Zwanzig-Fünfundzwanzig: Das Jahr geht zu Ende. Es ist wieder Zeit für meinen kleinen bebilderten Rückblick; Zeit, die vergangenen 12 Monate noch einmal ins Gedächtnis zu holen.
Im Gegensatz zu den beiden vergangenen Jahren gibt es dieses Jahr in jedem Monat wenigstens ein Bild.
Meine Ausrüstung hat sich dieses Jahr gefestigt und Neues kam fast nicht dazu. Erst zum Jahresende habe ich mir eine 35-mm-Festbrennweite gegönnt.
Die D780 ist mir ans Herz gewachsen und mein zuverlässiges Arbeitsgerät geworden.
Meine Arbeit hat viel bestimmt, war bei dieser Auswahl aber weniger prägend als in den Vorjahren.
Dieses Jahr gibt es sowohl von den Standorten als auch von den Motiven etwas mehr Abwechslung. Und doch hat sich ein Thema in den Vordergrund geschmuggelt: Das Spiel mit Perspektive und räumlicher Tiefe. Einige wenige dieser Bilder haben eher dokumentarischen Anspruch und sind weniger künstlerisch. Und noch eine Sache ist interessant: Bis auf wenige Ausnahmen entstehen alle Bilder mit langen bzw. sehr langen Brennweiten.
Begleitet mich nun gern in 17 Bildern durch das Jahr.
Einiger dieser Bilder habe ich bereits auf meinen Social-Media-Kanälen veröffentlicht, andere zeige ich zum ersten Mal.
Januar
Mit zwei Bildern beginne ich das Jahr. Beide entstehen an, bzw. auf demselben See, während einer Reise.
Bei Bild No.1 schwanke ich zwischen „Hauptsache im Kasten“ und „Vorher mal die Bildeinstellungen prüfen“. Ich habe Tage zuvor rumgespielt, und dabei wohl versehentlich die Bildausgabe auf nur-jpg geändert – mit dem Ergebnis fehlender Bearbeitungsmöglichkeiten.
Es ist der erste Abend in Konstanz. Ich bin zum Bodensee spaziert und versuche, die nächtliche Stimmung einzufangen. Es ist frisch. Mit 400 Millimetern bekomme ich das südöstliche Seeufer ganz nah heran. Davon erkennen kann ich aber nichts. Wo eigentlich Bregenz sein sollte, ist nur ein schwacher Lichtkegel. Dahinter erheben sich die Allgäuer Alpen. Die Erdkrümmung ist deutlich zu sehen.
Bild No.2 entsteht knappe drei Tage später – dieses Mal auf dem See.
Wir sind unterwegs nach Friedrichshafen. Ein Motiv begleitet mich während der gesamten Reise. Der Berg! Um genauer zu sein handelt es sich um den Säntis in der Nordostschweiz. Er ist eine prägende Landmarke für die gesamte Region und mit seinen 2.500 Metern Meereshöhe ragt er gut 2.100 Meter über dem Bodensee empor.
Ich erwische ihn aus mehreren Positionen: von Konstanz, vom Uetliberg, oberhalb Zürichs, und wie nachfolgend vom Bodensee. Bereits vor Jahren hatte es mir dieser Berg angetan, als ich ihn vom Nordhang des Pfänder fotografiert habe. Das nachfolgende Bild ist sehr stark bearbeitet.
Februar
Ein typischer Monat mit zuviel Arbeit und zuwenigen Ausflügen. An einem Sonntag bin ich in der Region unterwegs und bereise nach langer Zeit wieder das Eiterbachtal. Am Ende der Straße führt eine kleine Brücke zu einem Waldparkplatz. Eben jene Brücke nutze ich als Rahmen für das nachfolgende Bild.
März
Ich bin im Norden unterwegs und erkunde die große Hansestadt an der Elbe. Dafür reicht ein Bild allein nicht, zumal es mich für einen Tag noch weiter nach Norden verschlägt.
Am ersten Abend spaziere ich von meinem Hotel aus am Zollkanal entlang. Südlich davon erstreckt sich die Speicherstadt mit ihren Backsteinbauten. Überragt wird selbige vom Dachaufbau der Elbphilharmonie.
Die gesamte Reise an die Elbe gibt es in einem gesonderten Text.
Tags darauf mache ich eine Zeit-Reise. An dem sonnigen Samstagmittag stehe ich bald vor einem Hochhaus mit einer Pforte. Seitdem ich dieses erstmals betrat sind 21 Jahre vergangen. In jenen März-Tagen 2004 schrieb ich mich hier für mein zukünftiges Studium ein. Die folgenden Stunden erkunde ich Kiel und meine frühere Wohn- und Studiengegend.
April
Über die Ostertage wage ich mich in eine neue Gegend – die ich vorher nur aus der Ferne gesehen hatte. Ich habe mein Quartier für drei Nächte in Reutlingen aufgeschlagen und möchte den mittleren Albtrauf erkunden. Zeugenberge, enge Täler, ausgedehnte Hochflächen und ein steiler Abfall nach Nordwesten kennzeichnen diese Gegend. An meinem zweiten Tag bin ich mit einen Carsharing-Fahrzeug unterwegs, um die Gegend zu erkunden. Mein erstes Ziel ist dabei das Schloss Lichtenstein, ein Bau der Nationalromantik, 200 Meter über dem Tal der Echaz gelegen.
Mai
Der Mai ist ein eher klassischer Monat, in dem ich viel in der Region unterwegs bin und auf bekannten Pfaden wandele.
Mit ein bisschen Recherche finde ich heraus, dass die Sonne an einem Tag direkt über den Türmen des Königstuhls untergehen wird – vom Lobenfelder Friedhof aus gesehen. Dieser Tag ist genau zur Monatsmitte. So schnappe ich mir meine Ausrüstung, samt Telekonverter, und fahre zum Abend dorthin. Mein Plan funktioniert und ich erwische die Sonne dort, wo ich sie vorher erwartet hatte. Mit 800 Millimetern entsteht ein, zwar nicht ganz scharfes, aber sehr dichtes Bild.
Juni
Der Juni ist ähnlich wie der Mai. Ich bin weiterhin viel in der Region unterwegs. Nun könnte man meinen, dass die Motive langsam langweilig werden, doch dem ist nicht so. Es ergeben sich immer wieder neue Lichtstimmungen und Blickwinkel. So auch der folgende. Zum Morgen bin ich in der Nähe der Alten Brücke. Die tiefstehende Sonne erleuchtet das Neckartal von Osten, die Landschaft ist frühlingshaft-grün. Von der Nepomuk-Terrasse ergibt sich ein Spiel aus Licht und Schatten mit einem Teil der Altstadt-Schleuse.
Juli
Nach den vielen Ausflügen und Reisen der Vormonate wird es im Juli sehr ruhig. Die Arbeit lastet mich stark aus und sowohl Zeit, als auch Lust, für fotografische Ausflüge halten sich stark in Grenzen. So schaffe ich es nur einmal, raus zu kommen. Und als einfaches Ziel bietet sich der Königstuhl an. Dichte dunkle Wolken hängen über Rheinebene und lassen die Landschaft eher unwirklich wirken. Mit maximaler Brennweite entsteht dieses dichte Bild Richtung Mannheim. Das Großkraftwerk in Rheinau prägt die abwechslungsreiche Szenerie.
August
Zuviele Eindrücke für einen Monat. So reicht ein Bild kaum aus und es werden deren drei. Prägend ist meine Reise an die norwegische Westküste, um dem deutschen Hochsommer zu entfliehen.
Bild No.1 entsteht am Morgen des zweiten Tages. Während der Dämmerung erwache ich in meiner Kabine und blicke nach Osten. Über einen längeren Zeitraum experimentiere ich mit Langzeitbelichtungen auf dem fahrenden Schiff. Ob der Jahreszeit ist ein besonderes Phänomen zu beobachten: Hohe Wolken, die von der Sonne angestrahlt werden, sogenannte „Nachtleuchtende Wolken“. Eben jene kräuseln sich über dem nachfolgenden, farbenfrohen, Meeresblick zur schwedischen Küste. Eine Sekunde Belichtungszeit genügt bereits, um die Wellen in der Unschärfe verschwinden zu lassen.
Zwei Tage später habe ich Quartier in Bergen bezogen und begebe mich zum Abend auf eine Fjord-Fahrt nach Norden. Die Sonne steht tief, vieles verschwindet im Dunkel. Nur die kleine, weiße, Holzkirche von Vik wird in warmes Licht getaucht und spiegelt sich im Wasser.
Zwei weitere Tage später geht mein Aufenthalt in Bergen langsam zuende. Dies genieße ich auf Fløyen, in der Hoffnung, nun doch noch einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben zu dürfen.
So ganz funktioniert das allerdings nicht. Trotzdem ergibt sich bei dem Ausblick ein schönes Licht- & Schatten-Spiel über der Inselwelt der norwegischen Westküste. Die Halbinsel Nordnes schiebt sich sich wie ein Dorn in das Meer.
Meine gesamte Norwegen-Reise habe ich, ausführlich bebildert, in diesem Text beschrieben.
September
Der Kontrast kann kaum größer sein. Die Erlebnisse aus Norwegen wirken nach – sehr lange. Gleichzeitig breitet sich ein aufkommendes Gefühl der Leere in mir aus. Noch vier Monate werde ich beruflich in der Gegend unterwegs sein. Ich schaue mich nach Neuem um und lenke den Fokus auf andere Dinge. Und doch blitzen einige fotografische Ideen durch. Eine davon ist die Suche nach einer Allround-Brennweite für kleinere Touren. An einem Abend schnappe ich mir das 50-er und spaziere mit einem Freund durch Weinheim. Ich merke schnell, dass ich auch nach Jahren nicht mit dieser Brennweite warm werde. Es passt einfach nicht.
Willkommene Abwechslung bietet da eine kurze Reise nach Dresden zu meinem 25-jährigen Abitreffen. Am Morgen der Rückreise geht es noch einmal kurz in die Stadt, um die Stimmung einzufangen. Dabei entsteht das folgende Motiv mit den Pusteblumen-Brunnen auf der Prager Straße. Die Tauben scheinen es zu genießen.
Oktober
Dieser Monat ist ein Spiegelbild vom Juli. Das eher trübe Wetter passt zu meiner Stimmung. Ein Treffen mit einer guten Freundin in Hirschhorn sorgt für willkommene Abwechslung. Hirschhorn ist dicht – zwischen Berg und Neckar gelegen.
November
Langsam geht das Jahr zuende. Ein erneutes Treffen mit diesem lieben Menschen bringt mich zu einem neuen Aussichtspunkt. Über dem Tal des Finkenbachs schweift der Blick über die Berge des Odenwaldes, während die Sonne langsam verschwindet.
Dezember
Und schon haben wir den letzten Monat des Jahres erreicht. Hier habe ich wieder zwei Bilder für Euch.
Es ist ein Monat des Abschiedes, der doch Neues bringt. Während meine letzten Arbeitstage verstreichen, nehme ich mir eine kurze Auszeit und besorge mir in Frankfurt eine 35-mm-Festbrennweite. Diese soll mich auf kürzeren Ausflügen begleiten und zum gewünschten Allrounder für Städte und Landschaften werden.
Am 16.12. mache ich mich ein letztes Mal auf den Weg in die Region; halte eine letzte Sprechstunde und gebe schließlich meine Arbeitsgerätschaften in meinem Dienstsitz ab. Von hier ist es nur ein Katzensprung zur Steinsberg – meinem Kompass der vergangenen drei Jahre. Unterhalb der Burg entsteht das folgende Bild, das sovieles vereint: Es entsteht mit der 35-mm-Festbrennweite. Auf dem Parkplatz steht mein „Blauer Flitzer“ ganz allein. Dahinter verschwindet die Landschaft des nördlichen Kraichgaus im Dunst. Darüber die dürren Zweige eines Baumes. Abschied.
Eine gute Woche später ordne ich langsam meine Gedanken. Mit meinem Besuch erkunde ich den Odenwald. Nach Jahren bin ich mal wieder in Oberabtsteinach. Auf einem Höhenzug steht dieser Baum, der seitlich von der Sonne angestrahlt wird, ebenso wie die Wiese davor. Es sind nur kleine Licht-Linien. Ein Spiel mit Perspektive, Licht & Schatten.
Hier endet meine bebilderte Reise durch das Jahr 2025.
Das neue Jahr wird spannend – voller neuer Pläne und Ideen.
Musikalisch habe ich mich von Spotify verabschiedet und bin zu Deezer gewechselt. Die Playlist, die mich durch das Jahr gebracht hat, könnt ihr Euch hier anhören.
Ich danke Euch, dass Ihr mich begleitet habt und wünsche Euch einen guten Start in das Jahr 2026.
— SnusTux|René M. – 28/12-2025