Ein Reiseexperiment – Teil 3


Und schon ist midsommar.
Ich „feiere“ dieses Wochenende auf meine eigene Art und erkunde Neuland. Unterwegs warten ein paar Überraschungen.

— SnusTux|René M. – 12/06-2026

Teil 3: Wilder Midsommar – 23. – 27. Juni 2011.
– 1065km –
Guten Morgen aus der Großstadt im Nirgendwo. Es ist Donnerstag, der 23. Juni. Das Midsommarwochenende steht bevor. So richtig bewusst wird mir dies während meines kleinen Einkaufes etwas außerhalb des Zentrums. Mit Alkohol gefüllte Wägen strömen aus dem örtlichen Systembolaget. In diesem tummeln sich Menschenmassen.
Gegen 11h ist meine Östersund-Episode beendet und ich begebe mich bei bewölkten 14°C auf die E14 gen Nordwesten. Bei Krokom mache ich an einem Rastplatz mit zugehörigem TB meinen Ersten Kaffee-Stopp. Kurz darauf beginnt die Reise auf Themenstraße Nummer drei, dem Fiskevägen. Mit entspannter Tempomatfahrt bewältige ich die ersten Kilometer desselben auf dem Weg nach Valsjöbyn. Während einer längeren Fotopause am See Gysen kann ich endlich die Tier-Tauglichkeit meiner Tele-Hantel testen. Bei den vielen, schnell umher fliegenden Lachmöwen, die sich auf einer kleinen Insel im See tummeln, funktionieren Tammy und Autofokus der D90 recht gut. Leider trifft dies auch auf die vielen Mücken zu. Diese belästigen mich ganz ordentlich, wenn sie auch nicht stechen. Dank an mein Mückenzeug! Kurz darauf verlasse ich den RV340 um einen kleinen Abstecher nach Westen zu machen. Bis Åkersjön ist die Strecke schön asfaltiert, danach darf ich 15km Grusväg unter meine Räder nehmen. Wieder zurück am Fiskevägen, pausiere ich am Hotagen. Mein Blick schweift über den großen See zu einer kleinen Kirche in der Ferne. Während ich meine Speicherkarte mit Bildern derselben befülle, entdecke ich auf einem kleinen Stein im See einen Vogel – einen Waldwasserläufer (auf schwedisch: Skogssnäppa). Dieser spaziert auf seinem Stein hin und her und zwitschert recht wild. Wegen des ruhigen Wassers ergeben sich dabei sehr amüsante Spiegelmotive.

Bei Sonnenschein setze ich meine Fahrt gen Norden fort. Naja, nicht ganz. Zuerst mache ich mich auf die Suche nach ein paar Stromschnellen in einem Canyon. Das ganze mündet in einer, gut einstündigen, Irrfahrt über Grusväg. Ergebnis: gleich Null. Erfolgreicher bin ich kurz darauf. Ab dem Hotagen ist der Weg zum Hasslingsåfall beschildert, besser gesagt zu einem Parkplatz in der Nähe desselben. Überall finden sich Bären-Warntafeln. So mache ich mich mit etwas mulmigem Gefühl auf zum Fall, immer schön durch die Mückenschwärme. Es lohnt sich, wenngleich der Durchfluss recht gering ist. Ohne Bärenbegegnung wandere ich zurück zum Auto. Beim Einpacken verstaue ich auch ein Souvenir der besonderen Art: eine MÜCKE. Diese begleitet mich die nächsten gut 20 Kilometer. Dieser kleine Stecher bearbeitet die nicht-eingegifteten Hautpartien. Zweimal ist sie erfolgreich. Hinter Valsjöbyn schlägt dann deren letztes Stündchen. Bei einer sonnigen Fotopause wird sie gekillt.
Hier folgt nun Grenzübertritt Nummer Fünf. Die knapp 80km durch Norwegen fahre ich nonstop, und bin gegen 6 Uhr abends zurück in Schweden. Ab Gäddede beginnen die letzten 22 Grusväg-Kilometer für den heutigen Tag. Sie werden nochmal zu einer Herausforderung, da die Strecke schmal ist – oft unübersichtlich – und recht viele Schlaglöcher aufweist. Halb 7 erreiche ich mein Domizil in Björkvattnet. Vom Zimmer im Holzhaus schweift der Blick nach Westen zu Sonne. Dabei trete ich den Wetterbericht für den Tag symbolisch in die Tonne – hatte er doch hier oben einen feuchten Donnerstag versprochen. Nass werden unterdessen meine südlichen Mitreisenden auf der E4. Sie bekommen auf ihrer Etappe zur Hohen Küste sehr viel Regen ab. Unterdessen klingt der Abend mit der Planung des nächsten Tages aus.

Dieser ist der Tag aller Tage, vor allem in Schweden. Freitag. Midsommarafton. Der 24.Juni 2011. Ich bin am Vildmarksvägen angekommen.
Anstatt zu feiern will ich hoch hinauf. Kurz nach zehn befahre ich die 22 fordernden Grusväg-Kilometer nach Gäddede zum zweiten Mal. Es ist grau. Nur 10°C. Das TB in dem kleinen Ort hat geschlossen. War ja zu erwarten. Immerhin sind Tankstelle und Dorf-Ica geöffnet. So kann ich meine Vorräte für die nächsten Tage auffüllen. Grusvägig strebe ich meinem ersten Tagesziel entgegen. Senkrechtem Wasser. Dieses Mal in einer besonderen Umgebung. Der Hällingsåfall ist zur Mittagszeit erreicht. Gut 40 Meter stürzt das Wasser hier hinab und fließt durch eine enge, 800 Meter lange, Schlucht. Direkt am Fall ergibt sich ein schönes Motiv. Die Sonne verwandelt die Gischt in einen Regenbogen. Ein zweiter ist zu erahnen. Entlang der Schlucht verläuft ein Wandersteg. Dieser führt mich zu teils waghalsigen Aussichts- und Fotopunkten. Es lohnt sich. Fast zwei Stunden wandere ich in diesem beeindruckenden Stück Natur umher. Anschließend fahre ich die 23 Schotterkilometer zurück nach Gäddede. Von hier geht es zu Tagesziel Nummer zwei. Der Kapelle von Viken. Erneut Grusväg dorthin. Die kleine rote Holzkirche liegt recht versteckt an einem See und ist von einer Moos-überwucherten Steinmauer umgeben. Fast schon märchenhaft. Leider ist abgeschlossen. Das hindert mich aber nicht daran, ein paar stimmungsvolle Aufnahmen zu machen. Weiter geht es grusvägig nach Jormvattnet.
Es ist 3 Uhr nachmittags. Grau. Leichter Regen. Die folgenden 4 Stunden werden etwas chaotisch. Einerseits habe ich auf meiner Vildmarksvägen-Broschüre ein paar „Sehenswürdigkeiten“ markiert, die ich noch gern erreichen würde, andererseits beginnt langsam die Nachtquartier-Suche. Ersteres wird zum Reinfall, da entweder kaum zu finden, überlaufen, oder enttäuschend – Hällingsåfallet ist kaum zu überbieten. Stattdessen beginne ich mit der Quartiersuche. Zuerst fahre ich via Stora Blåsjön gen Ankarvattnet. Ein als „Vildmarkscamping“ titulierter Platz ist mir zu „wild“. Bei dem einsetzenden Regen eher suboptimal. Weiter geht es zu einem Wasserfall bei Ankarede. Hier ist der Parkplatz überfüllt. Nix ist’s. Also zurück nach Jormvattnet. Hier hatte ich bei meiner ersten Vorbeifahrt ein paar Hütten entdeckt. Leider kosten die 600:- pro Nacht. Ist mir zu teuer. Wieder zurück nach Stora Blåsjön. Hier sind alle Hütten belegt. Netterweise kann mir die Rezeptionistin, eine ältere Dame, weiterhelfen. Sie vermittelt mir eine kleine Holzhütte an der Straße nach Ankarede. Dem Hüttenbesitzer teilt sie außerdem mit, dass ich wohl Schwede sei. Ein sehr nettes Kompliment! Kurz darauf treffe ich auf einen älteren Herrn in einem nicht ganz so alten Toyota-Kombi. Nach vielleicht einem Kilometer erreichen wir die Unterkunft. Komplett eingerichtet mit Heizung und Kühlschrank. Dazu Torrtoa (auch bekannt als „Plumpsklo“) in einem eigenen Verschlag. Wieder ein festes Dach über’m Kopf! Den ganzen Abend regnet es hier oben, im nördlichsten Zipfel Jämtlands. Meine kleine Irrfahrt endet positiv. Für den folgenden Tag hoffe ich auf besseres Wetter, denn der Aufstieg steht an.

Ein paar Stunden unruhigen Schlafes später regnet es noch immer. Es ist Midsommardag. Samstag, der 25. Juni. Tag 2 am Vildmarksväg.
Bei meiner Abreise sind es nur noch graue 9°C. Zuerst fahre ich zurück zum Parkplatz bei Ankarede. Er ist noch voller als gestern. Schade. Vielleicht habe ich auch nur nicht die Midsommarfeierlichkeiten hier oben durchschaut. Bin ohne Zugang zum Internet und habe auch keine aktuelle Regionalzeitung zur Hand. Dann fahre ich halt zum nächsten Ziel. Leipikvattnet. Hier soll ein Wanderweg durch ein Karstgebiet beginnen. Bei Regen und recht hohem Gras stellt sich das als kaum machbar heraus. Meine Schuhe sind nach einigen hundert Metern durchnässt. Zeit umzukehren. Während der Rückfahrt mache ich noch einen längeren Stopp an ein paar Stromschnellen direkt an der Straße. Ich habe viel Zeit. Leider mag mich das Wetter überhaupt nicht. Bei fortwährendem Regen arbeite ich mich langsam bergauf, unterbrochen durch mehrere Pausen. Irgendwann erinnert mich ein Schlagbaum daran, dass mein weiterer Weg lange Zeit des Jahres gesperrt ist. Gegen ein Uhr erreiche ich das Kalfjäll auf etwa 750 Metern Höhe. Um mich herum ein Mix aus Grau und Weiß. Schnee direkt neben der Strecke. Die hohen Fjällmassive tragen ein recht geschlossenes weißes Kleid. Hinter einer kleinen Brücke pausiere ich etwas länger. Ich will die Gegend erschnuppern und in Bildern festhalten. In einiger Entfernung gen Westen beobachte ich erstmals bewusst zwei Dinge. Zum einen das Fjäll Sipmehke, das direkt auf der schwedisch-norwegischen Grenze liegt und ungewöhnlich aussieht. Es erinnert mich in seiner Form an die griechische Halbinsel Chalkidiki, bedingt durch die drei Fjällrücken mit zwei dazwischen liegenden Tälern. Das andere „Ding“ ist eine ganz bestimmte Vogelart, die der Falkenraubmöwen. Ein Exemplar davon sitzt einsam auf einem Stein und scheint die Umgebung zu beobachten. 13:50 Uhr ist der höchste Punkt der Tages-Strecke erreicht – 876 Meter Höhe. Dahinter verlässt die Straße Jämtland. Ich bin in Västerbotten. Noch ein paar Kilometer später erreiche ich eine ausgedehnte Straßen- und Seen-Ansammlung mitten in der Pampa. An einer Informationstafel im Bereich dieser Sammlung fügt sich eins zum Anderen. Ich befinde mich in einem stillgelegten Tagebau. In der Stekenjokksgrube wurde zwischen 1976 und 1988 Kupfer- und andere Erze aufgebaut. Dafür legte man die Asfaltstraße über das Kalfjäll an. Interessant! Über ein paar dieser Straßen fahre ich zu einem der Tagebau-Seen um eine längere Pause zu machen. Der Regen hat mittlerweile aufgehört. Während einer einstündigen Fuß-Runde erkunde ich das Gebiet. Hier könnte ich durchaus eine „Nacht“ bleiben. Allerdings sind die Erfahrungen vom Flatruet noch frisch und das Wetter hier oben nicht viel besser. Halb vier setze ich meine Fahrt in die Bergarbeitersiedlung Klimpfjäll fort. Ein besserer Standort. Leider findet sich zwischen den paar übrig gebliebenen Häusern nur eine Wiese für Wohnmobile und ein kleines Hotel, mehr nicht. Da ich noch drei volle Tage bis zum Wiedersehen mit den Südreisenden – bei nur gut zwei Etappen – habe, fahre ich nicht weiter gen Südosten. Stattdessen geht es zurück auf etwa 800 Meter. Unterwegs springt mir ein recht versteckter Wasserfall ins Auge. Ich verpasse es, rechtzeitig zum fotografieren zu halten. Auf Stekenjokk suche ich mir nun einen brauchbaren Stellplatz um mein Quartier aufzuschlagen. Dieses findet sich hinter ein paar Wohnmobilen an einem der Tagebauseen. Wie auf Flatruet lasse ich das Zelt lieber im Kofferraum und richte mich auf meinem Fahrersitz ein.
Es ist kurz nach 4 Uhr nachmittags. Zeit ein paar Bilder zu ma… der Kamerabildschirm hat sich verabschiedet! Ich versuche ihn noch irgendwie zum leuchten zu bekommen, bleibe aber erfolglos. Bildkontrolle und Menüeinstellungen: Hejdå! Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder mit der bisherigen Strategie (Manueller Modus, fester ISO, 3-er Belichtungsreihe(=BKT) bei geschätzten Belichtungseinstellungen) oder auf Nummer sicher zu gehen und mit Blendenvorwahl und 3-er BKT, bei variablem ISO, zu arbeiten. Übermütig wie ich bin, bleibe ich bei Variante Nummer eins. Die Bildkontrolle werde ich aber immer erst am Laptop machen können, welcher leider nur am Stromnetz funktioniert. Es wird waghalsig. Zur Not (für Panoramen und Schnappschüsse) bleibt mir noch die Tizzy. Ich fotografiere also ab jetzt, Samstag, 25.06.2011, 17:00h, bis auf weiteres wieder wie zu Analogzeiten, Ergebnis: offen. Diese frohe Nachricht überbringe ich telefonisch den Küstenreisenden. Jawohl, hier oben, einen Steinwurf von der norwegischen Grenze, das nächste Dorf in 25 Kilometern Entfernung, gibt es ein funktionierendes Mobilfunk-Netz. Danke Telia!
Nach diesem Schock suche ich mir einen Berg aus, den ich erklimmen will. Auf meiner Wanderkarte ist ein Winterwanderweg zum Domprost eingezeichnet. Dieser Weg lässt sich aber nicht ausmachen. Stattdessen begebe ich mich gegen 19.30h auf einen markierten Pfad, ausgerüstet mit ein bisschen Kamera-Ausstattung, aber ohne Stöcke. Das stellt sich bald als großer Fehler heraus. Nach einem Bergaufkilometer mache ich eine erste Pause unterhalb eines kleinen Hügels. Ich ruhe kurz aus, um diesen Hügel ohne Namen anschließend zu erklimmen. Oben, auf knapp 1000 Metern weht mir ein kalter Wind um die Nase. Dieser kann mir aber die überragende Aussicht auf den Tagebau im Fjäll nicht vermiesen. Zwischen den Fjällketten schlängelt sich Vildmarksvägen von Süd nach Nord bergab. Aber ich will noch weiter. Leider versperrt mir ein paar hundert Meter später ein Schmelzwasserfluss den Weg. Hätte ich Stöcke dabei… Ich lasse es sein und wandere stattdessen zum Hügel ohne Namen zurück. Während einer guten halbe Stunde banne ich diese Szenerie auf die Chips beider Kameras.
Gegen 21 Uhr beginnt der trockene Abstieg zu meinem blechernen Nachtquartier. Nachdem mir auf Flatruet beinahe die Füße abgefroren sind, packe ich mich nun mit dicken Klamotten in meinen Schlafsack. Im Halbschlaf beobachte ich direkt neben mir ein merkwürdiges Schauspiel: Am Hang des Sees, unsichtbar für mich, scheint ein kleiner Vogel sein Nest zu haben. Eine Raubmöwe greift dieses in regelmäßigen Abständen an. Der Vogel unbekannter Art, schnellt aus seinem Nest, folgt der Möwe ein paar Meter, dreht bei und fliegt zurück. Das wiederholt sich den ganzen Abend. Dem zusehend, und die Wolken innerlich verfluchend, entschlummere ich.

Bis 9 Uhr kann ich durchpennen. Ich wache ohne kalte Füße oder andere Blessuren auf. Es ist Sonntag, der 26. Juni. Die Sonne ist nicht zu sehen. Stattdessen hält das Schauspiel vor meiner Nase noch immer an. Leider verpasse ich es, das Ganze fotografisch festzuhalten. Unterdessen hat sich der Wind ein bisschen gelegt. Das Nutzen ein paar Insekten um es sich auf meinem treuen Reisebegleiter gemütlich zu machen. Kurz vor 11 Uhr breche ich auf und fahre nochmal zurück zur Passhöhe. Während eine Rentierherde vor mir die Straße kreuzt komme ich langsam ins Grübeln.
Hier oben gibt es nur Schweden und (Nord-)Ostdeutsche. Die letzten 24 Stunden habe ich u.a. ein „CB“, ein „BAR“ und ein „BZ“ gesehen. Diese Gegend scheint meine Landsleute anzuziehen. In Gedanken versunken lichte ich einige Rentiere ab und drehe nach Norden, später Südosten, um. Vor Klimpfjäll bekomme ich den Wasserfall von gestern zu Gesicht. Mit vollem Tele und Offenblende, ist dieses Stück Natur hoffentlich auf den Chip der D90 gebannt. Mein nächstes Ziel ist Fatmomakke, ein Kirchendorf. Langsam geht es dorthin. Die letzten 7 Kilometer sind, mal wieder, Grusväg. Auf dem Parkplatz angekommen steht dort das nächste ostdeutsche Auto, ein „GC“. Die Hüttensiedlung Fatmomakke liegt recht idyllisch an einem kleinen See, nahe dem Marsfjäll. Erschlossen ist das ganze durch ein paar Holzstege, die zwischen den Häusern hindurchführen. Etwa eine Stunde schlendere ich umher und dokumentiere dieses schwedische Phänomen. Kirchendörfer gibt es in Nordschweden recht häufig. Dieses ist ganz besonders, da dessen Teilzeit-Bewohner vor allem Sami sind. Nach abschließendem Kaffee und Gebäck rufe ich im Vandrarhem Saxnäs an und buche die Unterkunft für die nächste Nacht.
Kurz nach 14 Uhr breche ich in Fatmomakke auf. Meine Fahrt geht entlang des Kultsjö weiter nach Südosten. An diesem bietet sich ein sehr schöner Blick auf die Berge des Marsfjälls. Das bringt mich auf die Idee, einen kurzen Abstecher in selbiges zu machen; habe noch etwas Zeit. Wirklich lohnen tut es sich leider nicht. Ich kann aber schon mal an ein Ziel des morgigen Tages heranschnuppern – Trappstegsforsarna. Etwa halb vier bin ich in Saxnäs. Immer noch grau bei 15°C. Mein Zimmer im ersten Stock ist klein und fein. Durch das geöffnete Fenster strömt der Geruch von räucherndem Fisch.
Die Stunde der Wahrheit ist da! Mein waghalsiger Fotoplan ist einigermaßen aufgegangen. Die 3-er BKT’s enthalten immer wenigstens ein brauchbares Bild. Damit sind die kleine Wanderung von gestern, der versteckte Wasserfall und Fatmomakke von heute gut dokumentiert. Plumps! Glück gehabt! Ich werde den Weg aus manueller, geschätzter, Belichtung plus 3-er BKT weitergehen. Jetzt, zum Abend, zeigt sich nach fast 3 Tagen endlich wieder die Sonne. Schön beleuchtete Motive entstehen aus dem Fenster heraus. Der arbeitsreiche Abend geht bei schönstem Frühsommerwetter zu Ende. Tags darauf folgt eine Überführungsetappe.

Montag Nummer zwei. Der 27. Juni 2011. Das etwas andere Midsommarwochenende ist vorbei. Und ich bin gut 3 Breitengrade weiter nördlich als vor einer Woche. Sehr viel wird sich daran heute nicht ändern. Stattdessen geht es weit nach Osten. Los geht’s gegen 10 Uhr in Saxnäs. Sonnenschein, 17 Grad. Strahlend blauer Himmel. Nur leider zu spät. Ziel Nummer eins sind die nahegelegenen Trappstegsforsar – Treppenstufen-Stromschnellen. Das Wasser des Kultsjö stolpert über viele, stufenartige, Gesteinsschichten auf breiter Front bergab. An diesem Naturschauspiel verweile ich für eine knappe halbe Stunde. Nach Gutdünken entstehen ein paar LZ’s. Weiter nach Südosten.
Entlang des werdenden Ångermanälv pausiere ich ein paar Mal. (An eben jenem Fluss, in dessen Mündungsbereich die anderen Reisenden ihr Midsommarwochenende verbringen.) Vilhelmina nähert sich und die kahlen Fjällrücken verschwinden langsam im Rückspiegel. Spritsparende Tempomatfahrt durch dünn besiedeltes Gebiet folgt. Zur Mittagszeit bin zurück an der E45.
Der kleine Ort Vilhelmina wirkt nach den Tagen im Kalfjäll wie eine Großstadt. In dieser führt mein erster Weg zum TB. Ein Zwischenstopp am Nachmittag will noch bestätigt werden. Nach kurzen Telefonat der netten TB-Mitarbeiterin ist dieser in trockenen Tüchern. Das Kapitel „Vildmarksvägen“ ist beendet. Stattdessen ist Inlandsvägen für die nächsten Stunden wieder die Straße meiner Wahl. Durch bekanntes Gebiet fahre ich gen Norden, unterbrochen von ein paar Pausen.
Das Zwischenziel ist 14 Uhr erreicht. Sorsele; bekannt vom letzten Jahr. Heute will ich ins Museum der Inlandsbahn. An dieses war der Anruf aus Vilhelmina gegangen. Mit zwei bereitstehenden Zügen begrüßt mich der Bahnhof des kleinen Dorfes. Sonnenschein. Viel los. Ein kleines Kind beobachtet die beiden Eisenbahnen. Kurz nach meiner Ankunft fährt der nordwärtige Zug ab. Ein Trickfilm-Motiv entsteht. Jetzt besuche ich noch das sehr informative Museum der Inlandsbahn. Fast schon ein Muss für Eisenbahnfreunde. Im Bahnhof Sorsele wird die schwierige und wechselhafte Geschichte der schwedischen Inlandsbahn zwischen Kristinehamn/Mora und Gällivare sehr informativ beschrieben. Leider nur auf schwedisch.
Gegen drei Uhr breche ich auf. Noch sind es knappe 100 Kilometer bis zum Tagesziel Arvidsjaur. Ich rutsche recht entspannt durch. Am Zielort angekommen kaufe ich noch ein und fahre anschließend auf den Zeltplatz. Ein Déjà-vu nach 8 Jahren. Bereits 2003 war ich 3 Nächte auf diesem Platz. Mit neuer Ausrüstung mache ich mich ans Werk. Der Aufbau meines Not-Zeltes gestaltet sich recht schwierig. Zudem ist der Boden fest, wodurch die Zeltheringe kaum halten. Dazu verwandelt sich das Innere binnen kürzester Zeit in eine Sauna. Und diverses Flug-Vieh gibt es im Außenzelt auch zur Genüge. Meine Zeltpremiere wird spannend. Während die Abendsonne ein bisschen Rest-Wärme spendet freue ich mich auf den morgigen Tag. Das erste Wiedersehen steht bevor. Meine Mitreisenden verbringen diese Nacht in einem Kirchdorf in Skellefteå.

Teil 4 (Klick)

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