Bis zum Ende – Teil 2: Die Insel
Den zweiten Teil meiner Reise verbringe ich auf einer Insel, die vor allem für ein markantes Felsplateau bekannt ist – weniger für eine danebenliegende Landzunge.
— SnusTux|René M. – 01/06-2026
Teil 2: Die Insel
26. – 27. Juni 2010
– 163km –
Teil 2a: Auskundschaften
26. Juni – Vormittag
– 95km –
Route:
Skipsfjorden/Magerøya – Nordkapp – Gjesvær – Skipsfjorden
Kommunen (NO): Nordkapp
26/06-2010
Der Tag aller Tage. Zwar nicht ganz wie erhofft, aber das Ziel der Reise erreicht. Der nachfolgende Tagebucheintrag schildert das ziemlich ausführlich:
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So. Auf Magerøya.
Nach langem Schlaf gg 10h munter. Sonne, 22 Grad! Eine gute Stunde später Aufbruch gen Norden. Lage peilen.
Zuerst zum Parkplatz Knivskjelodden. Danach zum Nordkapp-Plateau, aber nicht drauf. Keine Lust, 300 NOK zu bezahlen. So hatte ich es beschlossen. Die Infrastruktur nutzen, aber die Touri-Fallen meiden. 🙂
Später nach Gjesvær. Die Straßen auf der Insel sind oft für Wagemutige. Führen entlang eines Hanges, ohne Leitplanken. Zwar gut ausgebaut, aber trotzdem riskant. Der Inselverkehr besteht zum Großteil aus Touri–Bussen und v.a. deutschen Wohnmobiltouris. Sonst einige Einheimische und Touris aus anderen europäischen Ländern. Gjesvær liegt auf einer Halbinsel. Die Strecke dorthin führt entlang von Schmelzwasserseen und durch eine Schlucht…
Teil 2b: Planänderung
26. Juni – Nachmittag
– 39km + 18Fuß-km –
Route: Skipsfjorden – Parkplatz Knivskjelodden – Skipsfjorden
Kommunen (NO): Nordkapp
…Gegen 14 h zurück. Erkundigung ob des Wetters. Schlechte Nachrichten: am Abend folgt ein Wetterumschwung mit Regen und Sturm.
Also Planänderung, notgedrungen. Nix mit Midnatssol am Ende des europäischen Festlandssockels. Alles vorbereiten für die Wanderung ins Ungewisse.
15h Aufbruch zum Parkplatz Knivskelodden.
Immer noch sonnig und warm, aber einige Wolken. Mit Regenausrüstung bepackt gings 15:30h los.
Nach dem im Netz gelesenen, sollte es eine etwas anspruchsvolle Wanderung werden. Nach dem bisher erwarteten, lies es Schlimmeres erahnen. Naja. Den Weg musste ich teilweise in Pfadfindermanier suchen. Das Geläuf wechselte zwischen größeren Steinen und sumpfigen Abschnitten. Kaum Gras. Nix mit schnellen Vorankommen. Die Höhenmeter waren anfangs moderat. Auf und ab. Erst 3km vor dem Ziel wurde es heftig. Binnen ein paar hundert Metern Wegstrecke ging es 100 Meter bergab. Meine Stöcke, die bis dahin schon gut zu tun hatten, mussten alles zeigen. Etwas länger eingestellt, waren sie gute Stützen. Nach dem Abstieg ging es eben zu einer Bucht, über einen Holz-bebrückten Schmelzwasserfluss. Ein weiteres Geröllfeld. Vom Meer rundgeschliffene Steine. Die letzten 2 km wurden zum Pfadfinderparadies. Schräghang, teilweise blanker Fels (oft glitschig), immer wieder Schotterfelder, sumpfige Abschnitte und 2–3 tiefere Schluchten (10–20 Meter tief). Oha!
Seit Beginn meiner Tour hatte ich ca. 500 Meter vor mir ein Pärchen. Dieses sollte sich als Glücksfall erweisen. Einerseits auf dem Schräghang-Abschnitt, andererseits am Ziel. Dieses kam erst einige hundert Meter vor Schluss in Sichtweite.
03/10-2026: Wenn mich meine Erinnerungen nicht trügen, so waren sie auf dem Schräghang-Abschnitt eine Art Wegweiser für mich, wo ich die tiefen Felsklüfte am besten passieren kann.
Nach 2 Stunden und 9 Kilometern war es geschafft. Meine linke Ferse meldete sich schon. Am Knivskjelodde, bei 71°11’08“ Nord. Das südlicher gelegene Nordkapp in Sichtweite. Gegenseitiges Fotografieren, der Eintrag ins Gästebuch und der Stempel fürs Diplom folgten.
03/10-2026: Ich weiß bis heute, dass ich mir damals die falsche, fortlaufende Nummer im Gästebuch gemerkt hatte – notiert hatte ich sie mir damals nicht. Für das Diplom hat es trotzdem genügt. Habe irgendeine Nummer gesagt, die irgendwie gepasst hat.
Halbe Stunde Pause. Wind immer noch aus Süd, mittlerweile dichtere Wolken. Das Pärchen aus Holland begann alsbald seinen Rückmarsch. Habe sie nicht mehr gesehen. Auf der Hintour kamen vielleicht 20 Wanderer entgegen. Oft leicht bekleidet, selten mit Stöcken. Meist 40+.
18:00 Beginn des Rückmarsches. Mein GPS‑Logger erwies sich als Glücksfall. So konnte ich den Weg an schwierigen Stellen leichter finden. Über den Schräghang zurück zum Geröllfeld. Über die Brücke. Ja, und dann die paar hundert steilsten Meter wieder hinauf. Mit vollem Stockeinsatz. Oben, fix und fertig, kurze Fotopause. So langsam wurde es etwas feucht. Mit Regentropfen gespickter Wind schlug mir alsbald entgegen. Auf dem Schräghang-Abschnitt kamen mir noch 3 Wanderer entgegen. Leicht bekleidet. Die Rücktour wurde manchmal durch Foto‑/GPS‑Pausen unterbrochen, und war durch die vielen Anstiege und die Wegsucherei anstrengender. Mittlerweile, ca. 5km vor dem Parkplatz, dichtere Wolken, aber nur einzelnen Regentropfen. Trotzdem alle Elektrogeräte sichern. Der GPS‑Logger tat auch so seinen Dienst. Erst auf den letzten 2 Kilometern wurde der Nieselregen etwas stärker. Die letzten paar hundert Meter musste der Datenlogger alles zeigen. Von Steintürmchen/Wegweiser war der Parkplatz noch nicht zu sehen. Ins Blaue hinein, bis das Ziel vor Augen war.
Gegen 20:30h war es geschafft. 18 km! Am und im nassen Auto. Mittlerweile stärkerer Regen und Sturm. Hoffentlich sind die 3 og. Wanderer gut zurückgekommen. Im Auto Pause, Schuhe wechseln. Vor dem Steilabschnitt der Rücktour hatte ich die Gummipuffer der Stöcke entfernt und mit den Metallspitzen die wenige Erde aufgewühlt. Dadurch besserer Halt. Schuhe, Rucksack und Puffer landeten im Beifahrerfußraum. Kurz darauf ging es zurück. Seitdem ist starker Regen und Sturm, nur noch 15 Grad. Der Wind kommt aus Nordwest.
Kurz nach 21 h zurück. Klamottenwechsel und Essen. Und die neue Planung: Mittels zweier Etappen nach Härnösand, dort 5 Tage bleiben und nach weiteren 2 Etappen gen Alingsås. Dort nochmal 5 Tage. Hoffentlich funktioniert in beiden Vandrarhem das WLAN. Gibt viel zu bloggen.
Jetzt gegen 0:10 h Fahren noch Busse zum Nordkapp bzw. kommen von dort zurück. Nix mit Mitnatssol. Wäre ich bei meiner ursprünglichen Planung geblieben, wäre die Wanderung zur Tortur geworden. »Mange Takk till jenten vid NKC:s Reseption! Takk for vejre–prognosen!« Diese hat leider gestimmt. Die Midnatssol werde ich woanders erleben müssen.
Nachtrag: Die Ausrüstung hat alle Strapazen überstanden. Stücke, Rucksack, Hosen, Schuhe und die Kamera-Ausrüstung haben überzeugt. Außer einer Blase an der linken Ferse und leichten Schmerzen in beiden großen Zehen und im Rücken ist alles okej.
Viel mehr ist nicht zu erzählen. Ich lasse stattdessen die Bilder sprechen.
/71°11’8″ Nordsson
erstpublikation: 02/07-2010, 22:37
Teil 2c: Auf der Insel
27. Juni
– 31km –
Route: Skipsfjorden/Magerøya – Honningsvåg – Nordvågen – Skipsfjorden
Kommunen (NO): Nordkapp
27/06-2010
Der Tag danach. Und ein wichtiger. Ein Beweis für SnusTux‘ Tat fehlte noch. Die Urkunde wurde an diesem Tag gegen einen kleinen Kostenbeitrag erstanden. Dazu ein bisschen Kultur/Geschichte. Das Wetter war schietig, aber egal. Es hatte den Tag zuvor gehalten.
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Tag 3 auf Magerøya. Das Wetter ist schlecht. Regen, Sturm, keine 10 Grad.
Zuerst die Wanderung vom Vortag in Beweismittel umsetzen. Knivskjelodden-Diplom und -Pin. Das muss sein.
Nachmittags gegen 3h ein Ausflug zum Nordkappmuseum in Honningsvåg. Interessante Ausstellung über die Insel und den Tourismus in der Gegend. Ca. 1h dort. Dann eine kleine Rundfahrt durch den Ort und zum Nachbarort Nordvågen. Zurück. Räumen und Packen. Wenn das Wetter so bleibt, wird sich an der weiteren Tourplanung kaum was ändern. Morgen via Lakselv/Karasjok nach Kautokeino. Am Dienstag über die E8 nach Kalix und am Mittwoch gen Härnösand. Jetzt entspannen.
Schade, schon fast vorbei. Andererseits sollte der Urlaub im eigentlichen Sinne erst beginnen.
/Knivskjelodden Urkund-Gekauftsson
erstpublikation: 02/07-2010, 22:54
































