Ein Bild und seine Geschichte – Teil 1

Hallo zusammen.


Dieses Bild:

… hat folgende Geschichte:

Es ist ein Donnerstagmorgen im März, der 2. Tag des Frühlings 2012.
Ich bin auf der Suche nach besonderen Bildern. (18/10-2026: Erst über 14 Jahre später stelle ich fest, dass der verlinkte Beitrag erst zwei Tage nach diesem erschienen ist – die Wanderung war trotzdem am 22. März 2012.)
Nachdem ich die Gemarkung meines Wohndorfes verlassen habe, entdecke ich wie die aufsteigende Sonne durch den Dunst des Waldes bricht.
Die Kamera ist griffbereit.
Zuerst ein Bild mit viel Vordergrund und wenig Inhalt. Danach folgt noch ein zweiter Versuch, der das Motiv auf 12 Millionen DX‑Pixel bannt.
Technisch ist das Bild nichts Anspruchsvolles. Die Einstellungen der Kamera (meiner D300s) sind:

– Aufnahmemodus ist Blendenpriorität (A)
– Belichtungsmessung ist auf mittenbetont eingestellt und Belichtungskorrektur auf minus 2 Blendenstufen
– Fokus und Belichtungszentrum liegen in der Bildmitte

das führt zu folgenden Belichtungsdaten durch das Sigma 17–70:
1/60s bei f/8, Iso 200 und 35mm am Crop.

Bis hierhin nichts Weltbewegendes.
Ein Bild, das sich mit jeder Kompaktknipse machen lässt, vorausgesetzt, diese (OBS: Ironie!) hat eine eingebaute Motivklingel.

Stunden später sehe ich meine Bilder am Rechner durch und entdecke auch dieses Motiv.
Es hat was für sich, nur fehlt noch das gewisse Etwas.
Die Anordnung der Bäume bringt Tiefe ins Bild und die Sonnenstrahlen sorgen für einen starken Kontrast – dienen als Blickfang.

Aus den Rohdaten macht RawTherapee (RT) in der Einstellung »neutral« Folgendes:

Netterweise bietet RT seit Version 4 die Möglichkeit, die Belichtung der unterschiedlichen Farbkanäle zu beurteilen.
Gleichzeitig verlockt diese Funktion dazu, ein Bild in Graustufen umzuwandeln und dahingehend vorzubearbeiten.

Diese Graustufenbilder sehen so aus:

Da lässt sich was machen!
Doch zunächst sind einige grundlegende Arbeiten nötig. So ist das Bild schief (18/10-2026: neuen Link gesetzt) und muss gedreht werden – fast 3 Grad im Uhrzeigersinn.
Dabei kann RT das Bild so zuschneiden, dass keine schwarzen Ränder entstehen, was wiederum den Bildausschnitt ändert.
Nach dem Drehen passt das Bild noch besser – es wirkt irgendwie homogen.

Jetzt gilt es!
Aus dem schönen Motiv soll ein Schwarz-Weiß-Bild werden.
Aber wie?
Nach dem Durchsehen der Farbkanäle entscheide ich mich dafür, das Bild später mittels Blaufilter umzuwandeln. Der blaue Kanal hat subjektiv die beste Wirkung.
Im Lab-Farbraum passe ich Kontrast und Sättigung an – außerdem ändere ich die Kurve im Histogramm um die »Strahlen« zu betonen und ich schärfe ein bisschen nach.
Den Weißabgleich übernehme ich von der Kamera.

Hier das Ganze als Bildschirmfoto:

Das führt zu folgendem Bild:

Die Umwandlung in Graustufen stellt unter Linux leider ein kleines Problem dar.
Das Grundübel dessen ist, dass eine durchgängige 16‑Bit-Bildbearbeitung im Open-Source-Bereich noch nicht angekommen ist – GIMP kann bisher nur 8 Bit (256 Helligkeitsabstufungen) pro Farbkanal verarbeiten. Das ist sehr wenig im Vergleich zu den 14 Bit (16384 Helligkeitsabstufungen) pro Farbkanal, die die Kamera im Rohdatenformat speichert.
Aus diesem Grund nutze ich fast ausschließlich RT zur Bildbearbeitung und Gimp zur Nachbearbeitung in Bereichen, die RT nicht kann. RT arbeitet mit 16 Bit, ist aber für umfangreiche Aufgaben unbrauchbar.
Für die Umwandlung in Graustufen muss deshalb GIMP herhalten.
Für das Programm gibt es den zusätzlichen Filter »Eg – Black and White«, mit dem sich Bilder in Schwarz-Weiß wandeln lassen.
Das Werkzeug ist sehr schön und bietet vielfältige Filtermöglichkeiten.

Mit Eg und dem ausgewählten Blaufilter wandele ich das Bild in eine Schwarz-Weiß-Aufnahme um.
Es ist das Ergebnis von einer Stunde Arbeit und von viel Rumexperimentieren.


Bitte gebt mir zahlreiche Rückmeldungen, da ich noch am Anfang meiner EBV-Karriere bin.
Bevorzugt nehme ich Linux-Programme. ;)

Viele Grüße & bis bald.

18/10-2026: Dies ist der einzige Beitrag, in dem ich auf die Originalbilder zurückgegriffen habe – zu erkennen an den etwas stümperhaft eingebastelten Wasserzeichen. Er ist zudem der älteste bebilderte Beitrag, den ich »umgezogen« habe.

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