Oktober 2026 – Auf der Suche nach dem Nebel

Ein frischer Freitagmorgen.
Nach zu vielen Wochen Baustellenarbeit will ich mal wieder raus.
Was eignet sich da besser, als typisches Herbstwetter festzuhalten.

Tags zuvor hatte ich über eine Webcam auf der Neuenheimer Seite mitbekommen, wie sich dichter Nebel durch das enge Tal zog. Das ließ ich mir über einen nachträglichen Blick auf die Königstuhl-Webcam bestätigen. Das war der Donnerstag.


Nicht ganz spontan plane ich, das am darauffolgenden Freitag selbst zu beobachten – und zu dokumentieren.

Kurz vor dem geplanten Start – gegen 6 Uhr morgens – wage ich einen kurzen Blick auf die genannten Webcams und hoffe auf schöne Motive. Parallel dazu gedeiht die Idee, das Ganze nicht nur im Tal zu genießen, sondern auch zur Scheffelterrasse zu fahren. Ist nur das »Wie« zu klären. Also in den Fahrplänen stöbern und den Plan fix machen.


Es ist kurz nach sechs.
Ich sitze in einem eher leeren Bus und rolle ins Tal zur Tram.
Umsteigen und in die Stadt fahren. Eine ewige Wartezeit, einen weiteren Umstieg und eine weitere Fahrt später stehe ich am Karlstorbahnhof.

Der Nebel ist da, macht sich aber viel rarer als am Tag zuvor.
Kurz halte ich das zarte Wabern über dem Neckartal fest.

Richtung Westen erwische ich den gut halb beleuchteten Mond und lichte die Hackteufel-Häuserreihe mit dem Turm der dahinterliegenden Heiliggeistkirche ab.


Nach vielleicht zehn Minuten sitze ich im letzten Bus, der mich zum Schloss bringt. Dieses Minivehikel schlängelt sich durch die engen Gassen der Altstadt und den steilen Schlossberg hinauf.

Gegen halb acht bin ich oben – und nahezu allein!
Der Schlossgarten ist leer, sämtliche Besucherinfrastruktur geschlossen.
Das leichte Nebelwabern, das ich eine gute halbe Stunde vorher noch im Tal gesehen hatte, zieht sich nur zögerlich über den Neckar nach Westen. Es wirkt eher wie der Qualm eines Feuers, als ich das Ende der Scheffellterrasse erstmals erspähe. Und doch sind es zarte Nebelschwaden.

Ich spaziere weiter.
Mit maximaler Brennweite verdichte ich den langen und schnurgeraden Weg ins Nichts zu einem Bild.

Zehn nach halb acht bin ich am Ziel.
Noch immer langbrennweitig unterwegs spiele ich mit Perspektiven und Sichtbeziehungen. Die alten Mauern des Schlosses und der markante Turm der Heiliggeistkirche kontrastieren die moderne Bebauung Eppelheims in der Ferne.

Ein erster Blick wandert über das Tal.
Zögerlich steigt die Sonne empor und taucht die oberen Bereiche des gegenüberliegenden Michaelsberges in warmes Licht; der eher an Rauch erinnernde Nebel ist weiterhin präsent.


Und da ist da dieser einsame Rabenvogel.
Anfangs sitzt er noch auf der steinernen Ballustrade, um kurz darauf zu einem kleinen Spaziergang aufzubrechen.

Richtung Osten vernehme ich an Kreischen erinnernde Vogelgeräusche – eine Nilgans schreit über das Tal.


So recht ausbreiten mag sich der Nebel nicht.
Dünne Schleier liegen über der Stadt.

In kleinen Schüben weht etwas mehr Feuchtigkeit über den Neckar.
Kurzzeitig erschwert sie die Sicht auf die Alte Brücke – um sich alsbald wieder nach Westen zu verziehen.
Der unscheinbare Weinberg auf der nördlichen Neckarseite kommt in den Genuss ersten Tageslichtes.


Nach gut zwanzig einsamen Minuten – nur durch einen Spaziergänger samt Hund unterbrochen – begebe ich mich gegen acht auf meinen Weg ins Tal. Ich will noch zur Nebelbrücke, um von deren Nordseite mit dem Bus zum Bismarckplatz fahren.

Mal wieder ziehen größere Schwaden westwärts.
Die kleine Schlucht zwischen Schloss und Terrasse liegt im Dunkeln. Dadurch sind die Herbstfarben nur schwer auszumachen.

Bald bin ich an der Lebensader der Altstadt angekommen.
Vom morgendlichen Gewusel ist nur wenig zu sehen. Wenige Lieferfahrzeuge sind unterwegs; wenige Menschen.
Es ist so ganz anders als zu anderen Tageszeiten, in denen die Stadt zwischen Karlsplatz und Alter Brücke überlaufen ist.

Kurz vor der Brücke erspähe ich gen Osten weitere rauchige Nebelschwaden über der Stadt.


Ich bin angekommen.
Stehe auf der Brücke und lasse meinen Blick schweifen.
Bin mal wieder fast allein. Weniger Menschen – mehr Möwen.
Noch immer halten sich die eher dichteren Nebelfelder weiter im Osten über Ziegelhausen – eben jener Bereich bekommt schon etwas Sonnenlicht ab.
Während zweier Gegenschüsse zur Scheffelterrasse wird diese von einigen rauchigen Feldern etwas verdeckt.

Auf der Brücke stehend kann ich meinem Bus nur noch zuwinken.
Also Planänderung:
Ein bisschen auf der Neuenheimer Seite bleiben, um anschließend den Bus auf der Altstadt-Seite zu nehmen.

Schnell und doch unmerklich wandert die Sonne hinter dem massiven Königstuhl empor. Tal und Neckar liegen weiterhin im Schatten, während die Höhenzüge beiderseits des Flusses bereits beleuchtet werden.
Gerade in diesem Moment zieht etwas dichterer Nebel über die Stadt.

Eine Rudermannschaft nutzt den Morgen zum Training und dreht vor der Alten Brücke.
Das kann ich in zwei sehr stimmungsvollen Bildern festhalten, während ich langsam gen Bus spaziere.

An der Bushaltestelle blicke ich kurz durch einen Brückenbogen nach Westen.
Nur wenige Sekunden später schließe ich die Tour mit einem finalen Bild nach Osten ab.

Zwanzig vor Neun:
Der Tag ist da, der Nebel auch.


Ich habe die kleinen Wassertröpfchen-Wolken gesucht – habe sie in Maßen gefunden.
Ich habe die etwas surreale Stimmung eines Herbstmorgens in der Stadt erlebt; habe Ruhe gefunden.
Ich war nach den vergangenen – sehr stressigen – Wochen mal wieder ganz bei mir.
Ein lohnenswerter Morgen.


Gehabt Euch wohl & bis bald.

— SnusTux|René M. – 08/11-2026

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