren des Rades nicht hineindrückt. Bei mir reicht dafür der kleine Finger, der dagegen drückt. Dahinter ist eine orange 1×1 Fliese zu sehen. Diese ist der eigentliche Begrenzer des Lenkradius‘.

Hier ist sehr gut zu sehen, wie die Fliese wirkt und wie gering der Lenkeinschlag ist.

8 – ACHT – verschiedene Farben in einer Baugruppe. Warum?
Hellgrau, schwarz, blau, rot, tan, dunkelgrau – alles okej. Aber die braunen Achsverbinder und die knallgelben 3-er Eckverbinder sind ziemlich unnötig. Meine Augen brennen ob dieser Vielfalt. Der massive schwarze 5×7 Rahmen ist als Kontrastpunkt zu wuchtig. Ich kenne diese Teile auch in hellgrau und finde sie hier viel passender.

Zwischenstand nach 46 Seiten. Es dauert.

Blaue gebogene Paneele ans Sitzschalen.

Und als Farbe Nummer 9 Orange – für die Pylonen.

… und diesen einen Verbinder für die Halterung des Lenkrades. Ein weiterer Warum?!-Moment. Schwarz oder rot hätten es auch getan und würden nicht so ins Auge stechen und Schmerzen verursachen.

Bauabschnitt 100. *Gähn*

Alles ist mit Konnektoren, Achsen und Pins befestigt und nur schwer wieder zu lösen – Bauen im Jahre 2018. Hält ziemlich fest. Gerade dieser graue Verbinder in der Mitte, der mit einem Pin und einer 2-er Achse verbunden ist, scheint mir überflüssig zu sein und erschwerte das Zerlegen ungemein.

Ein 2-Zylinder-Boxermotor.

Hier ist nun das Extrembeispiel der Verbinderitis von Lego:
Die rote 2-er Achse ist kaum wieder heraus zu bekommen und erschwert das Zerlegen sehr. Mir scheint, als ob die heutigen Modelle nur einmalig gebaut werden sollen, um anschließend  in der Vitrine zu verstauben. Das Zerlegen geht kaum wesentlich schneller als der Aufbau. 90 Minuten für den Aufbau, 60 für’s zerlegen des 42075. Schade.

Sogar für die Lochstangen gibt es eine Maske zum Auflegen. Warum nicht einfach die Löcher zählen? Das schafften die Kinder früher und schaffen es heute und mit der Zeit bekommt men ein Gefühl für das richtige Teil, was durch die Farbvielfalt sogar erleichtert wird.

Letzter Bauabschnitt – Nummer 153!
Pro Abschnitt werden also gerade mal gut 3 Teile verbaut.
Beim Helikopter, der sogar eine jüngere Zielgruppe hat, sind es knapp 8 Teile pro Schritt.

Das fertige Modell. Zu den 9 erwähnten Farben gesellen sich noch weiß und das dunkle tan sowie die transparenten Versionen von rot, orange, blau und weiß. Ein bunter Farbmix.
Beim Helikopter sind es deren 5, wobei, gelb, rot und weiß nur kleine Tupfer darstellen. Der Rest ist in schwarz und hellgrau gehalten.

Das Modell bietet natürlich viel mehr Funktionen als der kleine 8825-er. Es gibt einen Antrieb über die Hinterachse zum Motor. Die Hinterachse ist außerdem gefedert. Die beiden Luken im Heck und die Motorhaube lassen sich öffnen. Vorn ist eine kleine Seilwinde mit Abschlepphaken. Und da ist da noch die mickrige Lenkung.

Die beiden Modelle nebeneinander.

Insgesamt ein sehr schönes Modell, das Lust auf mehr macht und den aktuellen Stand und die Möglichkeiten von Lego-Technic sehr gut wiederspiegelt.

Abschließend komme ich zur Modifikation der Lenkung.
Im Ursprungszustand ist der Lenkeinschlag winzig und der Wendekreis dadurch riesig – nicht nur wegen des recht langen Radstandes.

Hier ist die Konstruktion laut Anleitung zu sehen:

Nun kommt meine Modifikation: Der dunkelgraue Abstandshalter samt schwarzem Pin verschwinden, ebenso die orange 1×1 Fliese auf dem blauen Pin. Links nachher, rechts vorher.

Und hier nun die fertige Modifikation mit wesentlich größerem Lenkradius.

Leider stoßen dadurch die Reifen an die Halterung für die Türen, weshalb ich auch diese etwas geändert habe.

Die beiden unteren Verbinder verschwinden und auch der rote 3-er Pin. Stattdessen sind die Türen nun nur noch über einen Pin verbunden und habe dadurch Spiel nach oben – es sind ungewollte Flügeltüren, die aber im geschlossenen Zustand halten. 

Jetzt stößt nichts mehr an und die Räder laufen frei.

Der Lenkeinschlag ist wesentlich größer und das Modell dadurch viel wendiger.

Das fertige, modifizierte, Modell.

Und da das hier eigentlich ein Fotoblog ist habe ich nun noch ein paar Worte zum Entstehen der Bilder.
Das Setup war recht übersichtlich. Auf der D300s klemmte das Sigma 17-70 mit seiner begrenzten Makrofunktion, die immer einen Maßstab von 1:2,7 erlaubt – 10 mm auf dem Sensor entsprechen 27 mm beim Motiv. Auf der Kamera hatte ich den Metz 58 als Hauptblitz. Der große Reflektor war immer vom Motiv weggerichtet und stattdessen die Aufhellkarte draußen. Den kleinen Frontblitz nutzte ich in unterschiedlichen Stärken zum Aufhellen der Front.
Am wichtigsten war aber einer meiner beiden „Chinaböller“ Yongnuo 460, mit dem ich die wichtigen Bereiche des Motives erhellte und den ich je nach Bedarf positionierte.

Die Kamera stand auf M mit automatischer Iso-Wahl, bei Belichtungszeiten um 1/90 Sekunde und Blende von f/8 bis f/19.

Die Nachbearbeitung erfolgte in Lightroom. Trotz Weißabgleich auf den Blitz ist vor allem das Rot zu sehr ins Rosa verschoben. Die Farbe wirkt eigentlich wärmer als sie auf den Bildern erscheint.

Soviel zu meinem – doch recht umfangreichen – Ausflug ins Lego-Reich. Das Ganze sollte eigentlich nur eine kleine Besprechung meines neuestens Sets werden. Sollte…

Vieln Dank für das Dabeisein.
Auf bald!

— SnusTux|René M. – 28/01-2018

Tante Edit sagt am 28.01.2018 um 21:30 Uhr:
Es gibt neben der Lenkung noch etwas anderes, das mich stört: Der Antrieb bzw. die Übertragung von der Hinterachse zum Motor ist sehr schwergängig. Normalerweise drehe ich an einem Rad und über das Differential wird diese Drehbewegung recht leichtgängig zum Motor geleitet. Bei diesem Modell ist das leider nicht so. Drehe ich an dem einen Rad passiert nur was im Differential und das andere Rad dreht sich in die entgegengesetzte Richtung. Ich vermute, dass das Ganze konstruktionsbedingt ist, da die Zahnräder im Übertragungsstrang schwergängig sind und rasseln. Wie sich das Ganze beheben lässt, weiß ich leider nicht.
Es ist schade, dass ein gewisser Kraftaufwand vonnöten ist um das Fahrzeug zu bewegen.
/Tante Edit Ende.

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