{"id":766,"date":"2014-10-12T13:16:53","date_gmt":"2014-10-12T12:16:53","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.snustux.de\/?p=766"},"modified":"2014-10-12T13:20:14","modified_gmt":"2014-10-12T12:20:14","slug":"september-in-schweden-ein-paar-gedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/snustux.de\/blogrm\/2014\/10\/12\/september-in-schweden-ein-paar-gedanken\/","title":{"rendered":"Sp\u00e4tsommer in Schweden &#8211; ein paar Gedanken"},"content":{"rendered":"<p>So. Die ersten beiden arbeitsamen Wochen sind geschafft!<br \/>\nSeit dem vorletzten Wochenende hatte ich kaum Zeit (und Lust) zum Schreiben. Im Verein war das \u00fcbliche Chaos mit einigen Fr\u00fchschichten und kurzen &#8222;hohen&#8220; Besuch letzte Woche. Am letzten Urlaubstag setzte ich endlich auch meinen Lang gehegten Plan in die Tat um &#8211; die Schweden-Sauna morgens an Posseltslust in Szene zu setzen, einschlie\u00dflich vieler Innenaufnahmen. Eine gute Woche sp\u00e4ter, am 06. Oktober, war es wieder an der Zeit die Weinberge zu besuchen. Abends, kurz vor Sonnenuntergang. Eine kleine BilderAuswahl folgt in K\u00fcrze.<br \/>\nVorgestern kam dann ein lang erwarteter Anruf; am 19. November geht&#8217;s nach Wolfsburg, das dunkelblaue Massengef\u00e4hrt abholen.<br \/>\nDoch nun zum eigentlichen Grund dieses Textes: meinen Anmerkungen zur Schwedentour.<!--more--><br \/>\nIch hatte schon erwartet, dass die Zeit im Lande ganz im Zeichen der stattgefundenen Reichstagswahl stehen w\u00fcrde. So war es dann auch. Das Zeitunglesen wurde zu einem t\u00e4glichen Ritual. Zwe Themen dominierten die Berichterstattung: 1. Wie weiter mit der Regierungsbildung? und 2. Warum haben soviele SD gew\u00e4hlt?<br \/>\nZu Punkt 1.: Recht schnell wurde klar, dass alles auf eine Rot-Gr\u00fcne Minderheitsregierung unter dem Sozialdemokraten Stefan L\u00f6fv\u00e9n hinauslauefn w\u00fcrde; der V\u00e4nsterparti wurde schnell eine Absage erteilt. Am Freitag erhielt dann L\u00f6fv\u00e9n den Auftrag f\u00fcr die Regierungsbildung; vom noch amtierenden Reichstagsvorsitzenden Westerberg &#8211; ein Moderater (Mitglied der letzten Regierungspartei) &#8211; wurde dies an ein sichereres Herbstbudget gekn\u00fcpft. Ein Vorgehen, das diesem eigentlich nicht zusteht und eher parteitaktisch motiviert. Nun gilt es, dass sich Rot-Gr\u00fcn st\u00e4ndig seine Mehrheiten sucht; ob bei der Linken oder in den Reihen der kleineren b\u00fcrgerlichen Parteien &#8211; bei der liberalen FP oder der b\u00e4uerlich-gro\u00dfst\u00e4dtischen Zentrumspartei. Ziel soll es sein den Schwedendemokraten den Einfluss in wichtigen Fragen zu verwehren. Von einigen (Debatten-)Autoren wurde auch die Frage nach Neuwahlen aufgeworfen; nur was sollen diese bringen?<br \/>\nZum 2. Punkt: Immer mehr kristallisieren sich die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Erfolg der SD heraus: Unzufriedenheit mit den derzeitigen politischen Verh\u00e4ltnissen im Lande, weniger versteckte Fremdenfeindlichkeit. Ein, leider, bekanntes Ph\u00e4nomen der letzten Zeit. Auf gleiche Weise wird auch der Erfolg der AfD in Deutschland erkl\u00e4rt. Komischerweise ist die SD oft dort stark, wo viele Asylbewerber untergebracht sind &#8211; also doch Angst. Dass die Schwedendemokraten in Schonen stark werden w\u00fcrden war fast zu erwarten; schon bei der letzten Wahl 2010 hatten sie im S\u00fcden teilweise 25% der Stimmen erhalten. Hieran \u00e4nderte sich nichts Grundlegendes. Nur wurden sie noch st\u00e4rker und bekamen auch in einigen abgelegenen Orten im gesamten Land viele Stimmen &#8211; wegen der Asylunterk\u00fcnfte. Zum jetzigen Zeitpunkt (Stand 12.11.2014) hat die gro\u00dfe Tageszeitung Aftonbladet eine Serie gestartet in der Reporter in ihre Heimatorte reisen um den dortigen SD-Erfolg zu untersuchen. Oft ist hierbei die bereits beschriebene Unzufriedenheit zu h\u00f6ren.<br \/>\nWie soll nun mit den Salongnazis umgegangen werden? Im Land scheint gro\u00dfe Einigkeit dar\u00fcber zu herrschen, dass sie weiter ausgegrenzt und ignoriert werden sollten &#8211; \u00fcber sie reden, statt mit ihnen. Das halte ich f\u00fcr eine ganz falsche Strategie. Ausgrenzung wird SD noch weiter st\u00e4rken, da dadurch deren W\u00e4hler ebenso ausgegrenzt werden. Das f\u00f6rdert die Unzufriedenheit weiter. Lieber mit ihnen reden um sie zu demaskieren.<br \/>\nBin gespannt, wie es im Land weitergeht.<br \/>\nWas ich, mal wieder, als st\u00f6rend empfunden habe ist die starke mediale Ausrichtung auf Stockholm. Oft erscheint es mir, als ob sich alles auf die paar M\u00e4lar-Inseln konzentriert und der Rest egal sei. In vielen Medien wird der gro\u00dfe Rest des Landes gepflegt ignoriert. Solange sich das nicht \u00e4ndert, wird die SD weiterhin erfolgreich sein.<\/p>\n<p>Ich empfinde das Land nochimmer als weltoffen. Allerdings m\u00f6chte ich hierbei unterscheiden: Malm\u00f6 ist wahrlich ein Schmelztiegel der Kulturen. Die Stadt ist gro\u00df aber \u00fcbersichtlich. Sie erscheint mir nicht so stark r\u00e4umlich und sozial aufgeteilt wie G\u00f6teborg. Bei meinen Spazierg\u00e4ngen durch die Stadt sah ich Menschen vieler unterschiedlicher Kulturkreise. Im Zentrum dominierte eher der typische &#8222;Herr Svensson&#8220;; Richtung S\u00fcden, vor allem um M\u00f6llev\u00e5ngstorget, war die ganze Welt zu finden. Ich mag diese florierende Stadt irgendwie. Hier sp\u00fcrt man, dass es vorw\u00e4rts geht. Durch die fest \u00d6resundquerung hat Malm\u00f6 viel gewonnen und ist n\u00e4her an KontinentalEuropa ger\u00fcckt<br \/>\nEtwas anders ist es in G\u00f6teborg. Es zieht mich noch immer in die Metropole an der Westk\u00fcste, aber meine Liebe zur Berg-und-Tal-Stadt ist abgek\u00fchlt. G\u00f6teborg ist kleinr\u00e4umig vieles spielt sich in den Stadtteilen ab. Die emotinale Bindung zwischen einem Bewohner von Askim mit einem aus Angered scheint kaum vorhanden. Im Westen, an der K\u00fcste und auf den Inseln, finden sich die Sch\u00f6nen und Reichen; im Norden und Osten, in den Neubaugebieten, wohnen viele Arme und viele mit Migrationshintergrund. Ab und zu laufen sich diese beiden Gruppen mal in Nordstan \u00fcber den Weg. Exemplarisch ist hier meine Fahrt in den Osten der Stadt: Start im alternativ gepr\u00e4gten Majorna, weiter durch die noble Innenstadt und ins Arbeiterviertel um Olskrokstorget &#8211; in Rufweite zu den Villenviertel von \u00d6rgryte &#8211; und in den kleinb\u00fcrgerlich und studentisch gepr\u00e4gten Osten rund um den H\u00e4rlanda Tj\u00e4rn. Alles sch\u00f6n getrennt von gr\u00fcnen Bergkuppen. Ich wei\u00df nicht ob mir G\u00f6teborg nochimmer so gef\u00e4llt wie vor 7 Jahren, wo ich als Student mehrere Monate in der Stadt war. Wobei: eine Nacht an der Masthuggskirche oder auf Ramberget lassen die Liebe neu entfachen.<br \/>\nEines ist mir sauer aufgesto\u00dfen: die vielen Bettler die sich oft an den Eing\u00e4ngen der Superm\u00e4rkte befinden. Schweden wo ist Dein Sozialstaat geblieben?!<br \/>\nEs ist in den letzten 15 Jahren k\u00e4lter geworden im gro\u00dfen Land im Norden und es ist sehr fraglich ob sich unter der neuen Regierung etwas Grundlegendes \u00e4ndern wird &#8230;<\/p>\n<p>Bis die Tage,<\/p>\n<p>\/Ren\u00e9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So. Die ersten beiden arbeitsamen Wochen sind geschafft! Seit dem vorletzten Wochenende hatte ich kaum Zeit (und Lust) zum Schreiben. Im Verein war das \u00fcbliche Chaos mit einigen Fr\u00fchschichten und kurzen &#8222;hohen&#8220; Besuch letzte Woche. 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