Norden 2011 – Ein Reiseexperiment – Abschluss

Hej.

Ihr habt es geschafft – wir haben es durch neun experimentelle Etappen geschafft!
Nachfolgend eine Karte der gesamten Tour, ein paar retrospektive Gedanken aus 2026, ein bisschen viel Statistik, meine versprochenen Übergänge und die Tageskilometer, sowie alle Bilder in einer finalen Galerie. Und dazwischen ist noch ein weiterer, sehr spannender, Bonus versteckt.

Mit »nur« 7334 Kilometern war diese Reise ein gutes Stück kürzer als 2010. Ursachen dafür sind die Reise mit dem Schiff und nahezu fehlende Tagestouren von festen Standorten aus.
Hier seht Ihr die Tour auf einer Karte:


15 Jahre danach. Was bleibt?

Während ich durch die Bilder und Texte stöbere kommen intensive Erinnerungen hoch. Irgendwie erscheint es mir unwirklich, dass das schon so lange her sein soll.
Viele Eindrücke sind doch so frisch.
Geräusche und Gerüche ploppen auf; Stimmungen sind wieder da.

Es war damals eine ziemlich komische Idee, zwei Reisen miteinander zu verbinden, deren Themen eigentlich grundverschieden waren.

Die eine Reise sollte das komplette Skandinavien-Gefühl transportieren:
Von den ach so typischen Wäldern und Seen mit ihren roten Holzhäusern in Südschweden (Bullerby-Syndrom) im Süden ausgehend, über die langen Küstenabschnitte im Osten, die großen Wasserfälle und die kargen Berglandschaften im Norden hin zum Endpunkt Nordkapp. Dabei habe ich viele selbst erlebte – und gesehene – Dinge meiner 2010er Tour eingebaut (Höga Kusten, Magerøya) und diese mit Storforsen verbunden, den ich bereits 2003 besucht hatte. Komplett neu war der spannende Abstecher »ans Ende der Welt« nach Ritsem, mit Blick auf das majestätische Áhkká‑Fjäll.
Die andere Reise war eine Flucht in die Ruhe – meine Reise, die Ihr in diesen neun Etappenberichten mitverfolgt habt.
Als Höhepunkt war die gemeinsame Fahrt mit Hurtigruten ausersehen.
Anschließend folgte die ebenfalls größtenteils gemeinsame Rückfahrt ab Trondheim, mit der Flatruet-Passage als Mini-Höhepunkt.
Interessant sind hierbei die unterschiedlichen Wege – parallel zu meinen Etappen.
Während ich mich zwischen Etappe eins und drei fast ausschließlich entlang der norwegischen Grenze bewegte – und diese mehrmals passierte – war die andere Tour im Süden und Osten Schwedens unterwegs. Nach unseren zwei gemeinsamen Tagen – um Storforsen und Ritsem – blieb ich noch etwas in Schweden, um erst später Richtung Treffpunkt in Kirkenes weiterzuziehen (Etappen 5 und 6, teilweise Etappe 7). Die Parallelreise strebte hingegen flink dem Nordkapp zu, um dieses zu besuchen – was ich selbst 2010 nicht gemacht habe, dafür aber die Wanderung zum weiter nördlich gelegenen Knivskjelodde. Ich genoss lieber die Ruhe auf Varanger und die Landschaft entlang der Tana.
Fragt man meine beiden Mitreisenden heute, so werden sie komplett andere Eindrücke in Erinnerung haben als ich. Das ist gewollt und zeigt mir auch 15 Jahre später, dass mein »Experiment« ein voller Erfolg war.

Manche Sätze aus meinem Abschlussbericht zu 2010 könnte ich nun wortwörtlich übernehmen, da sich innerhalb dieses einen Jahres nur wenig geändert hatte. Soetwas wie:
»Es war die Zeit, in der Smartphones noch in ihren Kinderschuhen steckten und mobile Kommunikation noch schwieriger war als heute.
Zudem war es die Zeit, in der man für jedes Land noch eine eigene SIM-Karte brauchte, sonst wurde es kostenintensiv – kostenloses Roaming in andere EU‑/EWR‑Staaten gab es damals noch nicht.«

Ich hatte aus der Situation von 2010 gelernt, die Grund-›Probleme‹ von damals bestanden allerdings weiterhin. Immerhin funktionierte meine Telia-SIM aus dem Vorjahr problemlos und ich konnte in den entlegensten Ecken mein Tagebuch führen und für den Fortgang meiner Reise recherchieren. Das ging damals aber noch nicht mit einem schönen Tablet, oder einem großen Smartphone. Stattdessen nutzte ich – wie auch 2010 schon – meinen fünf Jahre alten Laptop, dessen Lebensende spürbar nahte. Auf der Tour erwies er mir aber noch einmal gute Dienste. Ich habe ihn wohl erst nach 2014 endgültig in Rente geschickt. An jenem Laptop klemmte ein USB-Stick mit SIM-Slot, um ins Netz zu kommen. Ein sehr antiqierter Aufbau, der aber durchaus praktikabel war.
An der Roaming-Situation sollte sich bis Juli 2017 nichts ändern.

1:1 übernehmen möchte ich auch das folgende:
»[Diese Tour] war auch ziemlich typisch für mich: Einerseits fix gebuchte Sachen, andererseits spontane Planänderungen und –anpassungen.«
Dazu brauche ich nicht viel zu erläutern. In meinen Etappenberichten ist dieser Wechsel recht gut herauszulesen.

Ein paar wichtige Worte möchte zum Thema »Fotografie« verlieren:
Seit Januar 2011 war ich stolzer Besitzer einer Nikon-D90-Spiegelreflexkamera. Sie eröffnete mir ungeahnte neue Möglichkeiten. Und sie war während dieser vier Wochen mein treuer Begleiter – wäre da nicht der dauerhafte Ausfall des Displays ab Stekenjokk gewesen. Ich musste ab jenem 25. Juni komplett ohne direkte Bildkontrolle auskommen und konnte meine Ergebnisse erst nachträglich am Laptop begutachten. Das war ziemlich heftig. Als Notnagel hatte ich zwar immer noch die kleine »Tizzy« vom Vorjahr, aber mehr als dieser »Notnagel« war sie wirklich nicht. Zum großen Unterschied bei der Bildqualität und den Bearbeitungsmöglichkeiten habe ich mich in meinem Auftaktbeitrag zu 2010 bereits geäußert.
Wichtig ist auch: Ich blieb nach dem Display-Ausfall stur bei meinen 3er-Belichtungsreihen mit geschätzter Zeit (meist 1/1000s, dann +1 Stufe (= 1/500s) und −1 Stufe (= 1/2000s); bei dunkleren Situationen mit 1/500s oder 1/250s als Ausgangszeit). Das hätte ziemlich schiefgehen können – ist es aber glücklicherweise nicht. Bei den drei Einzelbildern war immer wenigstens eines mit brauchbarer Belichtung dabei. Tja, ich hätte damals auf Blendenvorwahl mit automatischer Zeit und automatischem ISO, samt zusätzlicher, manueller Belichtungskorrektur, wechseln können. Ich hätte… Ich war aber zu stolz und ein wenig überheblich. »Ich kann das! Ich weiß das!« Ich konnte und wusste es nach einem knappen halben Jahr mit D-SLR noch nicht – kann und weiß es selbst heute nur bedingt. Es dauerte noch etwas, bis ich auf die halbautomatische Blendenvorwahl wechselte, die mir das Fotografie-Leben so sehr erleichterte.

Zwei etwas längere Resümee-Stellen aus meiner Bearbeitung von 2013 möchte ich Euch nachfolgend zeigen. Damals standen sie am Ende der Kapitel 8 bzw. 9, weshalb sie sich inhaltlich etwas überschneiden. Sie sollen auf mein heutiges Fazit zu dieser Tour überleiten:
1:
»Die Hurtigruten-Fahrt war zweifellos ein Erlebnis. Allerdings in einer ungünstigen Kabine. Dazu kommen die sehr strikten Aufenthaltszeiten in den einzelnen Anlaufhäfen. Diese schränken mich zu sehr ein. Fast die ganze Zeit bin ich am Gähnen und werde nie richtig munter. Das Publikum war sehr international mit vielen Deutschen, alterstechnisch ab 50 aufwärts.«
2.
»Nach genau vier Wochen findet diese Reise ihr Ende. Experiment geglückt, alle lebendig! Jeder hat bekommen, was er und sie wollte. Wegen der langen Dauer der Tour, entstand kaum Stress. Die anderen Reisenden konnten gemütlich am Bottnischen Meerbusen nach Norden fahren und ein paar interessante Orte entdecken. Höhepunkt für die beiden waren wohl die Tage auf Magerøya und die Hurtigruten-Reise. Ich hatte meine Ruhe im Fjäll und konnte recht gut entspannen. Mein absoluter Höhepunkt der Tour ist der 4. Juli – nach, in, und um Berlevåg. Dazu erstmals Mitternachtssonne. Unbeschreiblich! Mit dem Touri-Postschiff muss ich dagegen nicht wieder fahren. Ganz nett, mehr aber nicht.«

Erstaunlicherweise hat sich seit dem Frühjahr 2013 kaum etwas in meiner Beurteilung dieser Reise geändert.

Noch immer denke ich vor allem an diesen 4. Juli 2011 zurück.
Ich sehe mich entlang der Tana fahren – durch diese unwirklich erscheinende grüne Landschaft.
Ich sehe mich in Store Molvik stehen und über den Tanafjord zur Nordkyn-Halbinsel blicken.
Ich sehe mich – vom Regen durchnässt – die Mitternachtssonne beobachten, die zwischen dunklen Wolken hindurchscheint und die Berlevåg in ein warmes Licht taucht.
Ich sehe mich mit einem breiten Grinsen und tiefer, innerer, Zufriedenheit nach diesem Tag entschlummern.

Ich denke an die »Nacht« auf Flatruet zurück und wie ich es danach völlig übermüdet noch bis Östersund geschafft habe
Ich denke an die Strecke nach Ritsem zurück.
Ich denke an…
…so vieles zurück.

Diese 2011er Tour hat eine Menge Parallelen zu 2010 und war doch ganz anders.
Auch sie hat mich wieder an meine Grenzen – und teilweise darüber hinaus – gebracht.
Im Gegensatz zu 2010 habe ich keine haptische Erinnerung an diese Reise – der Knivskjelodde-Pin bleibt einzigartig.
Stattdessen lebt diese besondere Reise in meinen Erinnerungen fort. Diese Neubearbeitung hat mich wieder in den Sommer 2011 zurückversetzt – von Stolz, Respekt und vielleicht auch etwas Melancholie begleitet.
Seht diesen Rückblick als Momentaufnahme aus einer anderen Zeit an, ohne komplett darin zu versinken. Ich behalte diese vier Wochen in besonderer Erinnerung.

Ich danke, dass Ihr mich durch diese insgesamt 11-teilige Serie (unbeabsichtigt passend zum Jahr 2011) begleitet habt & wünsche Euch eine gute Zeit.

Gehabt Euch wohl & bis bald!

— SnusTux|René M. – 12/06-2026 (06/10-2026)


Tour von 2010 | Tour von 2012

Bonusmaterial:
Nun möchte ich Euch eine weitere Karte zeigen. Sie bildet die Überlappungen dieser Tour zur Tour des Vorjahres ab. Die rötlichen Bereiche sind die diesjährige Strecke, die bläulichen die von 2010. Violett zeigt die Überlappungen. Dazu gibt es in einer darunterstehenden Tabelle, samt Kommentar, detailliertere Informationen.

Komplett identische Strecken 2011 zu 2010:

Start

Ende

Kommentar

Richtung

km

Fähre
Göteborg

E45
Grums

Norden

228

RV84
Funäsdalen

E45
Svenstavik

über Flatruet

Norden

165

E45
Vilhelmina

E45
Arvidsjaur

Norden

216

E45/RV374
bei Kåbdalis

E45/RV92
bei Masi

Norden

540

Summe:

1149

Gesamte Strecke

nur SE/FI/NO

5962

Anteil identisch:

19,27 %

Identische Strecke

nur E45:

984

Anteil identisch:

16,50 %

Das ist eine ganze Menge.
Bei der Flatruet-Strecke wird es noch interessanter: Diese bin ich innerhalb von 20 Tagen zweimal gefahren – nord- und südwärts.
Zähle ich diese Doppelung und weitere Strecken dazu, die sich überlappt haben – in der Karte violett hervorgehoben –, werden es 1630 Kilometer. Das sind, nur auf die skandinavischen Länder gerechnet, fast 28 % identischer Kilometer – also mehr als ein Viertel der gesamten Tour innerhalb Skandinaviens.
Auch beachtenswert sind die knapp 1000 identischen Fahr-Kilometer auf der Europastraße 45 – sie ist die Lebensader im schwedischen Binnenland und im Inneren des norwegischen Fylke Finnmark. Hier kommt man entspannt und schnell voran.


Datum

km

Der jeweils erste Satz aus meinem digitalen Tour-Tagebuch

17/06-2011

703

Urlaub!

18/06-2011

274

In Schweden.

19/06-2011

414

Der Urlaub (ieS) beginnt langsam.

20/06-2011

149

Die Woche beginnt montags, der Urlaub auch.

21/06-2011

362

Hmm, dieser Tagesbericht entsteht erst 3 Tage später im vandrarhem von Björkvattnet im nördlichsten Jämtland.

22/06-2011

203

Auch dieser Bericht entsteht erst am 23.06.2011 in Björkvattnet.

23/06-2011

295

Nachdem ich nun über die beiden vergangenen Tage erzählt habe, bin ich beim heutigen angelangt.

24/06-2011

224

Midsommarafton, 24. Juni 2011.

25/06-2011

107

Mal wieder ein nachträglicher Bericht.

26/06-2011

124

(Fortsetzung vom 25.06.)

27/06-2011

315

Montag.

28/06-2011

238

Der Tag des Wiedersehens.

29/06-2011

195

Freitag, 01.07.2011, vormittags.

30/06-2011

437

Und noch ein nachgetragener.

01/07-2011

136

Nach den Nachträgen des Vormittags kommt jetzt der Bericht vom Tage.

02/07-2011

257

Samstag, 02. Juli.

03/07-2011

327

Müde durch die Finnmark.

04/07-2011

358

Montag ist Schontag, aber nicht bei mir!

05/07-2011

292

Auch über diesen Tag wird nachträglich von der M/S »Richard With« berichtet.

06/07-2011

8

Dieser Nachtrag geht nahtlos in das aktuelle Geschehen über.

07/07-2011

0

–

08/07-2011

0

–

09/07-2011

0

Zur Abwechslung mal wieder ein Nachtrag.

10/07-2011

219

So langsam höre ich auf zu zählen, wieviele Tagesberichte überhaupt am jeweiligen Tag entstehen.

11/07-2011

406

Stena Germanica, 2 Tage später.

12/07-2011

390

Stena Germanica, am Tag danach:

13/07-2011

232

Der vorletzte, kurze Bericht: geschrieben am letzten Urlaubstag, Sonntag 17.07.

14/07-2011

669

Knapp 700km deutscher Autobahn bei durchwachsenem Wetter sind sehr anstrengend und bei 9 Stunden Fahrzeit mit mehreren Staus eine Zumutung.



Norden 2011 – Übersicht | Reisen – Übersicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert