Der Tag aller Tage. Zwar nicht ganz wie erhofft, aber das Ziel der Reise erreicht. Der nachfolgende Tagebucheintrag schildert das ziemlich ausführlich:

Route: Skipsfjorden/Magerøya – Nordkapp – Gjesvær – Skipsfjorden; zum Parkplatz Knivskjelodden und zurück
Kommunen (N): Nordkapp
Km: 134 + 18km Wanderung

So. Auf Magerøya. Nach langem Schlaf gg 10h munter. Sonne, 22 Grad! Eine gute Stunde später Aufbruch gen Norden. Lage peilen.
Zuerst zum Parkplatz Knivskjelodden. Danach zum Nordkapp-Plateau, aber nicht drauf. Keine Lust 300NOK zu bezahlen. So hatte ich es beschlossen. Die Infrastruktur nutzen, aber die Touri-Fallen meiden. 🙂 Später nach Gjesvær. Die Straßen auf der Insel sind oft für Wagemutige. Führen entlang eines Hanges, ohne Leitplanken. Zwar gut ausgebaut, aber trotzdem riskant. Der Inselverkehr besteht zum Großteil aus Touri-bussen und v.a. deutschen Wohnmobiltouris. Sonst einige Einheimische und Touris aus anderen europäischen Ländern. Gjesvær liegt auf einer Halbinsel. Die Strecke dorthin führt entlang von Schmelzwasserseen und durch eine Schlucht. Gegen 14h zurück. Erkundigung ob des Wetters. Schlechte Nachrichten: am Abend folgt ein Wetterumschwung mit Regen und Sturm.
Also Planänderung, notgedrungen. Nix mit Midnatssol am Ende des europäischen Festlandssockels. Alles vorbereiten für die Wanderung ins Ungewisse.
15h Aufbruch zum Parkplatz Knivskelodden. Immer noch sonnig und warm, aber einige Wolken. Mit Regenausrüstung bepackt gings 15.30h los. Nach dem im Netz gelesenen, sollte es eine etwas anspruchsvolle Wanderung werden. Nach dem bisher erwarteten, lies es schlimmeres erahnen. Naja. Den Weg musste ich teilweise in Pfadfindermanier suchen. Das Geläuf wechselte zwischen größeren Steinen und sumpfigen Abschnitten. Kaum Gras. Nix mit schnellen Vorankommen. Die Höhenmeter waren anfangs moderat. Auf und ab. Erst 3km vor dem Ziel wurde es heftig. Binnen ein paar hundert Meter Wegstrecke ging es 100 Meter bergab. Meine Stöcke, die bis dahin schon gut zu tun hatten, mussten alles zeigen. Etwas länger eingestellt, waren sie gute Stützen. Nach dem Abstieg ginge es eben zu einer Bucht, über einen holzbebrückten Schmelzwasserfluss. Ein weiteres Geröllfeld. Vom Meer rundgeschliffene Steine. Die letzten 2 km wurden zum Pfadfinderparadies. Schräghang, teilweise blanker Fels (oft glitschig), immerwieder Schotterfelder, sumpfige Abschnitte und 2-3 tiefere Schluchten (10-20 Meter tief). Oha! Seit Beginn meiner Tour hatte ich ca 500 Meter vor mir ein Pärchen. Dieses sollte sich als Glücksfall erweisen. Einerseits auf dem Schräghangangbschnitt, andererseits am Ziel. Dieses kam erst einige hundert Meter vor Schluss in Sichtweite. Nach 2 Stunden und 9 Kilometern war es geschafft. Meine linke Ferse meldete sich schon. Am Knivskelodde, bei 71°11’08“ Nord. Das südlicher gelegene Nordkapp in Sichtweite. Gegenseitiges Fotografieren, der Eitrag ins Gästebuch und der Stempel fürs Diplom folgten.
Halbe Stunde Pause. Wind immer noch aus Süd, mittlerweile dichtere Wolken. Das Pärchen aus Holland begann alsbald seinen Rückmarsch. Habe sie nicht mehr gesehen. Auf der Hintour kamen vielleicht 20 Wanderer entgegen. Oft leicht bekleidet, selten mit Stöcken. Meist 40+. 18.00 Beginn des Rückmarsches. Mein GPS-Logger erwies sich als Glücksfall. So konnte ich den Weg an schwierigen Stellen leichter finden. Über den Schräghang zurück zum Geröllfeld. Über die Brücke. Ja, und dann die paar hundert steilsten Meter wieder hinauf. Mit vollem Stockeinsatz. Oben, fix und fertig, kurze Fotopause. So langsam wurde es etwas feucht. Mit Regentropfen gespickter Wind schlug mir alsbald entgegen. Auf dem Schräghangabschnitt, kamen mir noch 3 Wanderer entgegen. Leicht bekleidet. Die Rücktour wurde manchmal durch Foto-/GPS-Pausen unterbrochen, und war durch die vielen Anstiege und die Wegsucherei anstrengender. Mittlerweile, ca. 5km vor dem Parkplatz, dichtere Wolken, aber nur einzelnen Regentropfen. Trotzdem alle Elektrogeräte sichern. Der GPS-Logger tat auch so seinen Dienst. Erst auf den letzten 2 Kilometern wurden der Nieselregen etwas stärker. Die letzten paar hundert Meter musste der Datenlogger alles zeigen. Von Steintürmchen/Wegweiser war der Parkplatz noch nicht zu sehen. Ins Blaue hinein, bis das Ziel vor Augen war. Gegen 20.30h war es geschafft. 18 Km! Am und im nassen Auto. mittlerweile stärkerer Regen und Sturm. Hoffentlich sind die 3 og. Wanderer gut zurückgekommen. Im Auto Pause, Schuhe wechseln. Vor dem Steilabschnitt der Rücktour hatte ich die Gummipuffer der Stöcke entfernt und mit den Metallspitzen die wenige Erde aufgewühlt. Dadurch besserer Halt. Schuhe, Rucksack und Puffer landeten im Beifahrerfußraum. Kurz darauf ging es zurück. Seitdem ist starker Regen und Sturm, nur noch 15 Grad. Der Wind kommt aus Nordwest. Kurz Nach 21h zurück. Klamottenwechsel und essen. Und die neue Planung: Mittels zweier Etappen nach Härnösand, dort 5 Tage bleiben und nach weiteren 2 Etappen gen Alingsås. Dort nochmal 5 Tage. Hoffentlich funktioniert in beiden Vandrarhem das WLAN. Gibt viel zu bloggen. Jetzt gegen 0.10 h Fahren noch Busse zum Nordkapp bzw. kommen von dort zurück. Nix mit Mitnatssol. Wäre ich bei meiner ursprünglichen Planung geblieben, wäre die Wanderung zur Tortur geworden. Mange Takk till jenten vid NKC:s Reseption.
Takk för vejre-prognosen. Diese hat leider gestimmt. Die Midnatssol werde ich woanders erleben müssen.
Nachtrag: Die Ausrüstung hat alle Strapazen überstanden. Stücke, Rucksack, Hosen, Schuhe und die Kamera-Ausrüstung haben überzeugt. Außer einer Blase an der linken Ferse und leichten Schmerzen in beiden großen Zehen und im Rücken ist alles okej.

Viel mehr ist nicht zu erzählen. Ich lasse stattdessen die Bilder sprechen.

/71°11’8″ Nordsson

Die Inselrundfahrt:
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Die Wanderung zum Knivskjelodde:
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Zuerst die kleine Inselrundfahrt auf der Karte:
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Und die 18 Fußkilometer zum Knivskjelodde:
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Alles zur Tour gibt es hier.