Sehnsucht nach dem kahlen Berge – eine Liebeserklärung
Sommer 2026.
Seit Ende Mai gibt es kaum Tage mit weniger als 25 Grad. 30 sind eher normal.
Niederschlag? Was ist das?
Die Landschaft trocknet aus.
Und so sitze ich zwischen Hitzewelle zwei und drei in meiner Bude und lasse meine Gedanken kreisen. Draußen ist es schon wieder kaum erträglich. Meine Windmaschine läuft und sorgt für etwas Abkühlung. Gedanken kreisen und kreisen. Kurz bin ich in der Stadt. Auf der Rückfahrt in der Tram konkretisieren sich diese Gedanken. Vielleicht sollte ich mal einen Blick in mein riesiges Foto-Archiv werfen. Da gibt es doch etwas, das eine Geschichte wert ist – vor allem zu einer Zeit wie dieser.
28/09-2026:
Seit der Veröffentlichung dieses Beitrages sind nun gut zwei Monate vergangen.
Ich habe mir diese Liebeserklärung erneut angeschaut. Dabei habe ich festgestellt, dass das ursprüngliche Konzept einer Annäherung, samt nachfolgender Besuche, nicht wie angedacht funktioniert hat – »Bei näherer Betrachtung ist das Konzept gescheitert.«
Im Zuge dieser gründlichen Überarbeitung stelle ich nun auf eine strikte Chronologie um. Den nachfolgenden Beitrag habe ich deshalb komplett neu erstellt – quasi eine frische Liebeserklärung an diesen – für mich – so besonderen Berg.
Die Bilder sollen aus dem Textzusammenhang wirken und kommen bewusst ohne Beschriftung aus.
Kapitel 1 – Erste Wahrnehmung & erster Besuch (2012–2014).
Ich möchte mit diesem Bild vom Mai 2012 starten. Zu Sonnenaufgang bin ich auf der Kalmit zugegen und entdecke im Süden einen markanten Höhenzug:
Morgendlicher Dunst wabert über der Rheinebene – in der Ferne die Berge des Schwarzwaldes. Aus diesen erhebt sich ein markanter Bergrücken mit einem noch markanteren Sendeturm. Ich lichte ihn mit langer Brennweite ab.
Beim Graben in meinem Archiv ist es das älteste Bild, das ich von diesem Berg ausfindig machen konnte. Allerdings muss ich zumindest den Sendeturm schon vorher wahrgenommen haben – so es die Fernsicht zugelassen hat.
Nun ist er also erstmals auf Chip gebannt – dieser Berg.
Aber bisher weiß ich nicht, was ich da fotografiert habe. Eine kurze Recherche sorgt für Aufklärung:
Es handelt sich um die Hornisgrinde, mit 1164 Metern der höchste Berg im Nordschwarzwald.
Ab sofort wird sie für mich zu einem Begleiter, der mal mehr, mal weniger, präsent ist.
Im Dezember 2013 bin ich zurück auf der Kalmit.
Während einer sehr frostigen Vollmondnacht rückt die Hornisgrinde erneut in meinen Fokus. Majestätisch erhebt sie sich mit blinkendem Sendemast über dem Nebel – Schnee liegt auf dem Berg.
Nur fünf Tage später bin ich in den heimischen Weinbergen, oberhalb von Schriesheim, unterwegs. Die Fernsicht ist erstaunlich gut. So entsteht ein weiteres Bild dieses Berges.
Von Nordosten offenbart sich das prominente Wesen der Hornisgrinde erst so richtig.
Über nur wenige westliche Vorberge steigt das Profil vom Oberrheingraben steil um gut 1.000 Höhenmeter zu diesem Berg mit Sendeturm an. Zwischen den Häusern Eppelheims im Vordergrund und dem Sendemasten liegen gut 90 Kilometer Luftlinie. Ein Anblick, der mich in Zukunft bewusst begleiten wird.
Ein halbes Jahr später.
Ich brauche eine kurze Auszeit. Drei Tage sollten dafür genügen.
In einem damals veröffentlichten (und nun bald überarbeiteten) Reisebericht notierte ich:
»Vorab eine Bemerkung: Der sehr markante Berg Hornisgrinde hat es mir seit zwei Jahren angetan. Sowohl von der Kalmit als auch von der Bergstraße ist dieser Höhenzug samt markantem Funkturm bei guter Sicht zu erkennen. Warum diesem höchsten Nordschwarzwald-Punkt nichtmal einen Besuch abstatten?«
Vor über 12 Jahren legte ich so in gewisser Weise den Grundstein für diese Liebeserklärung.
In Herrenwies – etwas nördlich der Hornisgrinde – schlage ich mein Zelt auf. Tags darauf erklimme ich die Badener Höhe und den steinernen Aussichtsturm. Von hier oben scheint die Hornisgrinde selbst mit kürzerer Brennweite zum Greifen nahe.
Mit ganz langer Brennweite sind sogar einzelne Gebäude zu erkennen.
Leider war mir bei dem folgenden Bild die Brüstung des Aussichtsturmes etwas im Weg. Einen guten Eindruck von der Berg-Bebauung auf dem langgestreckten Rücken bekommt man trotzdem.
Nach dieser Bergwanderung mache ich noch eine kleine Runde und entscheide mich spontan, der Hornisgrinde einen ersten Besuch abzustatten. Ein brechend voller Parkplatz lässt mich von der zweiten Bergwanderung des Tages Abstand nehmen.
Immerhin kann ich einen kurzen Blick auf den Mummelsee (später mehr dazu) erhaschen.
Einen weiteren Tag später ist es dann soweit! Von Herrenwies fahre ich die 12 Kilometer zum Mummelsee zurück. Gegen halb acht ist der große Parkplatz nur spärlich gefüllt.
Ich genieße die Ruhe.
Nach einem kurzen Frühstück starte ich zu meinem ersten Besuch der Hornisgrinde. Dafür nutze ich den westlichen Weg um den Katzenkopf herum. Vom steilen Schotterweg bieten sich erste Weitblicke nach Süden und Westen – gelegentlich wechselt der Untergrund zu großen Steinen. Über dem Oberrheingraben hängt dichter Dunst, der Vogesenkamm ist nur zu erahnen. So manch kahle Stelle zeigt sich an der Bergflanke – Überreste eines schweren Orkans im Dezember 1999.
Nach gut 40 Minuten stehe ich vor dem steinernen Hornisgrindeturm – ich habe mein Ziel erreicht! Die Inschrift an der Mauer ist stark verwittert und kaum noch zu erkennen.
Der kahle Berg…
…der doch so viel Abwechslung bietet.
Ich starte eine erste Rundwanderung auf einem optimal ausgeschilderten und ausgebauten Rundweg. Recht schnell wird mir das Wesen dieser Hochfläche bewusst.
Dicke dunkle Schichten mit einem sehr prägnanten Geruch, der irgendwie an Braunkohle erinnert – diesen Geruch habe ich noch aus meiner Kindheit in der Nase.
Ich bin auf einem Hochmoor unterwegs, was den südlichen Teil des Berges einnimmt.
Ein erhabenes Gefühl steigt währenddessen in mir auf. Eine kahle Hochfläche mit weiten Blicken. Es fühlt sich so an, als ob ich über allem schwebe.
Weiter nach Norden wandelt sich das Bild zu einer spärlich bewachsenen Feuchtheide – von jener Heide, einer »Grinde«, stammt dann auch der zweite Namensbestandteil des Berges.
Ich spaziere auf dem Rundweg umher und sauge die vielen Eindrücke in mich auf:
Da ist das Moor mit seinem prägnanten Geruch…
Da ist die Heide mit ihren kleinen Wasserläufen…
Da ist der gut 200 Meter hohe Sendeturm in der Ferne…
Da sind die kleinen Windräder…
Da sind die vielfältigen Ausblicke über Schwarzwald und Oberrheingraben…
Da ist dieser unscheinbare Aussichtsturm, von dem sich ein noch besserer Rundumblick bietet…
Da sind die Holzbohlenpfade, die über Heide und Moor führen, flankiert von Wiesen…
Da ist der steinige Weg zurück in den Wald und zum Dreifürstenstein…
Fast zwei Stunden verweile ich auf dem Berg.
Ich bin begeistert und zugleich von den vielen neuen Eindrücken erschlagen.
Zum Abschluss wage ich einen erneuten Blick auf den Mummelsee.
Die Hornisgrinde hat mich jetzt erst recht in ihren Bann gezogen.
Die Faszination für diesen kahlen Berg ist nach diesem ersten Besuch noch stärker geworden. Ich habe mich in diese Landschaft verliebt!
Einschub № 1:
Bevor es mit dem zweiten Kapitel weitergeht, möchte ich kurz etwas zur Erreichbarkeit dieses faszinierenden Berges einschieben.
Es dreht sich alles um die Schwarzwaldhochstraße. Diese beginnt in Baden-Baden und erklimmt kurvenreich die Berge des Nordschwarzwaldes, um weiter bis nach Freudenstadt zu führen. Auf den 25 Kilometern Strecke zur Hornisgrinde steigt sie von knapp 200 auf über 1.000 Höhenmeter an. Dabei bietet sie vor allem auf den letzten Kilometern – entlang der Hornisgrinde-Westflanke – einige schöne Blicke über den Oberrheingraben bis zu den Vogesen.
Über diese Straße verkehren auch Busse im Linienbetrieb, die den Berg mit Baden-Baden und dem näher gelegenen Achern verbinden. Zudem lässt sich mit diesen Bussen auch der Nationalpark Nordschwarzwald erkunden, in dem sich auch Teile der Hornisgrinde befinden.
Unterhalb des Berges ist der schon erwähnte Parkplatz.
Auf den Berg selbst fährt ein weiterer Linienbus mit sehr überschaubarem Takt.
Ein gut erschlossener Berg, nicht nur für den Auto- und Motorradverkehr.
Kapitel 2 – Eisiger Besuch & weitere Blicke aus der Ferne (2015–2016).
Nach meinem Mai-Besuch vergeht nur ein knappes Dreivierteljahr, ehe ich zurück bin. Zum Jahresbeginn 2015 habe ich mir ein Zimmer in Kehl organisiert, um die Gegend erneut – dieses Mal mit Begleitung – zu erkunden.
Von meinem Zimmerfenster kann ich einen Blick auf den schneebedeckten Berg erhaschen, der allerdings durch ein paar kahle Bäume im Vordergrund gestört wird.
Und wenn ich schon mal in der Nähe bin, kann ich die Hornisgrinde doch gleich erneut erkunden. Einen größeren Kontrast zu meinem ersten Besuch kann es kaum geben.
An einem eisigen Januartag erklimmen wir mit dem Auto die knapp 1.000 Höhenmeter zum Mummelsee. Dieser präsentiert sich uns in einem weißen und glitzernden Winterkleid. Die steile südliche Bergflanke unterhalb des Hornisgrindeturmes wird von mächtigen Bäumen gesäumt.
Nur kurz am See zu stehen, genügt – zumindest mir – nicht. Ich will wieder hoch hinauf! Nachdem ich meine Begleitung überredet habe, erklimmen wir gemeinsam den Berg – dieses Mal über die asphaltierte Fahrstraße. Während des weniger steilen Anstieges dokumentiere ich die aufgemalten Höhenmarkierungen.
Ob es davor und danach noch weitere solche Markierungen gab, weiß ich nicht mehr. Möglich ist das durchaus.
Schon bald rückt der Steinturm in unser Blickfeld. Nach einer guten halben Stunde stehen wir auf dem Gipfel. Bei dieser Gelegenheit halte ich auch den Gedenkstein zum Bau der Straße, sowie die Fahrplantafel fest.
Der erwartete Kontrast trifft vollkommen zu.
Es ist eisig-kalt. Dichte Wolken versperren den Blick über die Hochfläche und in die Ferne. Gelegentlich schneit es. Bei diesem Winterwetter wirkt die Hornisgrinde fast mystisch. Hochmoor und Feuchtheide sind ihres satten Grüns beraubt und verharren unter einer sanften Schneedecke in einer Art Winterstarre.
Meine Faszination für diesen Berg wird durch dieses winterlich-mystische Ambiente sogar noch verstärkt – zeigt es doch die Wandelbarkeit der Landschaft im Jahreslauf.
Uns fröstelt es.
Beim gemächlichen Abstieg, eine knappe halbe Stunde später, nehme ich den Mummelsee abermals in den Fokus. Der stärker werdende Schneefall versetzt ihn geradezu in einen Winterschlaf.
Tags darauf kommen wir ein weiteres Mal in den Genuss eines winterlichen Hornisgrinde-Blickes. Wir stehen auf der Aussichtsplattform der Cathédrale Notre Dame de Strasbourg und schauen nach Nordosten zum Bergriegel.
Damit schließt sich der Kreis dieser besonderen Winterreise zum kahlen Berg.
Ein Bild habe ich in diesem Kapitel aber noch für Euch.
Zwischen 2014 und 2016 bin ich mehrmals in Strasbourg zugegen. Auf einer der Heimreisen mit der Rheintalbahn erhasche ich bei Achern einen weiteren Blick auf die Hornisgrinde.
Der Berg ruft!
Der Berg lässt mich nicht los.
Einschub № 2:
Ich möchte mich nun dem, schon mehrmals erwähnten, Mummelsee widmen.
Und dies passt hervorragend zu den eben gezeigten Bildern. Schnee und Eis haben diesen See geformt – genauer gesagt ein Gletscher während der letzten Kaltzeit, die vor knapp 12.000 Jahren endete. Dieser Gletscher hat eine Vertiefung – ein Kar – ausgeschabt, in dem sich mit der Zeit Wasser sammelte. Die eiszeitliche Entstehung erklärt, warum der See von nahezu drei Seiten von steilen Hängen umgeben ist und nur nach Süden (in Fließrichtung des Gletschers) eine offene Flanke hat.
An der Hornisgrinde finden sich übrigens mehrere solcher Kare, nur sind diese – im Gegensatz zum Mummelsee – nicht mit so viel Wasser gefüllt und eher unscheinbare Landschaftsformen.
Heute ist der Mummelsee ein wichtiges Ziel für Tagestouristen, die kurz etwas Erholung suchen. Rings um die maximal 18 Meter tiefe Ausschürfung gibt es eine umfangreiche touristische Infrastruktur mit Hotel, Gastronomie, Bootsverleih und einer kleinen Kapelle. Das ist auf meinen Bildern gut erkennbar.
Interessantes Detail zum Abschluss dieses Einschubes:
Der Mummelsee ist nicht nur der höchstgelegene (Seespiegel auf rund 1.030 Metern Meereshöhe), sondern auch der größte (ca. 290 × 195 Meter) und tiefste der verbliebenen (je nach Quelle) 8–10 Karseen des Nordschwarzwaldes.
Kapitel 3 – Kurzbesuch am See (2018–2020).
Nach den ausschweifenden vorherigen Kapiteln, wird es jetzt knackig-kurz.
Ich bin im November 2018 zum Sonnenuntergang in den heimischen Weinbergen unterwegs. Seit meinem Umzug in die Stadt sind kaum zwei Monate vergangen. Blicke in die Ferne kann ich nun bei jeder Busfahrt genießen. Doch zieht es mich an diesem Nachmittag zu Fuß in die Berge.
Und da ist er wieder, dieser markante Höhenzug mit Sendeturm.
Typisch für die Jahreszeit wabert über der Rheinebene ein leichter Dunst.
Fortan wird die Hornisgrinde wirklich zu einem Alltagsbegleiter, der mal mehr, mal weniger deutlich sichtbar ist.
Bis zu meinem nächsten Ausflug in den Nordschwarzwald vergehen noch etwa 1 ½ Jahre.
Anfang April 2020. Es ist Pandemiezeit. Covid-19 hat die Welt im Griff.
Ich habe seit ein paar Tagen mein Ausbildungszeugnis in der Tasche und belohne mich mit einem Mietwagen-Wochenende. Was liegt da näher, als dem Mummelsee einen Besuch abzustatten? Zum Sonntag ist der Parkplatz ordentlich gefüllt.
Weiß-graue Überreste des vergangenen Winters finden sich an vielen Stellen. Gleichzeitig lugen erste Frühlingsboten hervor.
Da ich erst zum Nachmittag am See ankomme, belasse ich es bei einem kleinen Spaziergang.
Es hat sich einiges getan, vor allem am Südhang des Berges. Der dichte Wald, in dessen oberem Teil, ist einer Aussichtsschneise für das neu eröffnete Restaurant in der Grinden-Hütte gewichen. Auf einem kleinen Holzsteg im See ist eine Installation aus Gläsern aufgebaut.
Ein neuer, wenn auch kurzer Besuch – ein neuer Blick auf diese faszinierende Landschaft.
Kapitel 4 – Nebelberg & neuer Besuch (2024–2026).
Es vergehen fast fünf Jahre, ehe ich mich dem Berg erneut nähere.
An einem sonnigen Dezembertag 2024 mache ich in Begleitung einen Tagesausflug nach Süden. Unser Ziel ist die Kurstadt Baden-Baden.
Die Fahrt dorthin wird eine Fahrt in den Nebel. Kurz vor Karlsruhe ist die Sonne hinter einer dichten Wand aus winzigen Wassertropfen verschwunden. Aber wir wollen ohnehin hoch hinaus. Vielleicht kommen wir dabei über die dicke Nebelsuppe? Die Fahrt mit der Merkur-Bergbahn entpuppt sich als Erfolg. Auf dem Hausberg von Baden-Baden stehen wir gerade noch so tief im Nebelmeer, dass uns die Sonne mit ihrer Wärme erreichen kann.
Die Fernsicht auf die höheren umgebenden Berge ist unwirklich. Nach Süden zeigt sich dann auch der Berg mit seinem markanten Sendemasten.
Diese Aufnahme der Hornisgrinde zieht mich so sehr in ihren Bann, dass ich sie als Titelbild für diese Liebeserklärung genutzt habe. Es fasst meine Gedanken vom Mai 2014 in einem Bild zusammen – Erhabenheit & über den Dingen schweben.
Nach weiteren 1 ½ Jahren sind wir im Hier und Jetzt angekommen – dem Hitze- und Dürresommer 2026.
Ende Juli (drei Tage vor dem ursprünglichen Veröffentlichungsdatum dieses Beitrages) reise ich für gut 30 Stunden in den Nordschwarzwald. Auf der Heimfahrt erklimme ich den Berg zum dritten Mal. Dabei nutze ich den schon erwähnten Berg-Bus vom Mummelsee.
Fast 12 Jahre nach meinem letzten Berg-Besuch entdecke ich bei der Ankunft am Hornisgrindeturm und den ersten Schritten auf dem Plateau einige neue Dinge.
Da wäre zum Ersten die Grinden-Hütte, die kleinere und größere Happen direkt auf dem Gipfel anbietet – garniert mit einer wunderschönen Aussicht nach Süden und Westen und einem freien Blick auf den Mummelsee.
Da wäre zum Zweiten das neue, riesige Windrad. Die kleineren von meinem 2014er Besuch sind längst verschwunden.
Und da wären zum Dritten die kaum zu übersehenden Hinweise auf die Hochflächen-Baustelle.
Der trockene und heiße Sommer hat seine Spuren in Moor und Heide hinterlassen. Der markante, kohlige, Geruch ist wesentlich subtiler als noch 12 Jahre zuvor. Die kleinen Rinnsale sind verschwunden. Die Landschaft trocknet aus.
Meine Route über den kahlen Berg gestaltet sich ähnlich wie im Mai 2014 – ich nutze den beschilderten Rundweg über den südlichen Bereich. Es ist mal wieder dunstig und die Fernsicht nach Westen eher bescheiden.
Einige Motive lehne ich unbewusst an ältere Aufnahmen an, andere entstehen komplett neu und bieten besondere Eindrücke. Hierbei sind die schiefen, dem Wind trotzenden Bäumchen zu erwähnen, ebenso der Blick auf den kleinen Aussichtsturm. Auch den Stahlgitter-Sendemasten fange ich ein. Auf einem weiteren Motiv ist der runde, steinerne Aussichtsturm auf der Badener Höhe zu sehen – eine weitere Rückschau auf den Mai 2014.
Die Sonne setzt mir ziemlich zu, obwohl es nur um die 20 Grad warm ist. So kann ich die Hornisgrinde nicht so recht in mich aufsaugen. Bin platt und dokumentiere eher die Landschaft. Und doch keimt dieses erhabene Gefühl in mir auf.
Getreu dem Motto, dass jeder Berg-Besuch anders ist, erkunde ich dieses Mal auch den Dreifürstenstein – zwischen 1722 und 1803 die Grenze dreier Herrschaften (Markgrafschaft Baden im Norden, Herzogtum Württemberg im Südosten & Fürstbistum Straßburg im Westen). Unter schattenspendenden Bäumen verbirgt sich eine riesige Steinplatte, die zugleich mit 1.151 Metern einst den höchsten Punkt Württembergs bildete.
Danach zieht es mich langsam wieder zum See. Durch meist schattiges Gelände spaziere ich am Sendeturm vorbei und über die Fahrstraße bergab. Die Höhenmarkierungen habe ich dabei nicht bewusst wahrgenommen. Gut möglich, dass sie mit den Jahren durch Verkehr und Räumfahrzeuge verschwunden sind. Oder ich habe sie einfach übersehen.
Während dieses Abstieges kann ich noch ein paar gerahmte Aufnahmen nach Süden machen.
Auf dem letzten Bild ist das Gasthaus am Mummelsee schon zu erahnen.
Bald darauf bin ich wieder in dessen Nähe. Es ist viel Betrieb am und auf dem Wasser.
Ein paar Motive fange ich noch ein, ehe ich meinen vorerst letzten Besuch auf dem Berg beende und mit dem Bus gen Achern fahre.
Faszination ja – Genuss eher weniger.
Der kahle Berg hat mich auch dieses Mal begeistert.
Kapitel 5 – Der kahle Berg & Ich.
Ich habe Euch auf den letzten vier Kapiteln, samt zweier Einschübe, auf eine persönliche Reise zu einem ganz besonderen Berg mitgenommen.
In stressigen Zeiten, wie der jetzigen, zieht es mich gedanklich an einsame – erhabene – Orte.
Die Fjällwelt Skandinaviens ist fern und nahezu unerreichbar.
Auch sie bleibt (m)ein Sehnsuchtsort, welchem ich mehrere Beitragsreihen gewidmet habe (2010 – 2011 – 2012).
Ausgleich bieten ein paar besondere Berge in meiner Nähe. Die Hornisgrinde ist einer davon. Bei guter Sicht scheint sie zum Greifen nahe und löst dieses Sehnsuchtsgefühl in mir aus.
Gerade bei den sehr frischen Erinnerungen – zwischen meinem letzten Besuch und dem Entstehen dieser »Liebeserklärung« liegen kaum 48 Stunden – kann ich das Gefühl schnell in mich zurückholen – kann ich in meinen Gedanken zurück auf den kahlen Berg reisen und dort innehalten.
Ich wandere über Moor und Heide, sauge den Geruch in mich auf.
Ich lausche der Natur und blicke in die Ferne.
Ich fühle dieses innere Glück – diese Erhabenheit.
Ich bin im Hier und Jetzt – bin auf diesem Berg.
Ich schwebe über den Dingen und kann den Alltag kurz vergessen.
Ich kann neue Kraft und neue Gedanken sammeln.
Mag der Mummelsee eher überlaufen sein, so finde ich wenige Minuten und ein paar Höhenmeter später Ruhe.
Mein Selbstporträt auf dem Berg vom 24/07-2026.
Vielleicht habe ich Euch auf den Geschmack gebracht.
Eine Reise zur Hornisgrinde lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
Ich wünsche Euch, dass Ihr gut durch diesen sehr speziellen Sommer kommt. Passt auf Euch und Eure Mitmenschen auf.
Gehabt Euch wohl & bis bald!
— SnusTux|René M. – 26/07-2026







































































































