Kamera-Marktübersicht

  • Eine subjektive Marktübersicht zu Digitalkameras
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    Vorwort:
    Die folgende Kaufberatung ist rein subjektiv und soll nebenbei ein paar Denkanstöße liefern, sowie dem Marketingsprech der Hersteller etwas entgegensetzen. Einige der Kameramodelle konnte ich selbst testen und mir ein eigenes Bild machen. Die meisten Informationen stammen aus dem Netz und wurden gewissenhaft in eigene Meinungen und Schlüsse umgesetzt. Viel Spaß!

Einleitung:
Hauptkriterium für die Bildqualität sind die Sensorgröße und der Pixelpitch. Danach kommt dessen Güte sowie die Eigenschaften der verwendeten Optiken und die Kamera-interne Bild-(Vor-)Verarbeitung. Seit Beginn des digitalen Fotozeitalters ergießen sich die Kompaktkamera-Hersteller in einem immer stärkeren Megapixelwahn, der die Gesetze der Physik am liebsten außer Kraft setzen würde und zu einer sehr starken Bildverarbeitung führt. Diese ist notwendig um die Bildfehler der Minisensoren zu beseitigen, führt aber oft zu matschigen und im Detail unansehnlichen jpeg-Bildern. Eben jenes jpeg-Dateiformat ist bei den kleinen günstigen Pixelmonstern der Standard. Rohdaten – so etwas wie ein digitales Negativ – werden, aus gutem Grund, nur sehr selten angeboten.
Das Zusammenspiel aus kleinen Sensoren mit vielen Megapixeln führt zu riesigen Schärfentiefen. Manchem mag ein von vorne bis hinten scharfes Bild zusagen – mir nicht. Mit geringer Schärfentiefe hat man viele kompositorische Möglichkeiten. Freisteller, Bilder mit Tiefenwirkung oder gezieltes Lenken auf das Hauptmotiv werden damit erst möglich. Entscheidend für die Schärfentiefe sind drei Kriterien: 1. Sensorgröße; 2. Brennweite (BW); 3. Blende. Je größer der Sensor und die Brennweite und je offener die Blende, desto geringer die Schärfentiefe. Anders herum das gleiche: Je kleiner der Sensor, je kürzer die Brennweite und je geschlossener die Blende, desto größer ist die Schärfentiefe. Reale Brennweitenangaben finden sich auf nahezu allen Objektiven, selbst auf den festverbauten Optiken der Kompakten. Vor allem bei den klein-sensorigen Kameras werden diese Brennweiten auf das Kleinbildformat (KB) „umgerechnet“. Damit wird letztlich nur verdeutlicht, welchen Verlängerungsfaktor die Kamera-Objektiv-Kombination besitzt (siehe Link zur Sensorgröße). Die reale Brennweite ändert sich dabei nicht. Es wird nur ein kleinerer Bildkreis genutzt.
Aus der Differenz von KB-BW und realer Brennweite ergibt sich der sogenannte Crop-Faktor.
Für die Schärfentiefe ist aber die reale Brennweite entscheidend. Hier zwei Beispiele zu Brennweitenangaben:
Meine Kompakte Panasonic TZ-10 hat ein Zoomobjektiv mit folgendem Bereich: 4,1-49,2mm (entspricht etwa einem BW von 25-300mm auf KB gerechnet; Cropfaktor 6,1).
Ein Standardzoom für DX-Nikons: 18-105mm (entspricht 27-157,5mm auf KB gerechnet; Cropfaktor 1,5 –  genauer 1,52 an der Nikon D300s).
Im weiteren spreche ich gelegentlich auch von manueller Belichtungssteuerung. Mit dieser sind 4 (Halb-)Automatiken, P-A-S-M, gemeint. „P“ steht für Programmautomatik und ist nichts anderes als die Kamera- interne vollautomatische Vorwahl der Belichtungsparameter. Diese können bis zu einem bestimmten Grad, und in festen Kombinationen, geändert werden. P ist nicht mit der Vollautomatik  – bei meiner Tz-10 als „iA“ bezeichnet – zu verwechseln! „A“ steht für die Blendenvorwahl/Zeitautomatik. Hierbei passt die Kamera die Belichtungszeit und den Iso-Wert automatisch an. „S“ steht für die Zeitvorwahl/Blendenautomatik, bei automatischer Anpassung von Blende und Iso. „M“ ist der voll-manuelle Modus. Bei diesem können Belichtungszeit, Blende und Iso frei eingestellt werden. Begrenzend wirken dann nur die Spezifikationen von Kamera und Objektiv.

Nach diesem wichtigen Vorgeplänkel und ein paar entscheidenden Fachbegriffen nun zu meinen Tipps und Erläuterungen. Die Kameras habe ich dazu in willkürliche Klassen eingeteilt:

Kameras mit sehr kleinem Sensor/Kompaktkameras:
Bei diesem gibt es eine nahezu unüberschaubare Auswahl. Außerdem sind jährliche Produktzyklen normal. Bei diesen sollen dem Käufer oft großartige Verbesserungen vorgegaukelt werden. In der Praxis bleibt meist wenig davon übrig. Das immer noch entscheidende, die Bildqualität, ändert sich kaum; wird manchmal gar verschlimmbessert (Beispiel: Panasonic TZ-10 (2010) zu TZ-22 (2011)). Das Haupt-Unterscheidungsmerkmal – und neben Auflösung und Zoom – DAS Kaufargument, ist das Design. Hier soll Individualismus geboten werden.
Als weiteres Kaufargument werden die sogenannten Kreativmodi beworben. Diese werden von mir gepflegt ignoriert, da sie eher einschränken anstatt zum kreativen Umgang mit dem Werkzeug Kamera zu ermutigen. Für das Verstehen von Fotografie und Technik sind sie irrelevant. Sie verstärken eher das Wesen dieser Modelle als „Point-and-Shot“(-and-Forget)-Modelle – oder einfach: Knipsen.
Die Bedienkonzepte dieser Gehäuse bewegen sich zwischen Touchscreen-Smartphone und Profi-DSLR. Bei den günstigsten Modellen wird auf „unnötige“ Tasten und einen berührungsempfindlichen Bildschirm verzichtet. Kurios bei all diesen kleinen ist, dass statt dem realen Zoombereich immer nur ein x-facher Zoom angegeben ist (10-fach, 42-fach usw.) und dazu die BW’s der begrenzenden Brennweiten am Weitwinkel- und Tele-Ende. Die Zwischenschritte lassen sich dabei nur recht mühsam ausrechnen oder schätzen. Allen gemein sind eine schlechte Akkulaufzeit von weniger als 500 möglichen Bildern und das fehlende Rohdatenformat. Ausnahmen davon finden sich nur bei einigen Bridges und bei den Kompakten mit etwas größerem Sensor. Dazu später mehr.
Hier nun einige Kommentare zu den verschiedenen Klassen:

Kompakte Einstiegskameras bis 150Eur:
Hier gibt es eine sehr große Auswahl, deshalb nenne ich keine konkreten Vertreter. Zwischen 10 und 18MP ist alles vertreten. Sie sind klein, leicht und günstig. Desweiteren gibt es sie in unzähligen Designs. Die kleinen Bildsensoren führen aber zu einer recht bescheidenen Bildqualität, vor allem bei Lichtempfindlichkeiten ab Iso 200/400 aufwärts. Die BW-Bereiche sind in diesem Segment eher bescheiden und reichen selten über 25-150 mm KB hinaus.
Fazit: Zum Knipsen reichen diese Geräte allemal. Da die Bildqualität gleich gut/schlecht wie bei allen anderen Vertretern mit Minisensor ist, braucht es eigentlich keine teurere. Die Unterschiede finden sich erst bei der Ausstattung und den Funktionen.

Mittelklasse-Kompakte und Reisezoomkameras zwischen 150 – 400 Eur:
In diesem Segment findet sich mittlerweile eine recht große Auswahl. Diese Kameras erlauben im begrenzten Maße eine manuelle Einstellung der Belichtung. Die Reisezooms besitzen trotz ihrer Kompaktheit einen recht großen BW-Bereich, bis etwa 400mm auf KB gerechnet. Bei einigen dieser Vertreter sind GPS-Empfänger an Bord. Meine erste Digitalkamera, die TZ-10, lässt sich dieser Klasse zuordnen. Die Sensoren lösen 12-18MP auf. Auch diese Kameras sind klein und leicht. Leider ist die Bildqualität auch hier eher bescheiden.
Fazit: Eine kompakte Zweitkamera ist es auf alle Fälle. In unbekanntem Gebiet ist die GPS-Funktion sehr nützlich, auch um die Aufnahmestandorte später zu erkennen. Diese Kameras sind mein Tipp als Notnagel, wegen ihrer begrenzt möglichen Freiheit der Belichtungseinstellung. Vorjahresmodelle sind oft schon unter 200 Euro zu bekommen.

Bridgekameras zwischen 150 – 600Eur:
Hier geht es um die DSLR-esken Bridgekameras. „Bridgekamera“ deshalb, weil diese Geräte eine Brücke zwischen den Kompakten und den groß-Sensorigen System- und Spiegelreflexkameras schlagen (sollen). Meiner Meinung nach sind dies die größten Mogelpackungen auf dem Kameramarkt. Dem Käufer wird durch professionelles Aussehen eine gute Bildqualität vorgegaukelt. Gewürzt wird das ganze mit riesigen BW-Bereichen. Zur Zeit (Stand 02/2013) sind Kameras mit BW’s um und über EINEM METER auf KB gerechnet auf dem Markt. Dummerweise lassen sich bei solchen BW’s, die realen Brennweiten bis zu 200mm entsprechen, kaum brauchbare Bilder machen. Zum einen, weil die Optiken sehr gut sein müssten; zum zweiten weil diese BW-Bereiche einen extremen Bildstabilisator erfordern würden, alternativ ein Stativ. Wenn beides nicht gegeben ist werden nur sehr geringe Belichtungszeiten möglich oder hohe Lichtempfindlichkeiten vonnöten sein. Letztere sind bei diesen winzigen Sensoren kaum zu erreichen, oder nur unter sehr starken Einbußen bei der Bildqualität.
Ein weiterer Vorteil dieser Gehäuse, neben dem großen BW-Bereich und dem DSLR-Gefühl sind die recht vielen Einstellmöglichkeiten. Vor allem das gute Gefühl wird aber durch die kleinen Sensoren und die schlechte Bildqualität schnell zunichte gemacht. Am Tele-Ende wird das präzise Fokussieren zur Glückssache.
Fazit: FINGER WEG DAVON! Diese Modelle können nichts richtig und machen schlechte Bilder zu Preisen, für die es höherwertige Modelle gibt. Aussehen allein ist leider nicht alles.

Kompakte für Profifotografen (oder solche, die meinen, dass sie welche seien) um die 400 Euro:
Hier tummeln sich recht gute Modelle mit akzeptabler Bildqualität zu recht hohen Preisen. Die Hauptvertreter gehören zur Canon G-Reihe und zur Nikon P7xxx-Reihe, auch Panasonic hat was im Angebot. Hier ist der Produktzyklus etwas länger als ein Jahr. Die Auflösung dieser Kameras liegt meist bei moderaten 10-12MP, verteilt auf etwas größere Sensoren, welche fast alle Rohdaten liefern. Leider sind diese Modelle selten klein und leicht und nie günstig.
Fazit: Es sind schöne Kameras, die für ambitionierte Fotografen in Frage kommen. Oft werden sie als Nebenbei-Kameras für DSLR-Leute beworben, was mir aber sehr hoch gegriffen scheint.

Kompaktkamera-Exoten mit großem Sensor; ab 500 Euro aufwärts:
In diese Klasse fallen ein paar wenige Vertreter die erstklassige Bildqualität in einem kompakten Gehäuse bieten und an die analogen Reportage-Kameras vergangener Zeiten erinnern. Einige haben eine Festbrennweite verbaut, andere ein Zoomobjektiv. Allen gemein sind ein recht großer Sensor und viele manuelle Einstellmöglichkeiten. Zwei Vertreter seien hier genannt: Die Fuji X100(s) mit Festbrennweite und Preisen um 1000 Euro und die Sony RX100 mit Zoomobjektiv ab 500 Euro.
Fazit: Diese Kameras machen viel Spaß. Ich habe selbst die X100 testen können und war begeistert. Über  Kompaktheit und Leichtigkeit der genannten Vertreter lässt sich streiten. Man hat schon etwas in der Hand.
Diese Kameras könnten der vorher beschriebenen Klasse Käufer entziehen, wären da nicht die Preise.

Systemkameras:
In dieses Segment fallen alle Kamera-Konzepte mit wechselbaren Objektiven. In den letzten 1-2 Jahren hat sich hier recht viel getan. Deshalb wird es immer schwieriger, eine klare Einteilung vorzunehmen. Ich werde diese anhand des Kamera-Aufbaus und der Sensorgröße machen. Zum einen unterteile ich in Systemkameras ohne Spiegel und solche mit Spiegel. In den ersten Bereich fallen fast alle neuen Systeme der letzten Jahre, den zweiten Bereich stellen die bewährten DSLR’s sowie die Kameras mit starrem Spiegel dar. Ein eigenes Kapitel sind Kameras mit µFT-Sensor, da dieser Standard von mehreren Herstellern bedient wird. Spiegellose Systemkameras und die µFT-Sparte handele ich hier eher kurz ab. Auf die „klassischen“ Gehäuse gehe ich etwas detaillierter ein.
Das Rohdatenformat ist bei allen Modellen Standard. Die Sensorgrößen sind in der Einleitung verlinkt.

Spiegellose Systemkameras mit Wechselobjektiv und Sensorgrößen zwischen Kompaktkamera-winzig (Pentax q-System) und APS-C (Sony NEX) zu Preisen ab 250 Euro für Gehäuse/Objektivkombinationen:
Nachdem Sony 2010 das NEX-System vorstellte, zogen fast alle anderen großen Kamerahersteller nach. Die NEX-en besitzen dabei die größten Sensoren (APS-C). Ebenfalls APS-C-Sensoren finden sich bei Canons EOS-M-System, bei Fujis X-System und bei Samsungs NX-System. Am anderen Ende rangiert Pentax mit seinem q-System. Dessen Sensoren haben die gleiche Größe wie normale Kompaktkameras. Dazwischen gibt es das 1-System (CX-Format) von Nikon. Leider lassen sich die Objektive der einzelnen Systeme nur systemintern und nicht mit anderen Spiegellosen nutzen. Bei den DSLR-Herstellern (Canon, Sony und auch Nikon) finden sich allerdings Adapter um „normale“ Gläser an die kompakteren Gehäuse zu klemmen. Hier ist es dann mit der Kompaktheit auch vorbei. Die Gehäuse sind ohne Objektiv recht klein. Sobald man aber ein ordentliches Glas daranschraubt werden diese Kombinationen zu recht wuchtigen und kopflastigen Erscheinungen. Mit Ausnahme des Pentax-Systems trifft dies auf
alle zu. Nur haben die Pentaxen die kleinsten Sensoren und sind von der Bildqualität kaum besser als 100-Euro-Kompaktkameras. Wie in der Einleitung geschrieben, so hängt auch hier die Bildqualität stark von den verbauten Sensoren ab und wird besser, je größer der jeweilige Sensor ist. Nikon begnügt sich bei seinen CX-Kameras mit bis zu 14 MP, bei den APS-C-Sensoren ist um die 20MP Schluss.
Vorteil bei diesem aufkommenden Segment ist die meist sehr gute Bildqualität zu recht günstigen Preisen. Die Nachteile finden sich in der oft bescheidenen Bedienbarkeit der Kameras, den schlechten Akkulaufzeiten (bedingt durch ständigen Liveview, kein SLR-Sucher) und eher mäßige Leistungen beim Fokussieren (nur Kontrast-AF möglich). Außerdem schwindet die Kompaktheit mit der Größe der angesetzten Objektive. Fazit: Trotzdem ein sehr interessantes Segment für Ein-, Um- und Aufsteiger.

Das (Micro)-Four-Thirds-System (µFT) von Olympus und Panasonic, Preise ab 300 Euro für Gehäuse+Objektiv:
Hier hat sich mittlerweile ein Standard unterhalb von APS-C etabliert. Allen gemein ist der identische Objektivanschluss und das Auflagenmaß. Neben den Gehäuse-Herstellern Olympus und Panasonic sind diesem mittlerweile auch einige Zubehör-Hersteller (u.a. Tokina und Tamron) beigetreten. Die Qualität ist sehr ansprechend und kann mit den etwas größeren Sensoren durchaus mithalten. Beide Hersteller bieten sowohl kompakte als auch DSLR-eske Gehäuse an. Das µFT-System ist als Einstieg recht günstig und bietet ein umfangreiches Programm an Objektiven und Zubehör. Die Ausstattungsumfänge der einzelnen Gehäuse unterscheiden sich teilweise sehr deutlich. Ein LCD-Sucher ist nicht bei allen Modellen vorhanden, ebenso wie ein Blitz.
Fazit: Eine reizvolle Kameraklasse mit vielen Modellen, die alle eine gute Bildqualität und begrenzt ein freies Arbeiten mit Schärfentiefe und Belichtungseinstellung ermöglichen. Dazu sind sie recht günstig und, begrenzt, kompakt.

Jetzt komme ich zu meinem eigentlichen Steckenpferd, den großen Kameras mit Spiegel.

Update 20130731:
Nunja, meine Meinung hinsichtlich DSLR’s hat sich in letzter Zeit etwas geändert. Das hängt vor allem damit zusammen, dass ich die Möglichkeit hatte, mit der Canon EOS 700D einer Bekannten arbeiten zu dürfen. Auch konnte ich sie dabei beobachten, wie sie, als Anfängerin, mit ihrer Kamera umgeht. In nächster Zeit werde ich mich dazu mal in einem Beitrag äußern. Ein bisschen stöbern im verlinkten Forum hat meine Meinungsänderung weiter bestärkt.
Kurzum: Wenn der Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera ansteht, sehe ich nur zwei  Varianten:
Variante 1: Ein simples günstiges Gehäuse á la D3100 für wenig Geld und mit entsprechend beschränkter Ausstattung.
Variante 2: Ein richtiges großes Gehäuse mit einfacher Bedienung und nahezu unbegrenzten Möglichkeiten. Bei Nikon betrifft das die aktuelle D7100 und meine D300, mit oder ohne „s“. Ebenso die FX-Vertreter D700, D800 und D3(s)/D4. Bei Canon, mit Einschränkungen, die 60D und die neue 70D; dazu die 7D und die 1-er und 5-er -Modelle.
Variante 1 wird durch die besser ausgestatteten, und kompakteren µFT-Modelle von Olympus und Panasonic das Leben schwer gemacht.
Alle Modelle die als „Mittelklasse“ angepriesen werden – die 3-stelligen Canons und die 5xxx-Nikons sind für Foto-Arbeiter kaum zu gebrauchen, da sie viel zu kompliziert in der Bedienung sind. Sie sind nur die Umsatzbringer der großen Hersteller.
*Update Ende*

Bis Anfang 2010 waren dies alles Schwingspiegel. Seit Sony damals seine alpha-Serie eingeführt hat, gibt es nun auch Kameras mit starrem Spiegel (SLT). Dieses Konzept versucht den Vorteil von klassischen SLRs (schneller Phasen-Autofokus/AF) mit einer hohen Serienbildgeschwindigkeit und direkter Belichtungskontrolle im LCD-Sucher zu kombinieren. Der starre Spiegel lenkt dabei einen Teil des einfallenden Lichtes permanent zum AF-Modul, der größere Rest gelangt auf den Sensor. Ein Spiegelschlag beim Auslösen entfällt dadurch.
Die Schwingspiegel-Kameras setzen auf ein bewährtes Konzept mit großem Sensor, Phasen-AF und echtem SLR-Sucher. Die Akkulaufzeiten der klassischen DSLR’s erlauben (selbst getestet an der D90) bis zu 1500 Bilder. Bei den SLT’s sind kaum 500 Bilder zu schaffen, bedingt durch den permanent laufenden Sensor. DSLR’s und SLT’s lassen sich in mehrere Kategorien einteilen, die ich nach Anschaffungswiderstand geordnet habe.

Einsteiger-Systemkameras mit APS-C(DX-)Sensor; ca. 350 Euro bis 500 Euro mit Objektiv:
Diese Kameras bieten nur eine stark beschnittene Grundausstattung. Allen gemein ist ein APS-C-Sensor (bei Nikon als „DX“-Format bezeichnet). Drei große Hersteller beackern dieses Feld. Canon mit der EOS 1100D, Nikon mit der D3100 und D3200 und Sony mit seinen 30-er SLT’s. Trotz der geringen Gehäusepreise sind sehr gute Bilder möglich. Die Sensorauflösungen liegen zwischen 12 und 24 Megapixeln. Bildqualität, Preis und eine große Objektivauswahl sprechen für diese Gehäuse. Bei den Objektiven ist ein eingebauter AF-Motor zwingend erforderlich, damit man nicht auf Handarbeit angewiesen ist. Bei den winzigen Suchern wird ein präzises Scharfstellen zur reinen Glückssache. Viele dieser, als Einsteiger-DSLR’s beworbenen, Modelle besitzen eingebaute Hilfsmodi – bei Nikon als „Guide-Modus“ bezeichnet. Diese sollen die Arbeit mit den Gehäusen erleichtern und zum technischen Verständnis beitragen. Leider sind viele Gehäuse mit unzähligen Motivprogrammen vollgestopft, die das Lernen kaum fördern. Schmankerl wie ein Schulterdisplay zur schnellen Kontrolle der Belichtungseinstellungen oder eine Spiegelvorauslösung sucht man dagegen vergeblich. Die Bedienung ist sehr menülastig mit wenigen Direktzugriffstasten. Vor allem die vierstelligen Canons sind die reinsten Plastikbomber und haptisch eine Zumutung.
Fazit: Trotz der günstigen Preise finde ich diese Gehäuse kaum zum Einstieg in die Welt der großen Kameras geeignet, da das Gefühl nach „mehr“ recht schnell kommen kann. Bei den 30-er alphas von Sony sind die recht schlechten LCD-Sucher und die kurzen Akkulaufzeiten von Nachteil. Auch hier kein Einsteigertipp. Außerdem setzt Sony hier teilweise noch auf den alten Minolta-Blitzschuh.

Systemkameras der unteren Mittelklasse mit APS-C(DX-)Sensor; ab ca. 500 Euro mit Glas:
Canon und Nikon haben die letzten Jahre viel in diesem Segment getan. Seit der EOS 550D und D5000 sind schwenkbare Monitore Grundausstattung. Nikon hat mit der D5200 (seit Dezember 2012 zu haben) eine Alternative für Videofilmer geschaffen. Dieses Gehäuse besitzt außerdem Ausstattungsmerkmale höherer Klassen, so das recht gute Autofokus-Modul. Die Sensorauflösungen liegen hier bei 12-24 MP. Meine quasi-Zweitkamera, die D5000, gehört in diese Klasse. Die Vorteile dieser Gehäuse sind gleich denen der Einsteiger-DSLR’s. Hinzu kommt hier eine etwas bessere, weniger menülastige, Bedienbarkeit. Die D5200 macht Hoffnung auf zukünftig bessere AF-Module. Schulterdisplays sucht man bei diesen, mit Motivprogrammen vollgestopften, Gehäusen vergeblich. Mit großen Objektiven werden sie sehr schnell kopflastig. Auch sind die Sucher weiterhin klein und dunkel.
Fazit: Überlegenswerte Gehäuse zum Einstieg. Im Gebrauchtmarkt lässt sich durchaus ein Schnäppchen machen. Nach gut 2 Jahren Benutzung ist mir die D5000 aber immer noch zu umständlich in der Bedienbarkeit. Für die alphas (50-er) gilt das Gleiche wie im Einsteiger-Segment.

Systemkameras der Mittelklasse mit APS-C(DX-)Sensor und Schwingspiegel; ab ca. 750 Euro mit Glas:
Hier tummeln sich die üblichen Verdächtigen Canon, Nikon, Pentax und Sony. Diese Kameras lassen sich recht schwer nach unten abgrenzen, wohl aber nach oben durch die noch vorhandenen Motivprogramme. Derzeit (Stand 02/2013) gibt es von den beiden großen Herstellern je ein Modell: Die EOS 60D von Canon und die D7000 von Nikon. Für beide Gehäuse sind recht bald Nachfolger zu erwarten. Auch meine alte D90 gehört(e) dazu.
Die Sensorauflösungen liegen zwischen 12 und 24MP. Zu den Vorteilen der Mittelklasse-Gehäuse gesellen sich die nochmals bessere, direktere, Bedienung und die vorhanden Schulterdisplays. Bei der 60D ist ein schwenkbarer Monitor vorhanden. Die AF-Module sind treffsicherer und mit mehr Feldern bestückt. Zu den guten Akkulaufzeiten gesellen sich Batteriegriffe, die als Zuhebör erhältlich sind, die Kamerabedienung bei Hochformataufnahmen verbessern und für zusätzliche Energie sorgen. Die Sucher sind größer und heller als bei den Einsteiger- und Mittelklasse-Modellen.
Die Gehäuse sind mit wenigstens 750 Gramm recht schwer. Mit einem guten (Tele-)Objektiv können es schnell 1,5 kg werden.
Fazit: Mein Tipp für Einsteiger! Auf dem Gebrauchtmarkt finden sich durchaus Gehäuse für weniger als 400 Euro. Je älter diese sind, desto schlechter sind deren Fähigkeiten bei hohen Iso-Werten. Da meist ein Fokusmotor im Gehäuse verbaut ist, können auch günstige alte Objektive verwendet werden.
Update 2013-02-21: Heute hat Nikon die D7100 vorgestellt. Sie wird die D7000 ablösen. Leider scheint dadurch kein Nachfolger mehr für meine D300s zu kommen. Nikon verabschiedet sich endgültig vom direkt zu bedienenden, motivprogammlosen DX-Segment. Schade!

Systemkameras mit APS-C(DX-)Sensor für den Profi (oder den, der sich dafür hält); Preise ab 1100 Euro für die Gehäuse:
Dieses Segment scheint leider auszusterben. Die letzten beiden Modelle stammen von 2009. Es sind die EOS 7D von Canon und die D300(s) von Nikon. Beide unterscheiden sich von den Mittelklasse-Kameras durch das Fehlen von Motivprogrammen und die Konzentration auf eine einfache und direkte Bedienbarkeit der Gehäuse. Sie waren als Zweitgehäuse zu den jeweilige KB-Pendants (5D2/1D4 und D700/D3) gedacht. Bei Nikon sorgt das dafür, dass sämtliches Zubehör, dass es für die ganz großen Kameras (bis ca. 2011) gibt auch an der D300(s) eingesetzt werden kann. Ob dies auch für die 7D zutrifft, weiß ich nicht.
Da beide Modelle schon recht betagt sind, ist die Bildqualität in Iso-Bereichen ab 1000 eher mau. Sie wird von den meisten jüngeren Modellen übertroffen. Die Sensoren lösen 12MP (D300(s)) und 18 MP (7D) auf. Beide Gehäuse besitzen große, helle Sucher, und sehr leistungsfähige AF-Module, welche oft aus den KB-Pendants entlehnt sind. Sie sind mit um 1000 Gramm für die Gehäuse aber sehr schwer.
Fazit: Als Einsteigergehäuse sind sie vielleicht etwas überdimensioniert, machen aber sehr viel Spaß. Der Gebrauchtkauf eines solchen Gehäuses ist durchaus eine Überlegung wert.
Ich warte immer noch auf einen würdigen Nachfolger der D300s. Die D7000 ist es nicht!

Systemkameras mit Kleinbildsensor:
Hier gibt es seit 2012 wieder Bewegung auf dem Markt. Zu einen hat Sony seine erste SLT mit KB-Sensor vorgestellt (die alpha 99), zum anderen zielen Canon und Nikon auf neue und weniger betuchte Käuferschichten. Die Modelle EOS 6D (Canon) und D600 (Nikon) versuchen diese Klientel zu bedienen. Wie es scheint wollen beide Hersteller das Profi-APS-C-Segment von beiden Seiten in die Zange nehmen und es damit überflüssig werden lassen. Die klassischen großen Profi-Gehäuse gibt es weiterhin und sie werden ständig verbessert.

Die neue KB-Einsteigerklasse von Canon und Nikon; Gehäusepreise ab ca. 1500 Euro:
Beide Gehäuse zeichnet einzig ihr KB-Sensor aus, welcher 20 bzw. 24 MP auflöst. Dieser wird dazu in eine Mittelklasse-D-SLR verpflanzt und fertig ist die Gelddruckmaschine. Leider reicht, meiner Meinung nach, eine sehr gute Bildqualität nicht aus um diese beiden Gehäuse zu rechtfertigen. Die Bedienbarkeit beider Kameras leidet doch sehr an deren Genen. Beispiel D600: Gehäuse und Bedienkonzept sind von der D7000 abgeleitet. Auch deren Zubehör kann genutzt werden. K.o.-Kriterium ist die schlechte, stark mittige, Verteilung der Autofokusfelder. Das AF-Modul ist aus der D7000 entlehnt. Mit den großen Nikons hat diese Kamera leider nicht viel gemein. Canon schafft es sogar der 6D den integrierten Blitz zu rauben und nur magere 11 AF-Messfelder (ein Kreuzsensor) zu verbauen. Da kann die „alte“ 7D mehr.
Dem einen mag der der günstige Einstieg ins KB-Segment zusagen und ihm mag eine solche Kamera ausreichen; ich dagegen habe gewisse Zweifel an diesem Konzept.
Da der Sensor der SLT alpha 99 dem der D600 gleicht, rechne ich diese auch zum SLR-Einsteigersegment. Gegenüber den kleineren SLT’s hat sie einen deutlich verbesserten Sucher. Leider sind die Preise für dieses Gehäuse noch recht hoch – weit über 2000 Euro.

Klassische Spiegelreflexkameras mit KB-Sensor; Gehäusepreise ab 2000 Euro:
Hier finden sich Modelle für verschiedenste Verwendungszwecke von Canon und Nikon. Allen gemein ist die Klientel der Fotografen – solche, die mit ihren Bildern Geld verdienen. Diese Kameras sind sehr leicht und intuitiv zu bedienen, haben große Sucher und sind sehr schwer und teuer.
Canon hat deren 2 Modelle (Stand 02/2013) im Programm. Der Alleskönner 1D X richtet sich hauptsächlich an Sportfotografen und schafft bis zu 12 Bilder pro Sekunde bei 18 MP Auflösung. Das AF-Modul ist sehr gut und kann bis zu einer Offenblende von f/8 arbeiten. Ein Hochformatgriff ist fest verbaut. Leider kostet das Gehäuse um die 6000 Euro. Etwas günstiger ist die dritte Auflage der 5D. Sie richtet sich eher an den Otto-Normal-KB-Fotografen und kann alles; nur etwas schlechter als die 1D.
Nikon hat ebenfalls 2 Modelle im Portfolio. Die D4 ist die Sportkamera schlechthin und ähnelt der 1D X von Canon sehr. Hohe Serienbildgeschwindigkeit, extrem gutes AF-Modul, sehr lange Akkulaufzeiten und ein integrierter Hochformatgriff zeichnen dieses 6000-Euro-Gehäuse aus. Dazu gibt es 16 Megapixel.
Nikon Nummer 2 ist die D800, ein 36-MP-Monster. Sie ist eher für Landschafts- und Studiofotografen geeignet. Das AF-Modul ähnelt dem der D300s. Auch die Bedienung ist sehr ähnlich. Desweiteren möchte Nikon mit dieser Kamera die Videofilmer ansprechen. Dummerweise verlangen Rohdatenbilder mit bis zu 50 Megabyte pro Datei nach schnellen Rechnern mit viel Platz. Auch die Serienbildgeschwindigkeit leidet darunter. Der Gehäusepreis wandert langsam auf die 2000-Euro-Marke zu. Die älteren Modelle 5D2 (Canon) und D700 (Nikon) verschwinden langsam vom Markt.

Zum Schluss:
Auch oberhalb vom KB-Format gibt es Digitalkameras. Deren Gehäuse können mit Mittelklasse-Autos konkurrieren, was die Preise anbelangt. Hersteller solcher Mittelformatkameras sind u.a. Pentax, Hasselblad und Phase One.

Hier noch eine kleine Liste mit nützlichen Links:
die ultimative Digitalkamera-Kaufberatung im DSLR-Forum (anmelden lohnt sich)
ein frei verfügbarer Fotolehrgang

Das war’s. Fragen und Anregungen bitte in die Kommentare.

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