2014-03-12

Zeitreise.

Bin im Hotel in Dresden angekommen und schreibe nur ein paar Zeilen – muss gleich zu einem Treffen am anderen Ende der Stadt.
Das Bild zeigt den Hinterhof der Schmiedestraße 25 in Pirna. Im ersten Stock dieses Hauses war ich bis 1992 oft zu Besuch. Andere Familienmitglieder haben noch viel mehr Erinnerungen an dieses, leider verwahrloste, Haus. Nach einem Rundgang durch die Stadt muss ich feststellen, dass eben dieses Haus einer der letzten Schandflecken der schöne Pirnaer Innenstadt ist. Schade um die historische Bausubstanz. Hab seit diesem Anblick eine recht dicken Kloß im Hals.

Ein ausführlicher Bericht folgt im Laufe des Abends.

(Aktualisierung 21:50h):
Es ist spät geworden. Bin zurück im Hotel am Bahnhof Mitte und habe bereits einen Blick über die Bilderflut des Tages geworfen. Hier nun etwas ausführlicher das Geschehen vom Tage:
Pünktlich zum Sonnenaufgang klingelte mein Wecker. Gegen halb 7 schob sich der orangene Feuerball zwischen den Sandsteinfelsen der Böhmischen Schweiz empor. Recht gute Sicht. Die darauffolgende entstanden ein paar Morgenbilder. Kurz nach 8 ging es an Packen und Zusammenräumen, dann folgte mein letztes Hotelfrühstück. Während diesem führte ich noch ein interessantes und aufschlussreiches Gespräch mit der Betreiberin; der Zirkelstein steht zum Verkauf!

Kurz vor 10 begann ich meine lange Überführungsetappe gen Dresden. Erster Zwischenstopp war Pirna. Parken auf dem Markt? – keine Chance! Alles voll weil Markttag. So stellte ich mich an die Elbe und begann meine Stadtwanderung – bepackt mit der D300s + Sigma und dem Tele im Rucksack, ohne GPS. Den ersten Stopp legte ich an der sehr guten Stadtinformation am Markt ein, danach ging es zu Marienkirche. Sehr schöner Bau. Bin früher nie drinnen gewesen. Via Oberer Burgstraße spazierte ich zur Schmiedestraße. Deren oberer Teil glich eher einer Großbaustelle mit vielen Kränen. Sehr bald bog ich links in die Gerichtsstraße ein. Viel hat sich hier getan; vom verwahrlosten Durchgang der frühen 90-er ist nichts mehr geblieben, stattdessen schöne Bürgerhäuser samt Dönerladen.
Entlang des Dr.-Külz-Ringes ging es zur Kirche St. Kunigunde. Der Bau selbst interessierte mich nicht, eher das was sich dahinter findet: Ein kleiner Steinfpad führt um die Kirche herum und bietet einen Blick auf einige Hinterhöfe der Schmiedestraße, so auch Nr. 25. Hier nun wohnte bis 1992 meine Oma, war ich oft zu Besuch und verbrachte ein Teil meiner Familie seine Kindheit und Jugend. Nun ja, es war ein trauriger Anblick. Alles verwahrlost und zugewachsen, das Hinterhaus noch vie vor 22 Jahren aussehend. Schade. In meinem Hals begann sich ein Kloß zu bilden und meine Stimmung ging bergab – glücklicherweise durch eine Sonnenbrille verdeckt. An der Breiten Straße herrschte geschäftiges Treiben, viele Schüler und ältere Leute unterwegs. Spazierte bis zur Königsteiner-/Schandauer Straße und bannte die beiden Eckhäuser an der Breiten Straße auf DX-Chip. Hier waren wir bei unseren Besuchen immer in die Pirnaer Altstadt abgebogen. Das westliche Eckhaus war mir schon gestern aufgefallen. Es verfällt leider immer weiter. Das östliche hat seit den 90ern keine Farbe mehr gesehen, befindet sich aber in einem wesentlich besseren Zustand.
Zurück zur Altstadt. Ein kurzes Stück auf der gut besuchten Dohnaischen Straße, dann bog ich wieder in die Häuserschlucht der Schmiedestraße ab. es ist eine Straße der Gegensätze: Viele modernisierte Häuser, dazwischen aber auch einige stolze Bauten, die seit Jahrzehnten verfallen. Einerdavon ist leider auch die Nummer 25. Im ersten Stock hängen noch die Gardinen mener Oma – seit 22 Jahren! Der Kloß im Hals wurde noch größer. Traurig! Via Frongasse ging ich zurück zum Markt. Ein paar Bilder vom Marktgeschehen, dann via Schössergasse zurück zur Dohnaischen Straße und gen Elbe. Noch ein letzter blick in die Lange Straße und auf die Hochwassermarke von 2002, dann war mein sehr spezieller Stadtrundgang beendet. Die Uhr zeigte halb eins.

Auf ans andere Ende des Oberen Elbtalkessels, nach Radebeul. Kurz und schmerzlos über die Autobahn. Nunja, ab Serkowitz ist die Zufahrt nach Kötzschenbroda gesperrt und der Verkehr wird zur Meißner Landstraße geleitet. Schon früher habe ich diese gehasst. Stockend ging es nach Kötzschenbroda und nach einer weiteren ungeplanten Runde stand ich endlich in dem schönen alten Dorfkern. Kurze Pause und Recherche für ein weiteres Treffen.
Nun zurück nach Dresden, die Checkin-Zeit (14h)rückte allmählich näher. Futterstopp am Elbepark, dann zum Hotel. Dieses Mal habe ich ein Zimmer mit Mauerblick und miesem Mobilfunkempfang. Mist. Konnte zumindest noch ein Hinterhofbild aus Pirna hochladen, ehe die Fahrt zu einem Treffen begann.
Wählte für die Strecke nach Niedersedlitz klugerweise die B172. Dank Grüner Welle konnte ich vom Zelleschen bis zum Langen Weg durchrollen. Perfekt, so muss dat! Stand dann aber für zwei Ampelphasen am Langen Weg. Kurze Grünzeiten und lange Rotphasen für die Linksabbieger. Durch Niedersedlitz ging es zum Treffpunkt – einen Steinwurf von meinem Kindergarten entfernt. Wählte, um den Flashback-Tag weiter mit Erinnerungen zu füllen, den Weg über die Sosaer Straße; vorbei an meiner Grundschule und durch vertrautes Gebiet. Um 4 begann die kleine, begleitete Fototour zweier Nikonianer zur Babisnauer Pappel. Viel Schnack während gut zwei Stunden; und erstaunlich viel los an der Landmarke über der Stadt. Leich angefressen war ich ob der guten Fernsicht. Diese reichte über den gesamten Talkessel bis zum Rosenberg in der Tschechischen Republik! Eben diesen Berg hatte ich die letzten Tage ob des Dunstes manchmal kaum erspähen können; Jetzt sah ich ihn – etwa 30 Kilometer vom Panoramahotel entfernt. Die Sonne senkte sich langsam, unsere Finger wurden klamm. Zur Abenddämmerung verzogen wir uns und dinierten am Kaufpark. Gegen halb 8 war das schöne Treffen beendet. Danke!
Als Rückweg wählte ich die Route Bismarckstraße (im Steingarten-Haus brannte Licht) – Reicker Straße – Karcherallee – Tiergartenstraße und dann durchs Zentrum. Gab mir den Kick, die Wilsdruffer zu fahren. Kurz nach 20h kam ich in meinem Zimmer an. Der Rest ist bereits erzählt.

Gute Nacht & bis morgen.

Alle Bilder: mit Textohne Text