Juni 2026 – Bergpark-Reise nach Kassel

Kassel.

Die Stadt, von der ich dachte, sie schon zu kennen, ohne sie je bewusst wahrgenommen zu haben. Ein Ort in der Mitte Deutschlands, der langweiliger kaum sein konnte. Kriegszerstört – voller moderner Bauten und Industrie.

Doch halt!

Zwei Jahre sind seit dem letzten »1+1«-Treffen vergangen – dazu in einer späteren Retro-Reise mehr. 30/09-2026: Mittlerweile ist der zugehörige Beitrag veröffentlicht.

Seit der Retro-Reise nach Erfurt sind mittlerweile schon vier Jahre vergangen – Zeit, mal wieder einen neuen Ort zu besuchen.
Mir schweben da zwei Städte vor, die auch gut erreichbar sind – Magdeburg und Kassel.
Bei einer demokratischen Abstimmung gewinnt die Großstadt im Norden Hessens.
Als Quartier suche ich ein Hotel neben dem Fernbahnhof Wilhelmshöhe aus.


Vier Wochen später ist es soweit und wir reisen aus unseren beiden Orten an.

Ich erwische dabei unterwegs die Stadt Amöneburg, die auf einem markanten Bergkegel liegt.

Der Bahnhof ist modern, aber sehr düster. Darüber quert die Wilhelmshöher Allee die Gleise und wird hier von einer großen Tram- und Bus-Haltestelle flankiert. Ein erster Blick geht nach Westen über die schnurgerade Straße. An deren Ende ist es grün und steil; eine Schlossanlage, ein Berg, ein Monument.

Doch zuerst fahren wir mit der Tram an die Fulda und erkunden von dort die Innenstadt. Es ist ein trauriger Tag der jüngsten deutschen Geschichte. Überqueren wir doch 7 Jahre nach der Ermordung die Walter-Lübcke-Brücke. Die recht breite Fulda schlängelt sich durch viel Grün.

Von einer geschäftigen Großstadt ist kaum etwas zu merken – wäre da nicht eine alte Bastion, die von einem modernen Glaskasten überragt wird. Am Ende der Brücke spazieren wir an den Überresten des historischen Kassel vorbei. Der Renthof samt Brüderkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und bildet ein gotisches Kleinod.

Dieses wird recht bald von schmuckloser und funktionaler Nachkriegsarchitektur kontrastiert, die sich auch in der Stadtplanung niederschlägt. Breite Straßen dominieren das Bild. Im Geoportal der Stadt ist diese Transformation nach dem Krieg sehr gut nachzuvollziehen. Ein kurzer Stopp am Zisselbrunnen auf dem Altmarkt. Von dort geht es zum Königsplatz, der weitere Wasserspiele bereithält. Auch hier ist es funktional. Gleich daneben erstreckt sich der Friedrichsplatz, der leider gesperrt ist und den Blick zu Karlsaue weitet. Ein großer, eher kahler Platz, mit nur wenigen Bäumen. Zwei davon stehen genau vor dem klassizistischen Fridericianum. Sie stören die Sichtachse zum Bau und sind Teil der documenta 7, des Werkes »Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung« von Joseph Beuys. Die documenta. Sie ist Teil der jüngeren Stadtgeschichte und die Werke sind an vielen Orten sichtbar.

Durch die Innenstadt zieht sich die Obere Königstraße. Sie erinnert mich stark an die Kurpfalzstraße in Mannheim, die sich durch die Quadrate zieht und nahezu keine Bäume hat – stattdessen Tramgleise.

Nach einer kurzen Stärkung fahren wir zum Bergpark und genießen die Aussicht auf Park, Schloss und Stadt.

Nach unserer Rückkehr ins Hotel zieht ein kräftiges Gewitter auf, das den Himmel dramatisch verdunkelt.

Was mir an diesem ersten Abend auffällt, sind die sehr langen Rotphasen an den Fußgängerampeln. Das ist störend, sollten doch in einer solchen Stadt alle Fortbewegungsmittel gleichberechtigt sein. Positiv sind das viele Grün und der zuverlässige Nahverkehr. Einige Trams verkehren sogar mit Anhänger – den wir natürlich testen.


Tag zwei ist schneller zusammengefasst – besteht er doch nur aus dem Bergpark.
Vormittags fahren wir mit Tram und Bus auf den Berg zum Herkules, dem Monument über der Stadt.

Es ist speziell hier oben. Die Anlage ist 300 Jahre alt und zitiert noch ältere Architektur. Historisierende Grotten, steinerne Treppen zum Himmel und viele kleine Flecken mit Wasserspielen sind einzigartig. Ringsum ist Wald.

Darunter staffelt sich eine Wasserkaskade abwärts.

Die Fernsicht bis zum Hohen Meißner ist beeindruckend!
Zu meinen Füßen liegt Kassel, das durch seine winzigen Häuser wie eine Modellbahnwelt wirkt.

Die schnurgerade Wilhelmshöher Allee sieht von hier oben noch beeindruckender aus.


Zum Nachmittag kommen wir in den Genuss der Wasserspiele, deren Höhepunkt die Fontäne am Schloss ist.
Das Wasser schießt imposant in die Höhe, was von vielen beobachtet wird. Dahinter finden sich viele kleine und größere Wasserfälle im Grünen – kleine Tempel und versteckte Wege im Wald.
Ich bin schwer beeindruckt.

Bald ist das Wasserspektakel vorbei und ich spaziere noch etwas durch den Park, während meine Begleitung die Sonne genießt.

Während der gesamten Reise begleitet mich die Sichtachse entlang der Wilhelmshöher Allee – unterhalb des Schlosses als »Königschaussee« bezeichnet –, die sich vom Schloss über 5 Kilometer schnurgerade durch die Stadt zieht – vom Herkules sogar fast 7 Kilometer. Mit langer Brennweite lässt sich eine große Verdichtung erzeugen. In der Ferne sind die Berge des Kaufunger Waldes, etwas südöstlich erhebt sich der Hohe Meißner – eine Landmarke in Deutschlands Mitte.

Zum Abend erkunde ich allein den »Vorderen Westen« – das Gründerzeitviertel Kassels – und die Gegend um unser Quartier. Damit endet dieser wasserreiche Tag dann auch.


Tag drei wird von der Bahn bestimmt.
Trotz diverser Änderungen kommen wir zum Abend an unseren Zielorten an.


Nun zu meinem Eingangskommentar:
Kassel ist so ganz anders als gedacht und sehr abwechslungsreich. Kassel ist grün und modern – und doch voller historischer Orte.
Bergpark und Wilhelmshöher Allee bestimmen die Stadt ebenso wie die Auenlandschaft an der Fulda.
Der gründerzeitliche Stadtteil »Vorderer Westen« hat einen eigenen – besonderen – Charme.
Der Talkessel ist weit.
Dass Kassel sehr verkehrsgünstig gelegen ist und ein ausgezeichnetes Öffi-System hat, kommt als weiterer positiver Punkt dazu.


Ich bin begeistert von dieser großen Stadt in Deutschlands Mitte.
Kassel bietet den perfekten Kontrast zu Marburg, welches ich Ende Januar besucht hatte.

Gehabt Euch wohl & bis bald.

— SnusTux|René M. – 07/06-2026


Hier findet Ihr alle Bilder dieser Reise gesammelt:


April 2026 – Dreyeckland | Juli 2026 – Nordschwarzwald

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