Hej & willkommen zurück.
Dieser Beitrag ist etwas besonderes.
Ich kann mich kaum erinnern, auf diesem Blog schon einmal etwas tagesaktuelles gepostet zu haben. Nun ist es soweit! Zwischen dem Fotografieren der folgenden Bilder und dieser kleinen Geschichte liegen kaum 8 Stunden.
Zudem knüpft er an meine beiden Texte zum Dürre-Sommer 2026 an und zeigt das Bild der vergangenen Woche und vom heutigen 22. August.
Doch bevor wir richtig einsteigen, möchte ich, dass Ihr die folgenden 9 Sekunden auf Euch wirken lasst – zur Not die Lautstärke etwas hochdrehen.
Morgens halb zehn in Deutschland:
Wassertropfen prasseln monoton auf die Frontscheibe meines „Blauen Flitzers“. Es regnet!
Und das tut es nun schon den sechsten Tag in Folge. Die vier Dürre-Wochen im sonnigen Südwesten sind endgültig vorbei. Eine Wohltat für Mensch und Natur. Auch die extreme Hitze hat sich vorerst verabschiedet – mehr dazu in einem späteren Beitrag meiner kleinen Sommer-Serie, in der es auch ein neues Klimadiagramm geben wird.
Doch der Reihe nach.
Seit Jahren suche ich nach interessanten Foto-Spots in der Rhein-Neckar-Region, bevorzugt mit Blick nach Ost oder West; mit schönen Vordergründen und spannenden Weitblicken. Oft bewege ich mich dazu in einem Bereich zwischen Weinheim und der A6. Doch gerade abseits davon – weiter nördlich und weiter südlich – gibt es auch verlockende Ecken. Das bringt die lange Abrisskante des Odenwaldes an der Bergstraße mit sich.
Oft stöbere ich dazu bei den bekannten Kartendiensten und markiere mir interessante Orte, um sie später zu bereisen. So passierte das beispielsweise beim Standort für meine Sonnenfinsternis-Bilder bei Unter-Abtsteinach.
Und so passiert es auch im Fall der folgenden Bilder.
Ich weiß nicht mehr, wenn ich zum ersten Mal über diesen Standort gestolpert bin – es mag durchaus 1-2 Jahre her sein. Gestern Abend kommt er mal wieder in meinen Blick.
Und heute morgen fahre ich spontan dorthin. Im Rucksack ist die D780 mit dem 24-120er Nikkor, dazu das lange Tamron – meine neue Lieblingslinse.
Samstag, kurz vor acht. Grau. Neblig. Kaum 15 Grad. Nach den vergangen Hitze-Wochen fühlt es sich beinahe wie ein Herbsteinbruch an – alles so ungewohnt kühl und nass.
Ich habe gute 30 Kilometer nordwärts vor mir. Die Straßen sind recht leer. Ab und zu fallen ein paar Tropfen, während ich über die B3 rolle.
Heidelberg – Dossenheim – Schriesheim – Leutershausen – Großsachsen – Lützelsachsen – Weinheim – Sulzbach – Hemsbach.
Viele Ortsdurchfahrten, oft mit Ohren-schonenden 30 km/h beschildert; viele Ampeln. Dazwischen ein paar freie Strecken.
Ich vertraue auf mein Navi und auf die Beschilderung vor Ort – in Hemsbach Fehlanzeige! So darf ich eine kleine Ehrenrunde durch die Gemeinde drehen, bis ich endlich die Zufahrt zu meinem Ziel finde.
Eigentlich ist es eine Verbindungsstraße innerhalb der Gemeinde und dient gerade auch als Umleitungsstrecke. Eigentlich! Unter meinen Rädern habe ich einen besseren, schlecht asfaltierten, Feldweg – kaum drei Meter breit und voller Kurven. Während zweieinhalb Kilometern hoppele ich mit Tempo 20-30 bergan. Irgendwann erspähe ich mein Ziel. Immerhin ist ein nahegelegener Parkplatz beschildert, den ich schon vorher ausersehen hatte. Die Zufahrt zu selbigem ist noch enger. Ein schmaler Hohlweg, der sich erst zum Ende der 200 Meter etwas weitet und in besagtem Wanderparkplatz mündet.
Es ist kurz vor halb zehn. Dichte Wolken ziehen über die Landschaft, Regen fällt.
Ein Blick auf das Regenradar lässt Gutes erahnen – es ist nur ein kleiner Schauer. So sitze ich im Auto und lasse das Wettergeschehen auf mich wirken. Der kleine Film vom Anfang entsteht. Dazu noch ein weiteres Bild mit dem Telefon:
Ein paar Minuten vergehen. Aus prasselnden Tropfen wird seichter Niesel. Auch dieser ist bald vorbei und ich kann mich auf den Weg zu meinem Ziel machen – einem steinernen Turm auf einer Passhöhe. Es ist der Waldnerturm oberhalb von Hemsbach und kaum 250 von der Landesgrenze zu Hessen entfernt.
Über den absurden Grenzverlauf zwischen Baden und Hessen in der Rhein-Neckar-Region müsste ich eigentlich mal einen eigenen Beitrag machen. Dass Hessen einen Zugang zum Neckar hat, ist nur eine dieser Besonderheiten.
Doch zurück zum heutigen Morgen.
Ich spaziere langsam los – über den kleinen Hohlweg zurück zur Straße. In die Stille mischt sich monotones Rotoren-Summen. Über mir rauscht ein kleiner Helikopter nach Westen.
Nach ein paar Metern auf der Straße wechsele ich auf einen Feldweg, der zum Turm führt. Über den Bergen und Tälern des vorderen Odenwaldes ziehen tiefe Wolken hinweg und sorgen für eine neblig-mystische Stimmung.
Vom Matsch-Weg wechsle ich auf das vertrocknete Feld und erspähe eine kleine Rast-Gelegenheit vor dem Turm.
Bald stehe ich vor dem Steinquader. Er duckt sich unscheinbar zwischen ein paar Bäume. An der Ostseite hängt eine kleine Infotafel.
Der Zugang zur Aussichtsplattform findet sich an der Westseite und wird von einem neogotischen Portal gebildet, das auch gut und gern den Eingang zu einer kleinen gotischen Kapelle bilden könnte. Drinnen ist es ob der Feuchtigkeit eher miefig; einen Aufstieg erspare ich mir. Stattdessen blicke ich kurz nach draußen und halte die historisierende Mauer-Struktur fest.
Von der Ferne wirkt der Turm putzig und irgendwie deplatziert. Von Nahem ändert sich das nur wenig. Ein unerwartetes Kleinod im Grenzland. Der zugehörige Wiki-Eintrag bringt etwas Licht ins Dunkel.
Vor dem Turm verkündet mir eine weitere Tafel, dass ich mich in einem Naturschutzgebiet befinde, bzw. auf dessen Grenze unterwegs bin.
Nach Osten ziehen weiterhin tiefe Wolken über die Berge. Eine der Rast-Bänke bietet mir ein interessantes Motiv.
Während ich langsam zurück gen Auto spaziere schweift mein Blick mit langen Brennweiten zur Rheinebene. Wirklich etwas zu erkennen ist eher weniger. Nur ab und zu brechen die Wolken etwas auf und geben einen Blick frei. Diesen kombiniere ich mit den deutlich sichtbaren Spuren der anhaltenden Dürre.
Nach einer Woche hat der Regen bisher kaum etwas bewirkt. Vor allem kleinere Pflanzen und Gräser sind verdorrt. Es wird noch eine Weile – und weiteres Wasser von Oben – brauchen, bis aus den Ocker-Tönen wieder Grün wird.
Hatte ich anfangs noch mit dem Nikkor gearbeitet, wandert bald das Tamron an die D780 und eröffnet mir die gezeigten Möglichkeiten der perspektivischen Verdichtung – meine liebsten Motive.
Gegen 10 bin ich zurück auf dem Parkplatz. Zaghaft bricht die Sonne durch die immer noch dichten Wolken. Ich erhasche einen letzten Blick auf den Zufahrtsweg.
Der Parkplatz hat sich binnen 30 Minuten gut gefüllt; eine Wandergruppe ist unterwegs. Ein typischer Sommer-Samstagmorgen im vorderen Odenwald. Ich mag mir nicht ausmalen, was zum Nachmittag und bei besserem Wetter hier los sein mag. So ganz unbekannt scheint die Ecke doch nicht zu sein – wird wohl aber eher weniger von nicht-HD-lern und nicht-HP-lern besucht, auch wenn der rote Kleinbus vom Bild weiter oben aus der Ecke um Stuttgart kommt.
Bald starte ich die Rückfahrt. Hier wähle ich einen anderen Weg und bin dabei für ein paar Minuten in Hessen unterwegs.
Über Birkenau und durch das enge Tal der Weschnitz rolle ich zurück nach Weinheim und zur B3. Während eines kurzen Einkaufsstopps fährt vor mir ein Fahrzeug mit merkwürdigem Heckaufkleber her – „hunden i bilen“. Mein Blick wandert zum Kennzeichen: Sschweden! Der Sticker teilt dem nacholgenden Verkehr mit, dass sich ein Hund im Auto befindet. Ein Grinsen zieht durch mein Gesicht.
Längst sind Wolken und Nebel strahlendem Sonnenschein gewichen und die Straßen vom Samstagsverkehr gut gefüllt. Entlang derselben Perlenschnur an Städten und Dörfern, die sich an der Bundesstraße ziehen, fahre ich zurück nach Heidelberg und komme gegen 12 Uhr daheim an.
Ein lohnenswerter Spontan-Ausflug geht zuende. Ich habe einen weiteren schönen Spot auf meiner Liste.
Und nun sind gute fünf Stunden seit meiner Rückkehr vergangen. Die Bilder sind gesichtet und dieser Beitrag ist in den finalen Zügen – und nun fertig.
Ich wünsche Euch eine gute Zeit – genießt die Abkühlung und den Regen.
Gehabt Euch wohl & bis bald!
— SnusTux|René M. – 22/08-2026

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