2014-03-11

Durch den Kamin zum Kuhstall.

Tag Nummer Drei im Elbsandsteingebirge neigt sich seinem Ende zu. Die letzte Nacht im Hotel am Berg steht bevor. Was für ein Tag. Zwar ein bisschen anders als geplant, aber trotzdem sehr schön. Aber der Reihe nach:
Heute morgen war nochmal der Sonnenaufgang fällig; dieses Mal bei weniger Dunst. Nach dem Frühstück machte ich mich kurz vor 10 auf dem Weg zur anderen Elbseite. Kalt. Sonnig. Durch Bad Schandau ins Kirnitzschtal. Hatte wohl gewusst, dass die Straßenbahn derzeit nicht fährt und mich deshalb lange vorher entschieden, per Auto zum Lichtenhainer Wasserfall zu fahren. Genau dieser interessierte mich aber überhaupt nicht – außerdem ist er derzeit auch(!) außer Betrieb – ich wollte vielmehr zu einem DER Gründe für diese Reise wandern: zum Kuhstall. War vor vielleicht 20 Jahren schon einmal dort gewesen und wollte die schöne Aussicht durch das Felsentor abermals genießen. Im kühlen Schatten der Tales schnürte ich meine Wanderschuhe und zog los. Heute hatte ich mich mal für eine andere Stamm-Kombi entschieden: Das Kit-Nikkor blieb zuhause, dafür wanderte das Sigma auf die D5000; die Telekombi blieb unverändert. (Warum soll ich ständig Gläser wechseln, wenn ich zwei Kameras habe, die beide gut ausbalanciert sind? Schmutzige Sensoren hatte ich schon oft genug.) Durch den kahlen Wald ging es zum Aufstieg; steile schmale Treppen führen zwischen Sandsteinfelsen hindurch – durch einen Kamin. Kurz nach 11 war ich oben am Tor. Nichts los und die Sonne schien schön in den Kuhstall hinein. Perfekt für ein paar Bilder. Nach einer Pause stieg ich noch auf den Felsen hinauf – über besser gesicherte Treppen als am Brand. Bald begann dann der stufenlose Rückweg über einen anderen Pfad – mittlerweile hatten sich ein paar Leute am Kuhstall eingefunden. Kurz nach 12 war mein geparkter Reisebegleiter wieder erreicht. Er hatte in der Zwischenzeit Gesellschaft bekommen.
Durch das Kirnitzschtal ging es zurück zur Elbe – die Festung Königstein wartete auf mich. Hatte mir einen Parkplatz direkt am/auf dem Tafelberg ausersehen, den ich ansteuerte – hatte die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Ein Fußmarsch wäre angesagt gewesen; auch die recht hohen Parkgebühren schreckten mich ab. Als nix mit Geschichte. Recht spontan fuhr ich nach Pirna-Sonnenstein weiter und von dort, via Struppen, nach Dorf Wehlen. Mittagspause an der Elbe. Wieder im Auto, musste ich feststellen, dass die Tankanzeige im roten Bereich angekommen war. Durch die andauernde  Achterbahnfahrt in den Bergen hatte sich der Brennstoffvorrat verdünnisiert. Tanken in Pirna. Einige Ecken an der B172 haben sich in den letzten 15-20 Jahren kaum verändert – sie verfallen weiter. Schade um die alte Bausubstanz.
In der Tankstelle wurde Kindheitserinnerungen wach. In den 80-er Jahren, bis 1992, besuchte ich oft meine Oma in der Schmiedestraße. Die Wohnung war von einem markanten Geruch geprägt – einem Mix aus abgestandenem Zigarettenrauch und süßlichem Bierduft – schwer zu beschreiben, aber für immer in meinen Erinnerungen gespeichert. Genau dieser Duft fand sich in der Tankstelle. Ein weiterer Geruch war in der Stadt erhalten geblieben. Dieser hat etwas verbranntes, kohliges – der Pirna-Geruch, fest verwoben mit meiner Kindheit.
Morgen wird die Stadt Zwischenziel auf meiner langen Reise nach Dresden. Bin gespannt, was sich seit Anfang der 90-er Jahre verändert hat.
Nach diesem Ausflug in die Großstadt fuhr ich zurück zum Doppelnamen-Dorf an der tschechischen Grenze. Eines musste fast zwingend noch erledigt werden – der Zirkelstein; häufiges Motiv der letzten Tage. Von einem Parkplatz am Ortsende von Schöna nahm ich den kleinen Tafelberg in Angriff. Anfangs sehr gutes Geläuf, später ein Trampelpfad durch den Wald. An der steilen Wand des Steins begrüßte mich eine enge, steile Eisentreppe. Wagte mich langsam hinauf, schon an den Rückweg denkend. Nach einer zweiten, längeren Leiter entschloss ich mich, es dabei bewenden zu lassen. Mich umwehte ein kühler Wind und noch einige Hühnerstiegen standen bevor – in beide Richtungen. War nun etwa auf dem ersten Drittel des Zirkelsteines und konnte den Ausblick nach Osten genießen. Zeit ein paar Details der Felsenformationen festzuhalten. Nach vielleicht zwanzig Minuten begann der Abstieg. Fest ans Geländer geklammert, und meine riesigen Füße innerlich verfluchend, schlich ich die erste lange Eisenleiter hinab. Geschafft!  Die zweite war dann nur noch Formsache. Kurz nach 4 war ich zurück am Auto und wechselte ein letztes(?) Mal von den Wander- auf die Sportschuhe. Das Thema sollte damit leider erledigt sein.
Die Abendsonne und den Mond genießend schaute ich mir meine gewanderten Strecken an. Vor allem am Kuhstall hatte das GPS komplett versagt: die geloggte Strecke wich sehr deutlich vom gewanderten Weg ab; mit amüsanten Konsequenzen für das Höhenprofil. Kaum besser lief es am Zirkelstein.

Dagens Bild zeigt den schmalen Kamin-Pfad am Kuhstall. der Blick geht zurück.
Das war es nun schon fast mit der Sächsischen Schweiz. Ein paar sehr schöne Tage mit vielen Erlebnissen, viel Ruhe und einem tollen Hotel gehen zuende. Morgen wird in die pulsierende Metropole Dresden umgezogen.

Alle Bilder: mit Textohne Text