Von Himmelslichtern… – Teil 3: Tiere am Berg
Es zieht mich immer weiter nach Norden – und es zieht mich wieder hoch hinauf.
— SnusTux|René M. – 01/11-2026
Teil 3: Tiere am Berg
17. – 19. September 2012
– 749 km –
17/09-2012:
Hejsan.
Da bin ich wieder mit den Nachrichten vom Tage. Dieses Mal aus dem Erlkönig-Paradies Arjeplog. (*)
Wie bei mir üblich, sind Montage meist etwas ganz besonderes. So auch heute. Aber der Reihe nach:
Gestern Abend wollte der Regen einfach nicht aufhören. Während ich den Bloggtext schrieb tropfte es gelegentlich. Dabei dachte ich mir nichts weiter. Kurz darauf machte ich ein paar nächtliche (leider misslungene) Bilder. Als ich ins Zelt zurückkam hatte der Regen wieder angefangen – stärker als zuvor. Dadurch wurde das Tropfen stärker. Leider nicht nur an einer Stelle sondern an insgesamt acht (!) Aufhängungen des Innenzeltes. Na wunderbar. Der erste Härtetest und mein Wechsel Forum 4_2 Travel Line kollabiert. Danke. Das nenne ich Entwicklung »made in Germany«! Also verbrachte ich eine unruhige Nacht in meiner Tropfsteinhöhle. Heute morgen hatte es aufgehört, feucht von oben zu kommen. In meinem Schwimmbad fand ich ein paar Pfützen. Intelligenterweise hatte ich sämtliche Elektronik an nicht-tropfende Stellen verfrachtet, sodass alles überlebte. Immerhin.
Punkt 10h brach ich mit ungewissem Ziel auf.
Gezwitscher – 09:58: Nach der Nacht in der Tropfsteinhöhle gehts langsam zur Grenze und zum Polarkreis. Melde mich dann ab.
Erster Stopp an der Tankstelle vor Ort. »Nur« 15:18 kr/L – mein bisher günstigster Preis. Noch ein paar Fotos und weiter gings zum Einkaufen in Hemavan. Ab da immer gen Norden zum Quellgebiet des Ume-älv. Dieser bildet hier, kurz vor der Grenze einige recht große Seen. Das Wetter blieb weiterhin feucht bei 4-5°C. Um 12 war die Grenze erreicht. Kurzer Abmelde-Tweet…
Gezwitscher – 11:50: Bin an der Grenze. Immer noch Regen. Melde mich wieder, wenn ich zurück in Schweden bin. Jetzt zum Polarkreis.
… und ab durch den Tunnel auf norwegischer Seite.
Denkste! Baustelle und als Umfahrung davon die »alte« E12 über Kalfjäll. Auch nicht schlecht. Kurz nach halb 1 erreichte ich Mo i Rana bei 8°C. Der Schock kam an den Tankstellen. Dort fanden sich die gleichen Zahlenkombinationen wie im Nachbarland. Brennstoff also um Faktor 1,2 teurer. Wunderbar! Wie gut, dass ich nicht in Norwegen tanken muss. Ab auf die E6. Kurz hinter Mo durchfuhr ich den ersten meiner geliebten norwegischen Tunnel. Es blieb der einzige. Einige Kilometer später folgte die nächste Überraschung. Vor mir zuckelte ein kleiner Clio mit 50-70 über die Straße. Ich hatte das Vergnügen, bestimmt 10 Kilometer mitzuzuckeln, bis er endlich rechts auf einen Parkplatz fuhr. Überholen war auf dieser unübersichtlichen Straße, die immer entlang des Rana-elv durch ein weites Tal führte, unmöglich. Gegen halb 2 begann der Aufstieg zum Saltfjell auf über 600 Meter. Wieder alles kahl, neblig und nass. Nur noch 3°C. Auf dem höchsten Punkt der Strecke passierte ich erstmals dieses Jahr den Polarkreis. Kurze Pause, danach Abfahrt nach Saltdal. Diesen Ort hatte ich als mögliches Quartier in Betracht gezogen. Leider fanden sich auf der Internetseite des Turistsenters keine Übernachtungspreise. Warum wohl?. Das wurde mir schnell bewusst. Das günstigste Zimmer hätte mich fast 900:- norwegische Kronen gekostet. Nix da! Also wohin jetzt? Schweren Herzens begrub ich die Idee einer Nacht oberhalb des Polarkreises. Stattdessen orientierte ich mich wieder gen Schweden. Als Ausweichbleibe wurde das vandrarhem in Arjeplog in Betracht gezogen. Dort musste allerdings vorbestellt werden. Hier aus Norwegen, mit fast leerer Telefonkarte, unmöglich. Also mit Ungewissheit zurück auf die E6 gen Süden. Nach nur einem Kilometer zweigte links der Riksvei 77 ab. 10% Steigung, enge Straße, erst spät ein paar Parkplätze. Fotostopp. Leider konnte ich die Enge des Tales nicht richtig in Bildern festhalten. Schade. Nach einigen Kilometern weitete sich das Tal und die Straße führte langsam bergauf entlang des Junkerdalselva gen Grenze. Diese war gegen halb 4h, auf Kalfjäll Nummer 3, erreicht.
Gezwitscher – 15:44: Zurück im Land. 🙂 Kalfjäll auf gut 700m an der 95. Weiterhin Regen. Auf nach Arjeplog!
Anruf in Arjeplog um das Zimmer zu buchen und Anmelde-Tweet. Nach einer längeren Pause nahm ich den RV95 südostwärts in Angriff. Den höchste Punkt der Strecke, 740m, überfuhr ich kurz darauf. Noch 120km bis zum Ziel. Diese Strecke wurde seeehr lang, da ich nach der vorhergehenden Nacht ziemlich fertig war. Wie dem auch sei, so stand ich kurz vor 6h auf dem Parkplatz des Hotels/vandrarhems. Endlich. Zimmer mit eigenem Bad für nur 320:- schwedische Kronen, welch Unterschied! Unterwegs verabschiedete sich dann auch noch der zweite Schweinwerfer, aber ich habe ja Ersatz an Bord. *GRRR* Naja. Bin gut in Arjeplog angekommen.
Gezwitscher – 18:23: Nach 392km, 3x Kalfjäll, 2 Polarkreispassagen und Dauerregen endlich in Arjeplog angekommen. In einer Luxusherberge. 🙂
Das reicht für heute. Es ist bereits kurz vor Mitternacht. Hier nun ein paar Impressionen der 392 Tageskilometer:
(*) Was es damit auf sich hat, dürft Ihr selbst erraten. 😉
18/09-2012:
Mit einem riesigen Grinsen im Gesicht begrüße ich Euch zum heutigen Tages-Bla-Bla.
Seit nunmehr einer Woche bin ich in Schweden. Auch wenn ich den Hauptzweck der Reise, Astrofotografie, streichen musste, so hat es sich bisher doch gelohnt.
Es ist Dienstagabend, die Sonne scheint langsam unterm Horizont zu verschwinden, und ich sitze wieder in meinem Hotelzimmer in Arjeplog. Ein wunderschöner Urlaubstag geht zu Ende. Aber der Reihe nach:
Heute morgen ließ ich mir mal wieder viel Zeit. Hatte eigentlich einen erneuten Standortwechsel vor, aber der Wunsch noch eine Nacht länger hier zu bleiben war stärker. Also auf zur Rezeption und fragen. Die nette Dame meinte, dass dies kein Problem sei und verlängerte meinen Aufenthalt um eine weitere Nacht. Außerdem gab sie mir einige Tipps für Ausflüge in der näheren Umgebung. Einer davon war die kurze Fahrt auf den Berg Galtispuoda, so eine Art Hausberg von Arjeplog. Sie meinte, dass dort hoch sogar Busse fahre würden und die Aussicht auf die Seen und das Fjäll wunderschön sei. Gesagt, getan.
Gezwitscher – 10:57: SONNE 🙂
Doch zuerst war noch Lampenwechsel Nummer 2 fällig.
Gegen halb 12, bei strahlendem Sonnenschein und knapp 10°C, machte ich mich in meinem treuen Reisebegleiter auf den Weg. Die Beschilderung zum Berg war, typisch schwedisch, hervorragend. Vor dem steilsten Stück fand ich ein Schild, dass die Straße im Winter für Testfahrten (*) gesperrt sei und nur berechtigte Personen Zugang hätten; daneben ein, geöffneter, Schlagbaum. Es ging bergauf. Bis auf über 800 Meter. Kalfjäll! Auf den letzten Metern entdeckte ich dann endlich die ersten Rentiere dieses Jahres. Gegen 12h war ich oben angekommen. Eine fast 2-stündige Fotorunde begann. Einerseits der Landschaft geltend – eine wirklich schöne Sicht auf die Gewässer des Skellefteälv und auf die Fjällketten im Norden und Westen – andererseits den Tieren. Bewaffnet mit D300s+Tammy vorn dran gelang fast jedes Bild der »Herrenrunde«! Diese, vielleicht 20-30 Tiere, wanderten nahezu ungestört auf dem Kalfjäll umher und näherten sich mir teilweise so sehr, dass ich mich lieber in Sicherheit brachte. 🙂 Aber auf 50-100 Meter kamen sie an mich heran. Die Landschaft wurde mit Tammy und Sigma auf den DX-Chip gebannt. Ich versuchte mich auch an 2 Panoramas. Eines die Fjällkette einschließend, das zweite für die Gewässer.
Gezwitscher – 13:03: Die ersten Rentiere dieses Jahr! Bin auf dem Galtispuoda, Arjeplogs »Hausberg« auf gut 800 Meter Höhe.
Kurz vor 2 fuhr ich wieder bergab zu einem großen Parkplatz samt Hinweistafel auf das Naturreservat. Danach ging es langsam zurück ins Dorf Arjeplog, welches Hauptort der riesigen Gemeinde gleichen Namens ist. Vom Strand des Hornavan konnte ich den majestätischen Galtispuoda dann auch festhalten. Mein Dank an die nette Dame im Hotell Lyktan für diesen Tipp! Es war ein Volltreffer! Und Mein Grinsen will garnicht mehr weichen. 😀
Ein weiterer Dank geht an dieser Stelle an Telia, die mich seit gut einer Woche täglich bloggen lassen. In abgelegenen Gebieten, wie Björkvattnet, zwar nur mit schnarchlangsamer EDGE-Geschwindigkeit; hier in Arjeplog dagegen mit UMTS! Bisher hatte ich aber überall Netzempfang.
Wohin es morgen gehen soll weiß ich noch nicht. Wettertechnisch sieht es schon wieder mau aus. Auch jetzt ist es stark bewölkt. Mal sehen.
Gezwitscher – 20:22: Ein Tag schönen Wetters ist schon wieder vorbei. Regen überall. 🙁
Gezwitscher – 23:58: Blick aus dem Fenster: Der Große Bär strahlt mich an. Am Horizont ist Arktur zu erkennen. Vielleicht wirds ja doch noch was. 🙂
Hier nun ein paar Eindrücke der knapp 30 Kilometer Fahrt um Arjeplog:
(*) Hat etwas mit dem kuriosen Einstieg von gestern zu tun 🙂
19/09-2012:
Guten Abend von der Endstation der Inlandsbana.
Wenn man keinen Plan hat, dann macht man sich einen – und macht dann doch etwas ganz anderes. So wie heute. Ich hatte 3 mögliche Richtungen ab Arjeplog zu Auswahl. Westen zählt dabei nicht, denn von da kam ich her. Blieben noch Süden (zum Hut), Osten (zur Küste) oder … naja die Grundrichtung dieser bisherigen Tour – Norden! Dort bin ich nun, genauer gesagt in der beschaulichen Bergbaustadt Gällivare. Wie und warum erzähle ich Euch im Folgenden:
Der gestrige Nachmittag und Abend ging mit viel Surfen zu Recherchezwecken drauf. Dabei spielte das dünne SEB-Filialnetz hier im Norden eine gewisse Rolle. Die wallenbergsche Bank scheint nur an Großstädtern interessiert. Wie sonst ist zu erklären, dass sich die Filialen ab Gävle fast ausschließlich an der Küste befinden. Keine in Östersund, geschweige denn in den kleineren Orten an der E45. Mit einer Ausnahme: Gällivare. Hierhin hätte also eine mögliche Etappe gehen können. Außerdem wären noch die Festungsstadt Boden und das größere Küstendorf Kalix in Betracht gekommen; oder ich hätte meinen Hut in Saxnäs abgeholt, von wo es bis zur nächsten Bank einige hundert Kilometer gewesen wären. Boden kristallisierte sich alsbald als Favorit heraus. Knapp 250km bis dorthin und ein vandrarhem mitten in der Stadt. Dummerweise wurde dieses ab September nur nach Bedarf geöffnet. Also Buchungsanfrage geschickt und, naja mal gen Norden recherchiert. Für Gällivare bot sich ein Campingplatz mit angeschlossenem vandrarhem, alles recht günstig, an. Etwa 2 Stunden später war der Plan B. Geschichte. Einzig die kurze Öffnungszeit der Rezeption in Gällivare bereitete mir kleinere Kopfschmerzen. Ohne vorher gebucht zu haben, würde ich bis 16h dort sein müssen. Erst mal drüber schlafen.
Heute morgen ließ ich es, trotz des gerade geschilderten, recht ruhig angehen. Wird schon passen. Aufstehen. Essen. Einräumen. Putzen. Es ist kurz nach halb 11. Mal wieder Regen und die gewohnten 8°C. Auf geht’s.
Gezwitscher – 10:49: Vom verregneten Arjeplog auf zu neuen Erlebnissen im Norden. 🙂
Das Navi gibt eine Ankunftszeit in Gällivare von etwa 15.30h an. Auf gen Arvidsjaur. Punkt 11.40h erreiche ich die einzig wahre Straße Schwedens – die E45. Auf den ersten 100 Kilometern gibt es gleich das volle Programm: Zuerst Rentiere am Straßenrand, danach eine Baustelle mit Schotterabschnitten, gefolgt von einem Schwerlast-Transport mit Überbreite und zum Schluss ein geschlossener Bahnübergang der Inlandsbana in Kåbdalis. Etwa 10km vor diesem schmiert mir noch das Navi, wegen leeren Akkus, ab. Deshalb darf ich dann nachträglich diese Kilometer in die Trackingdateien einbauen. Die anfängliche Tempomatfahrt endet auch irgendwann auf Grund von Arbeitsverweigerung desselben. Erstmal Pause machen. Diese genieße ich beim erneuten Überqueren der imaginären Linie bei 66,7° Nord kurz vor Jokkmokk.
Gezwitscher – 13:33: Seit 11.40h zurück auf der einzig wahren Straße Schwedens; in die richtige Richtung! 🙂 Bisher all inclusive: Rene, Baustelle, Eisenbahn?
Gezwitscher – 13:34: Jetzt bin ich, erneut, kurz von der imaginären Linie. 🙂
Die ersten Bilder des Tages entstehen. Mittlerweile habe ich die Ankunftszeit um gut 30 Minuten auf 15h gedrückt. Das passt! Weiter geht’s. Via Jokkmokk und Porjus gen Nordosten. Zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne! Es ist halb 3h nachmittags. Langsam rückt ein ganz bestimmter Berg in greifbare Nähe – Dundret, der Hausberg Gällivares. 15 Uhr. Geschafft. Ein Zimmer ist frei, das ich für 3(!) Nächte buche. Klein aber fein.
Gezwitscher – 15:10: So. Ich bin am Ende … … der Inlandsbana. Dundret-Blick inklusive. 🙂
Das vandrarhem scheint Quartier für viele Arbeiter zu sein und ist leider recht hellhörig. Aber was solls. Der Blick auf Dundret entschädigt dafür. Jetzt habe ich viel Zeit und alles in der Nähe. Der Rest des Nachmittages geht mit dem Einbau der Kartenausschnitte in die »alten« Bloggeinträge drauf. Deshalb ist es schon 10h Abends, da dieser neue Artikel das Licht der Welt erblickt.
Und hier die 327km-Etappe in ein paar Bildern:
































