Ein Reiseexperiment – Teil 5

Teil 5: Uninspirierte Spurensuche – 30. Juni – 03. Juli 2011.

… Gällivare ist kurz darauf erreicht. Nach meiner kleiner Einkaufs- und Bankentour in der Erzstadt fahren mir nochmal MR über den Weg; haben sich ein bisschen mehr Zeit gelassen. Jetzt sind sie auf dem Weg nach Osten, nach Pajala. Ich hingegen bleibe auf dem Inlandsväg nach Norden.
Die 100 Kilometer E45/E10 sind sehr anstrengend. Sehr viel Verkehr, meist wesentlich langsamer als ich; muss oft überholen und dabei die zahlreichen Blitzer beachten. Dazu kommen 30°C und Sonne. Kurz nach zwei bin ich in Kiruna. Nochmal einkaufen dann weiter. Die Temperatur sinkt langsam, die Bewölkung nimmt zu. Unterdessen bin ich mal wieder auf 2003-er Gedenktour. Schon damals hatte mir die E10 zwischen Kiruna und der norwegischen Grenze besonders gut gefallen. Nun fahre ich also wieder nach Nordwesten. Die Fjällkette kommt langsam näher. Wolkenverhangen. Leere Straße. Am Torneträsk angekommen mache ich meine erste Pause. Es stürmt! In der Ferne ist zu erkennen wie Wolken um den Berg Gáissebákti gewirbelt werden.[Not a valid template] Ein sehr interessantes Fotomotiv. Ich nähere mich langsam dem Berg und halte dabei gelegentlich. Leider passt diese Strategie meinem Tempomat überhaupt nicht. Er verabschiedet sich für den Rest des Tages. Das macht die Strecke etwas weniger entspannend. Der Wind lässt mich das Lenkrad festkrallen. Nächster Stopp ist kurz vor Abisko. Das Wetter ist nun völlig umgeschlagen. Nur noch 12°C bei bedecktem Himmel und starkem Wind.
Halb 5 erreiche ich Riksgränsen, das kleine Touristen- und Eisenbahndorf an der norwegischen Grenze. Ich habe fast 440 Kilometer mehr auf der Uhr, was diese Etappe zur bisher längsten dieser Skandinavienreise werden lässt. Ironischerweise sind Start- und Zielort nur 85 Km Luftlinie voneinander entfernt. Mein Quartier buche ich für 2 „Nächte“. Jetzt zu Mitternacht hin lichten sich die Wolken nur etwas und lassen einen hellen Schein aus Norden erahnen.[Not a valid template] Übernachtung im Gebiet der Mitternachtssonne.

Der erste Julitag beginnt so, wie der 30.06. geendet hat. Grau und stürmisch bei knapp über 10 Grad. Vormittags sitze ich in meinem Zimmer und schreibe einige Tagesberichte.
Nach ein bisschen Futtern passiere ich zum siebten mal die Grenze. Weiter auf den Spuren von 2003 fahre ich über das Kalfjäll zum Rombaksfjord und weiter nach Narvik. Damals hatte mich diese Stadt abgestoßen. Alles wirkte recht grau. Heute ist es nicht viel besser. Trotzdem lasse ich mich auf den Endpunkt der Erzbahn ein. Mein erster Weg führt zum TB, das sich im Bahnhof befindet. Hier erhalte ich eine schöne Übersichtskarte in der u.a. Aussichtspunkte eingezeichnet sind. Ich fahre wieder bergauf. Der erste ist nicht zu finden. Nummer 2 dagegen schon. Von einem Wasserkraftwerk etwa 200 Meter oberhalb der Stadt habe ich einen sehr guten Überblick über Narvik und den Ofotfjord.[Not a valid template] Es ist kurz vor zwei. Trotz des Wetters wirkt von hier oben alles recht interessant. Der erste Eindruck vor 8 Jahren hatte getäuscht. Blick Nummer drei ist noch besser. In der Narvik-Abteilung des Nordlandmuseums, in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Norwegischen Staatseisenbahn NSB, wird die Regions-, Stadt- und Eisenbahngeschichte von Narvik beschrieben. Eines der Themen ist die Erzbahn von Kiruna. Sehr schön. In den Treppenaufgängen finden sich Fotos aus mehr als einem Jahrhundert.
Nach über einer Stunde verlasse ich, bei einsetzendem Regen, die Stadt. Ziel ist der Ort Beisfjord an gleichnamigem Meeresarm. Hier soll sich eine Lachstreppe befinden. Meine Suche ist vergeblich. Also zurück Richtung Grenze. Stopp am Rombaksfjord und an einem Mahnmal des zweiten Weltkrieges. Einregnend quere ich die Grenze zum achten Mal. Noch ein kurzer Stopp am Bahnhof, dann ist die Runde vorbei. Unterdessen passieren die Nordkappfahrer ebenfalls die Grenze nach Norwegen, um zu ihrer Übernachtung in Kautokeino zu gelangen. Erstmals in diesem Jahr sind sie weiter nördlich als ich. Den grauen Abend verbringe ich mit Fernsehen und Bildbearbeitung. Von der Mitternachtssonne sehe ich wieder nichts.

Endlich Wochenende. Es ist Samstag, der zweite Juli. Ich breche gegen 10h zu einer Kommunenrundfahrt durch Kiruna auf. Bei wenig Wolken aber kalten Wetter fahre ich über die E10 zurück in den Hauptort. Diese 130 Kilometer werden spannend. Ich will sie mit fast leerem Tank bestreiten. Kurz vor Abisko der erste Fotostopp. In der Ferne ist das Tal Lapporten zu erkennen.[Not a valid template] Ein Muss-Motiv. Die Sonne zeigt sich während meiner Fahrt entlang des Torneträsk. Dadurch kann ich auch Gáissebákti, diesmal ohne Wolken, ablichten. Ab hier fahre ich nonstop in die große Stadt. Seit einiger Zeit leuchtet die Tanklampe. Noch 50km … 40km … 30km … 20km … 10km (die Stadt und die Erzberge erscheinen am Horizont) … geschafft.
An der Tankstelle wird der Tank mit knapp 60 Litern Sprit gefüllt. Der letzte Großeinkauf vor Norwegen wird erledigt. Noch ein Telefonat mit dem Quartier in Övre Soppero, dann bin ich wieder auf der Strecke. Es ist früher Nachmittag und ich habe, mal wieder, viel Zeit. Sonnenschein! Die E10 ist heute fast leer. Auf der E45 angekommen kann ich die Autos an einer Hand abzählen. Bis Vittangi ist fast nichts los. Hinter dem Ort (noch immer auf den Spuren von 2003!) mache ich nochmal Pause um anschließend gemütlich gen Norden zu rollen.[Not a valid template] Sopperogården ist kurz nach drei erreicht. Drei Hunde beobachtend und Zeitunglesend verbringe ich den hellen Abend. Dieser ist bis auf weiteres der letzte in Schweden. Morgen folgt meine Drei-Länder-Tour in die Finnmark. MR erreichen unterdessen ihr Ziel auf Magerøya, die Hütte in Skipsfjorden, 30 Kilometer vom Nordkapp entfernt.

Zum Sonntag geht es müde durch die Finnmark. Ich habe schlecht geschlafen. Deshalb nur ein recht kurzer Bericht, der gut zu meiner Stimmung passt. Obwohl es eine Etappe durch drei Länder und zwei Zeitzonen ist, passiert nichts besonderes. Es ist grau, knapp über 10°C.
Erster Stopp in Karesuando, dem Grenzort. Nochmal Sprit fassen, dann rüber nach Finnland. Eine gute Stunde später bin ich auf dem Lavvu-Parkplatz an der Grenze zu Norwegen. Erstaunlicherweise ist viel Verkehr, hauptsächlich auf zwei motorisierten Rädern. Kautokeino durchfahre ich tempomatig und halte erst 80 Kilometer vor meinem Tagesziel Karasjok. Auf diesem Parkplatz war ich bereits vorheriges Jahr. Heute ist es ähnlich grau und kalt. Der nächste Stopp ist dann in Karasjok an der Bank. Leider gibt es heute kein Bares. Also weiter zum TB im hiesigen Sami-Museum. Statt Informationen genieße ich den ersten Kaffee seit 4 Tagen. Auf einem Werbeplakat vom Zeltplatz entdecke ich, dass auf diesem auch Zimmer und Hütten vermietet werden. Perfekt! Dort angekommen, darf ich für ein winziges Räumchen viel Geld bezahlen. Zwei Betten und ein Sessel.[Not a valid template] WC und Küche im Haus. Immer noch besser als im Schlabberzelt. Außerdem regnet es wieder. Jetzt kann ich meine Tour für den Wochenbeginn planen. Es soll Neuland befahren werden. Wirklich wach werde ich den ganzen Tag nicht. Grau. Wieder nix mit sonnigem Sonntag gewesen.

Alle Bilder zu Teil 5:

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