Was hat eine anstehende Bürgermeisterwahl mit einem spontanen Kurzurlaub zu tun? Richtig! Auf den ersten Blick rein garnichts.
Auf den zweiten Blick aber ganz viel. Binnen 90 Minuten ist eine Reise geplant, die kaum zwei Tage später beginnen wird.
Und so sitze ich nun einen Steinwurf von der Grenze zur Schweiz entfernt und schreibe diese ersten Zeilen.

Aber da Ihr wohl eher wegen der Bilder hier seid, zeige ich Euch diese zuerst. Viel Spaß beim Stöbern!

Falls Euch mein Geschriebenes interessiert, so könnt Ihr hier weiterlesen.

Doch der Reihe nach.

Ein gemütlicher Freitagnachmittag. So langsam fällt mir die Decke vom Nichtstun und Nicht-Gebraucht-Werden auf den Kopf. Ich stöbere mal wieder im Netz und bleibe an einem taz-Artikel hängen, der sich mit der anstehenden OB-Wahl in Freiburg beschäftigt.
Freiburg… ? Da war doch was. Da war ich doch schon mal vor knapp 10 Jahren und da könnte man mal wieder hinfahren. Also wechsle ich zu einem Kartendienst und bleibe im Breisgau hängen. Hmm… warum nicht noch ein Stückchen weiter nach Süden fahren? Ich hatte ja sowieso vor, mir mal Basel anzuschauen. Das ist doch garnicht so weit weg von Freiburg. Recht schnell hänge ich auf einem Portal für Übernachtungen und suche; vielleicht nicht direkt in die Schweiz, sondern eher an die Grenze? Parallel schaue ich nach Verbindungen mit der Bahn. Achja, das Ganze soll recht schnell passieren. Ich entdecke ein Hotel in Weil am Rhein, direkt neben dem Bahnhof. Naja, zwei Nächte sollten es schon sein. Aber das Wetter! Noch ist frühlingshaft warm und soll auch so bleiben. Zum darauffolgenden Dienstag ist aber Regen wahrscheinlich. Und ich will doch was sehen und erleben. Also lieber drei Nächte buchen! Eine gute Stunde später ist das Hotel fix und die Verbindung recherchiert. Nur noch der Samstag bleibt mir um alles vorzubereiten, ehe es am Sonntagmorgen losgehen soll.

Die Fahrt ist speziell. Bis zum Umstieg in Karlsruhe läuft es gut. Während der knappen Stunde Wartezeit füllt sich der Bahnsteig recht ordentlich. Die Bahn hat nicht gelogen. Der Zug nach Basel wird sehr voll. Kurzum: Bis Freiburg habe ich für fast zwei Stunden einen (un-)gemütlichen Stehplatz. Meine Füße freuen sich nicht.
Ziemlich platt komme ich in Weil am Rhein an. Kurze Pause.
Dann beginnt das Geschichten-erzählen. Vom Dreyeckland – drei Ländern – also! Im ersten Land bin ich bereits – Deutschland. Land Nummer zwei ist über eine Brücke zu erreichen, die für Autos gesperrt ist. Ab nach Frankreich! Währenddessen habe ich sowohl Deutschland, als auch die Schweiz im Blick. Wenige hundert Meter von der Brücke entfernt findet sich mitten im Rhein das Dreiländereck und auf schweizer Seite eine Skulptur, die das symbolisiert. Für vielleicht 20 Minuten bin ich in Huningue, eher wieder zurück nach Weil geht. Hier nutze ich die Tram um in die Schweiz zu fahren. Von der Station Kleinhüningen, auf Basler Seite sind es 15 Fuß-Minuten in den Hafen zur Skulptur. Ich verweile, beobachte, höre zu. Mein erster Schweiz-Aufenthalt dieser Reise währt eine gute Stunde und endet mit einer Passkontrolle der Bundespolizei in der Straßenbahn. Zurück in Deutschland, voller Eindrücke und Plänen.

Der erste Tag geht langsam zuende. Ich liege im Bett. Die Gedanken explodieren – viele Pläne, viele Ideen. Und so beginne ich diesen Text zu schreiben um ein paar Gedanken festzuhalten. Vor 72 Stunden war das alles noch garnicht absehbar…

 Der Rest dieses Textes entsteht vier Tage später in Heidelberg.

Tag zwei beginnt mit einem brauchbaren Frühstück. Am späten Vormittag mache ich mich auf den Weg zum Bus ganz in der Nähe. Ich will hoch hinaus! Doch um dorthin zu kommen sind zwei weitere Grenzübertritte und ein Aufenthalt in Lörrach notwendig. Kontrolliert wird auf deutscher Seite diesmal nicht. Da sich die Stadtrundfahrt durch Weil und Lörrach zieht und der Bus seinen Plan nicht schafft bleibt mir eine knappe halbe Stunde in Lörrach. Beschaulich und eng trifft es am besten. Zwischen zwei Bergrücken im Tal der Wiese eingeklemmt, ist kaum Platz für viele Bauten. Einige davon streben gen Himmel und wirken auf mich etwas deplatziert in dieser 50.000-Einwohner-Stadt. Nach dem Rundgang nehme ich den Bus auf den Tüllinger Berg.
Endlich kann ich mir einen Überblick über die Region verschaffen. Gute 100 Meter über der Rheinebene schweift mein Blick weit. Im Nordosten Lörrach und das Wiesental, samt der Vorberge des Schwarzwaldes. Von Osten bis Südwesten zieht sich der Jura auf deutscher und schweizer Seite. Darin eingebettet liegt das Häusermeer von Basel. Nach Südwesten und Westen ist es im Bereich der Burgundischen Pforte eher hügelig. Im Nordwesten begrenzen die Vogesen mein Sichtfeld – selbst deren höchster Berg, der Grand Ballon (Großer Belchen) ist zu erkennen. Im Vordergrund fließt der Rhein und schlängelt sich durch das teils schwierige Terrain. Gen Norden versperrt dichter Wald die Sicht. Gerade der Blick nach Westen weckt in mir heimatliche Gefühle. Was auch kaum verwundert, bin ich doch weiterhin am Oberrheingraben unterwegs, wenn auch gut 200 Kilometer weiter südlich.
Ich stehe mitten im Grünen und bin fast allein. Eine Oase der Ruhe in einer so geschäftigen Region. Bereits am Tag zuvor waren mir die vielen Flugzeuge aufgefallen, die landeten. Nun ist es nicht anders und ich erwische ein paar kleinere und größere Maschinen, die den EuroAirport auf französischer Seite ansteuern. Etwas weiteres ist kaum zu übersehen: Zwei sehr markante Hochhäuser nahe der Basler Innenstadt. Sie sind Verwaltungsgebäude des Arznei-Riesen Roche, der hier seinen Hauptsitz hat. In den kommenden Stunden und Tagen werden sie mich begleiten.
Die Zeit auf dem Berg vergeht viel zu schnell. Dank halbstündiger Busverbindung bin ich alsbald wieder in Lörrach. Doch statt nun endlich so richtig nach Basel zu fahren mache ich erst einmal Pause. Kurz einkaufen und ausruhen. Und den Abend planen, für den ich mir das Carsharing-Fahrzeug in der Nachbarschaft reserviere.

Kurz darauf sitze ich wieder in der Tram und fahre bis zum Barfüsserplatz. Nun beginnt mein Basel-Abenteuer so richtig – wenn es auch eher ein Schnupperkurs werden soll. In der recht übersichtlichen Touristeninformation frage ich nach Museen zur Geschichte der Drei-Länder-Region. Seit Stunden versuche ich mir vorzustellen, wie das alles vor der Zeit des Schengen-Raumes war. Wie war es, jeden Tag an den Grenzen kontrolliert zu werden, auch wenn man nur eine kleine Besorgung in der Stadt machen wollte? Leider scheint es dazu wenig bis nichts zu geben. Ich muss wohl selbst recherchieren. Allerdings empfiehlt mit die nette Dame einen Buchladen ganz in der Nähe. Danke dafür. Mein nächstes Ziel ist die Pfalz hinter dem Münster, welchem ich auch einen kurzen Besuch abstatte. Von der Pfalz schweift mein Blick über die Stadt zu beiden Seiten des Rheins. Das südliche Großbasel auf dem Berg, das nördliche Kleinbasel im Tal. Und wieder sind die beiden Roche-Türme kaum zu übersehen. Über den Dächern der Stadt lugt sogar der Tüllinger Berg hervor. Den umgekehrten Blick hatte ich nur wenige Stunden zuvor. Unten im Rhein zieht ein kleines Boot seine Kreise – eine der vier Basler Rheinfähren, die vom Prinzip denen in Dresden ähnlich sind.
Zeit durchzuatmen und zu beobachten.
Über Münsterplatz, Augustinergasse und Rheinsprung steige ich langsam wieder zum Fluss hinab – immer die Augen nach schönen Motiven offen haltend. Die Mittlere Brücke ist gut gefüllt und die Trams fahren fast im Minutentakt über die Brücke. Es ist geschäftig und fühlt sich kaum wie in einer 180.000-Einwohner-Stadt an, eher wie in einer weit größeren Metropole. Platt von den ganzen Eindrücken fahre ich langsam wieder zurück – und werde erneut auf deutscher Seite kontrolliert. Essen besorgen und ausruhen. Und alles für die Abend-Tour vorbereiten.

Mit vollem Rucksack marschiere ich zum Auto und beginne meine kleine Rundfahrt durch Weil am Rhein und hinauf auf den Tüllinger Berg. War der Parkplatz am Mittag noch ziemlich leer, so ist er nun sehr gut gefüllt. Viele beobachten den Sonnenuntergang über den Vogesen, der leider nur zu erahnen ist, verdecken doch Wolken die Sicht. Mit offenem Fenster warte ich und lasse meine Gedanken kreisen. Die Dunkelheit bricht langsam herein, die Stadt wird zum Lichtermeer. Eine gute Stunde später schnappe ich meine Ausrüstung und spaziere zum selben Aussichtspunkt wie am Mittag. Zeit für Langzeitbelichtungen. Ich bin nahezu allein. Neben dem Lichtermeer Basels halte ich auch weiter entfernte Lichter fest. Eines davon ist im Nordwesten und nähert sich langsam dem Horizont – unser Nachbarplanet Venus. Ein weiterer Planet steht etwas höher – Jupiter. Auch der fast volle Mond muss als Motiv herhalten. Irgendwie ist bei Nacht alles so anders. Ohne die Landmarken von Roche und die Hochhäuser an der Messe wäre die Orientierung sehr schwierig. Doch es gelingt mir. Auch die Autobahn wird verewigt, samt Blick gen Mulhouse
Nach insgesamt knapp zwei Stunde kehre ich vom Berg in die Stadt zurück. Ein intensiver Tag geht zuende.

Der Dienstag beginnt sehr entspannt. Viel zu spät komme ich aus dem Bett. Sämtliche Pläne für den Besuch des Schwarzwaldes sind längst begraben. Stattdessen will ich erneut nach Basel, schließlich ist diese Stadt das eigentliche Ziel meiner Reise. Ich buche derweil mein ICE-Ticket für die Rückfahrt. Es soll entspannter werden als drei Tage zuvor.
Zum Nachmittag mache ich mich erneut auf den Weg zum Bus. Klar, ich könnte auch ganz bequem wieder mit der 8 in die Stadt fahren, doch möchte ich wenigstens einmal zu Fuß über die Grenze. Das geht am besten zwischen Lörrach-Stetten und Riehen, einer eigenständigen Gemeinde im Kanton Basel-Stadt. Da ich tags zuvor bereist dieselbe Bus-Route genommen hatte, war es nun ein leichtes Unterfangen. Also zwei weitere Male eine Grenze überqueren, aussteigen, und zu Fuß in die Schweiz – zur nahegelegenen Wendeschleife der Tram.
Hier angekommen mache ich eine weitere Beobachtung: In Basel gibt es noch (bzw. wieder) Holzklasse. Schon am Sonntag war ich in diesen „Genuss“ gekommen, wenn auch nur für kurze Zeit. Nun wird es etwas länger. Durch die recht grüne und dörfliche Gemeinde Riehen fahre ich in die Stadt bis zum Badischen Bahnhof. Wie weiter? Ich will zum Spalentor. Dorthin bringt mich ein Bus. Die kurze Wartezeit auf diesen verbringe ich damit das riesige Bahnhofsgebäude samt Vorplatz (und mal wieder den Roche-Türmen) festzuhalten. Auf der Busfahrt fühle ich mich gut 100 Jahre zurück versetzt. Es geht durch ein sehr ausgedehntes Gründerzeitviertel zum Rhein, hauptsächlich über die Feldbergstraße. Auf Großbasler Seite geht es noch ein Stück bergan, ehe ich am Spalentor bin. Es ist eines der Basler Wahrzeichen und eines von drei, noch erhaltenen, Stadttoren von Basel. Ich durchschreite das Tor und bin mitten im Getümmel der Großstadt. Durch enge Gassen spaziere ich zum geschäftigen Marktplatz mit dem markanten Rathaus. Ein paar Bilder müssen genügen. Es sind mir zuviele Menschen!
Also wieder rein in die Tram und zum nächsten Ziel. Mit Umstieg am Aeschenplatz fahre ich zum St. Alban Tor, dem zweiten der drei Tore. Ich hatte zwar vorher recherchiert, dass sich bis zum Rhein eine Grünanlage erstreckt, dass diese aber eine Basler Besonderheit birgt, war mir da noch nicht klar. Durch den Park geht es bergab. Versteckt hinter den Bäumen ist entdecke ich den einzigen Überrest der früheren Stadtmauer mit zwei Türmen, und spaziere an dieser entlang gen Rhein. Und bald bin ich wieder am Wasser und wieder auf einer früheren Befestigungsanlage.
Durchschnaufen und Bilder machen. Auch hier ist eine der Rheinfähren unterwegs – ein hutzeliges Bötchen an einem Seil, von einem weiteren Seil geführt. Und auch hier sind wieder die beiden Roche-Türme zu sehen, und zum greifen nahe. Einige Minuten verweile ich und überlege, wie es weitergehen soll. Durch die St. Alban Vorstadt führt mein Weg zum Kunstmuseum und der Tram. Es geht leicht bergan. Auf Schienen fahre ich zum Messeplatz um dort umzusteigen. In dieser riesigen Wüste aus Stahl, Glas und Beton fällt mein Blick zu einem Loch in der Decke einer Messehalle. Das „Fenster zum Himmel“. Tramwechsel und zurück in die Kleinbasler Altstadt. Erneuter Tramwechsel zu meinem Ziel Rosenbrücke. Hier findet sich mitten in der Stadt eine der vielen Grünanlagen samt Spielplatz.
Eigentlich will ich wieder zurück zum Hotel, als mir der empfohlene Buchladen in den Sinn kommt. Ich habe noch etwas Zeit eher der Laden schließt und so sitze ich wieder in der 8 um bis Bankverein zu fahren. Die Buchhandlung ist riesig und sehr gut sortiert. Das, was ich eigentlich suche, finde ich leider nicht. Stattdessen nehme ich einen Band über die 19 Basler Quartiere (ähnlich deutschen Stadtteilen) mit. Lektüre muss sein. Mit der Tram fahre ich ein letztes Mal über die Grenze nach Weil – und werde dieses Mal nicht kontrolliert.
Während sämtlicher Öffi-Fahrten lausche ich dem Stimmengewirr in Bussen und Trams. Das Baseldeutsch sticht besonders hervor und ist für mich teilweise unverständlich. Dialekt scheint hier sehr hoch gehalten zu werden – vielleicht auch als schweizer Eigenart um sich von dem großen Nachbarn im Norden abzugrenzen. Allerdings unterscheidet sich das Geschwätz auf deutscher Seite nur wenig. Das Alemannische herrscht auch hier vor. Mich überrascht diese Vielfalt an Dialekten, Sprachen und Menschen mich kaum. Dreyeckland ist international. Dass die Dichte an PS-starken Fahrzeugen hier sehr groß ist, erstaunt mich dann irgendwie doch.

Dieser etwas ruhigere Tag geht, mein Abreise-Tag bricht an. Und er führt mich ein letztes Mal in die Schweiz. Via Badischem Bahnhof fahre ich nach Norden. Unterwegs schaffe ich noch ein Mini-Projekt, genannt „Drei Berge“ – den vierten geplanten erwische ich leider nicht.
Berg No.1 ist der Blauen, welcher in und um Basel mit seinen 1165 Metern eine Landmarke darstellt. Etwas weiter nördlich ragt der majestätische Belchen (1414 Meter) empor. Hinter Freiburg folgt dann Berg No.3, der Kandel mit einen 1241 Metern. Alle drei habe ich vor Jahren schon besucht und alle drei sind sehr prägend für die Abrisskante des Schwarzwaldes. Auf den geplanten vierten Berg trifft das im Besonderen zu. Diesen kann ich bei guter Sicht sogar aus den hiesigen Weinbergen und vom Pfälzer Wald erspähen. Leider erwische ich keinen richtigen Zeitpunkt um die Hornisgrinde zu erwischen. Trotzdem bin ich zufrieden.
Auf den Rest meiner Rückreise trifft das nur bedingt zu. Der ICE ist pünktlich in Mannheim. Ab da folgt eine kurze Fahrt in einem komplett überfüllten RE nach Mannheim. Nach gut 5 Stunden bin ich daheim.

Was bleibt?
Begeisterung! Ich habe die Gegend in mein Herz geschlossen. Das mag auch daran liegen, dass es hier so abwechslungsreich ist. Da die pulsierende Metropole mit den zusammengewachsenen Vororten in allen drei Länder, dort Weitblicke und ruhige Ecken. Dazu ein grandioser Nahverkehr und dieses internationale Gefühl. Grenzen verschwimmen, Menschen finden zueinander. Vielleicht spiele ich mit dem Gedanken, diese Gegend zu meiner neuen Heimat zu machen. Das wird die Zeit zeigen.
Die spontane Kurz-Reise habe ich aber keinesfalls bereut. Es war die perfekte Möglichkeit um aus dem Alltag zu kommen und neue Gedanken zu sammeln.

Und als Abschluss noch dieser kleine Fakt:
Während dieser 3 Tage habe ich insgesamt 16 – in Worten: Sechzehn! – Mal eine Grenze überquert und wurde dabei nur zweimal kontrolliert.
Danke Europa, danke Schengen!

— SnusTux|René M. – 01/05-2026