So. Die ersten beiden arbeitsamen Wochen sind geschafft!
Seit dem vorletzten Wochenende hatte ich kaum Zeit (und Lust) zum Schreiben. Im Verein war das übliche Chaos mit einigen Frühschichten und kurzen „hohen“ Besuch letzte Woche. Am letzten Urlaubstag setzte ich endlich auch meinen Lang gehegten Plan in die Tat um – die Schweden-Sauna morgens an Posseltslust in Szene zu setzen, einschließlich vieler Innenaufnahmen. Eine gute Woche später, am 06. Oktober, war es wieder an der Zeit die Weinberge zu besuchen. Abends, kurz vor Sonnenuntergang. Eine kleine BilderAuswahl folgt in Kürze.
Vorgestern kam dann ein lang erwarteter Anruf; am 19. November geht’s nach Wolfsburg, das dunkelblaue Massengefährt abholen.
Doch nun zum eigentlichen Grund dieses Textes: meinen Anmerkungen zur Schwedentour.
Ich hatte schon erwartet, dass die Zeit im Lande ganz im Zeichen der stattgefundenen Reichstagswahl stehen würde. So war es dann auch. Das Zeitunglesen wurde zu einem täglichen Ritual. Zwe Themen dominierten die Berichterstattung: 1. Wie weiter mit der Regierungsbildung? und 2. Warum haben soviele SD gewählt?
Zu Punkt 1.: Recht schnell wurde klar, dass alles auf eine Rot-Grüne Minderheitsregierung unter dem Sozialdemokraten Stefan Löfvén hinauslauefn würde; der Vänsterparti wurde schnell eine Absage erteilt. Am Freitag erhielt dann Löfvén den Auftrag für die Regierungsbildung; vom noch amtierenden Reichstagsvorsitzenden Westerberg – ein Moderater (Mitglied der letzten Regierungspartei) – wurde dies an ein sichereres Herbstbudget geknüpft. Ein Vorgehen, das diesem eigentlich nicht zusteht und eher parteitaktisch motiviert. Nun gilt es, dass sich Rot-Grün ständig seine Mehrheiten sucht; ob bei der Linken oder in den Reihen der kleineren bürgerlichen Parteien – bei der liberalen FP oder der bäuerlich-großstädtischen Zentrumspartei. Ziel soll es sein den Schwedendemokraten den Einfluss in wichtigen Fragen zu verwehren. Von einigen (Debatten-)Autoren wurde auch die Frage nach Neuwahlen aufgeworfen; nur was sollen diese bringen?
Zum 2. Punkt: Immer mehr kristallisieren sich die Gründe für den Erfolg der SD heraus: Unzufriedenheit mit den derzeitigen politischen Verhältnissen im Lande, weniger versteckte Fremdenfeindlichkeit. Ein, leider, bekanntes Phänomen der letzten Zeit. Auf gleiche Weise wird auch der Erfolg der AfD in Deutschland erklärt. Komischerweise ist die SD oft dort stark, wo viele Asylbewerber untergebracht sind – also doch Angst. Dass die Schwedendemokraten in Schonen stark werden würden war fast zu erwarten; schon bei der letzten Wahl 2010 hatten sie im Süden teilweise 25% der Stimmen erhalten. Hieran änderte sich nichts Grundlegendes. Nur wurden sie noch stärker und bekamen auch in einigen abgelegenen Orten im gesamten Land viele Stimmen – wegen der Asylunterkünfte. Zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 12.11.2014) hat die große Tageszeitung Aftonbladet eine Serie gestartet in der Reporter in ihre Heimatorte reisen um den dortigen SD-Erfolg zu untersuchen. Oft ist hierbei die bereits beschriebene Unzufriedenheit zu hören.
Wie soll nun mit den Salongnazis umgegangen werden? Im Land scheint große Einigkeit darüber zu herrschen, dass sie weiter ausgegrenzt und ignoriert werden sollten – über sie reden, statt mit ihnen. Das halte ich für eine ganz falsche Strategie. Ausgrenzung wird SD noch weiter stärken, da dadurch deren Wähler ebenso ausgegrenzt werden. Das fördert die Unzufriedenheit weiter. Lieber mit ihnen reden um sie zu demaskieren.
Bin gespannt, wie es im Land weitergeht.
Was ich, mal wieder, als störend empfunden habe ist die starke mediale Ausrichtung auf Stockholm. Oft erscheint es mir, als ob sich alles auf die paar Mälar-Inseln konzentriert und der Rest egal sei. In vielen Medien wird der große Rest des Landes gepflegt ignoriert. Solange sich das nicht ändert, wird die SD weiterhin erfolgreich sein.
Ich empfinde das Land nochimmer als weltoffen. Allerdings möchte ich hierbei unterscheiden: Malmö ist wahrlich ein Schmelztiegel der Kulturen. Die Stadt ist groß aber übersichtlich. Sie erscheint mir nicht so stark räumlich und sozial aufgeteilt wie Göteborg. Bei meinen Spaziergängen durch die Stadt sah ich Menschen vieler unterschiedlicher Kulturkreise. Im Zentrum dominierte eher der typische „Herr Svensson“; Richtung Süden, vor allem um Möllevångstorget, war die ganze Welt zu finden. Ich mag diese florierende Stadt irgendwie. Hier spürt man, dass es vorwärts geht. Durch die fest Öresundquerung hat Malmö viel gewonnen und ist näher an KontinentalEuropa gerückt
Etwas anders ist es in Göteborg. Es zieht mich noch immer in die Metropole an der Westküste, aber meine Liebe zur Berg-und-Tal-Stadt ist abgekühlt. Göteborg ist kleinräumig vieles spielt sich in den Stadtteilen ab. Die emotinale Bindung zwischen einem Bewohner von Askim mit einem aus Angered scheint kaum vorhanden. Im Westen, an der Küste und auf den Inseln, finden sich die Schönen und Reichen; im Norden und Osten, in den Neubaugebieten, wohnen viele Arme und viele mit Migrationshintergrund. Ab und zu laufen sich diese beiden Gruppen mal in Nordstan über den Weg. Exemplarisch ist hier meine Fahrt in den Osten der Stadt: Start im alternativ geprägten Majorna, weiter durch die noble Innenstadt und ins Arbeiterviertel um Olskrokstorget – in Rufweite zu den Villenviertel von Örgryte – und in den kleinbürgerlich und studentisch geprägten Osten rund um den Härlanda Tjärn. Alles schön getrennt von grünen Bergkuppen. Ich weiß nicht ob mir Göteborg nochimmer so gefällt wie vor 7 Jahren, wo ich als Student mehrere Monate in der Stadt war. Wobei: eine Nacht an der Masthuggskirche oder auf Ramberget lassen die Liebe neu entfachen.
Eines ist mir sauer aufgestoßen: die vielen Bettler die sich oft an den Eingängen der Supermärkte befinden. Schweden wo ist Dein Sozialstaat geblieben?!
Es ist in den letzten 15 Jahren kälter geworden im großen Land im Norden und es ist sehr fraglich ob sich unter der neuen Regierung etwas Grundlegendes ändern wird …
Bis die Tage,
/René